1. Saarland

Ein Dorf und sein Niederwald

Ein Dorf und sein Niederwald

Eine Verzahnung von Bildungseinrichtungen und außerschulischen Lernorten strebt das Bildungs-Netzwerk St. Wendeler Land an. Ein Lernort, der nur alle fünf Jahre wiederkehrt, sind die Lohheckentage in Eiweiler.

Um Eiweiler ist der Anteil des Niederwaldes an der Gesamtwaldfläche besonders hoch. Dies hat einen Grund: Die Einwohner schälten einst die Eichenrinde, Lohe genannt, und verkauften sie, vor allem an Gerbereien. Denn die Rinde enthält den Gerbstoff Tannin, welcher bei der Lederherstellung genutzt wird. Der Niederwald prägte also das Leben der Menschen und die Landschaft - bis heute sichtbar. Um an diese Tradition zu erinnern, gibt es seit 1987, im Fünfjahresrhythmus, die Lohheckentage in Eiweiler auf dem Kuppen. 2013 mit einer Premiere: Der letzte Tag des Festes war speziell für Schüler reserviert. Denn die Lohheckentage sind ein außerschulischer Lernort und Bestandteil des Bildungs-Netzwerkes St. Wendeler Land, das eine stärkere Verzahnung zwischen Bildungseinrichtungen und eben außerschulischen Lernorten anstrebt. Das Ziel: Den Kindern ihre Heimat, Natur und Kultur, erklären, und zwar nicht trocken im Klassenzimmer, sondern vor Ort.

"Die Lohegewinnung war früher für etwa 15 bis 18 Landwirte, die die Lohhecken besaßen, ein Zubrot, von dem das Dorf profitierte", erklärt Klaus Finkler. Der 64-Jährige ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Lohheckentage Eiweiler. Sein Vater habe 1956, als in Eiweiler das letzte Mal Lohe gewonnen wurde, mitgemacht. Auch sein Bruder Ernst, 61, erinnert sich noch vage an die Zeit. Das ganze Dorf packte damals an. Klaus Finkler: "Wenn die etwa 15 Jahre alten Eichen im Mai im vollen Saft standen, ging es bereits morgens zum Lohschleißen in den Wald. Mittags lieferten die Frauen das Essen, die Kinder kamen nach der Schule auch, um die Äste von den Bäumen abzuklopfen." Auch von den Zweigen wurde die Rinde entfernt, denn kein Stückchen durfte verloren gehen. Mehrere Wochen musste die Lohe trocknen, ehe sie nach Primstal in die Gerberei gebracht wurde. "Sie wurde gemahlen und gewässert. In einer Grube legte man im Wechsel gemahlene Rinde und Tierhäute. Je länger die Felle in der Grube blieben, umso geschmeidiger wurde das Leder", erläutert Finkler. Im abgeholzten Teilstück des Waldes wurden neue Bäume gepflanzt, etwa 15 Jahren später wieder abgeholzt. Währenddessen waren andere Areale an der Reihe. Der typische Niederwald entstand.

Tradition soll weiterleben

Vor allem im 19. Jahrhundert war die Nachfrage hoch. Heutzutage machen Chemikalien die Lohe überflüssig. "Auch wenn es etwa in Trier noch einen Gerber gibt, der sie nutzt", weiß Ernst Finkler. Dennoch: Vergessen werden sollte diese Tradition nicht, darüber waren sich die Eiweiler einig. Daher die Lohheckentage, während derer die Lohegewinnung anschaulich gezeigt wird.

Die Vorbereitungen für das 2013er Fest starteten bereits ein Jahr vorher. Dazu gehörte auch der Plan, einen Tag für Schüler zu reservieren. Eva Henn, Projektleiterin des Bildungs-Netzwerkes St. Wendeler Land, stellte den Kontakt zu den Schulen her und organisierte Transport und Ablauf. "Insgesamt kamen 366 Dritt- und Viertklässler. Daher gab es einen Zeitplan und insgesamt fünf Stationen", erläutert Henn. Etwa 30 Minuten verbrachten die Kinder an jeder Station. Langeweile konnte daher kaum aufkommen, auch, weil es überall was zum Sehen, Anfassen und natürlich Lernen gab.

Klaus Finkler betreute den ersten Punkt. Er erklärte den Niederwald und die Nutzung der Lohe. "Die Kinder durften die Lohe stopfen, so wie es früher gemacht wurde, um die Rinde zum Trocknen zu bündeln", sagt Finkler. Die nächste Station war etwa 200 Meter entfernt: Ein Dachsbau, der Staunen und Neugier erregte. Zurück auf dem Kuppen, wartete auf die Kinder ein Tisch mit allerlei Zweigen und Pflanzen aus dem Niederwald. "Die Kinder mussten beispielsweise Früchte Zweigen zuordnen", erklärt Henn. Am Naturmobil der Vereinigung der Jäger des Saarlandes gab es Tierpräparate, Felle, Tastbretter - die Kinder bekamen einen Einblick, welche Tiere ihre Heimat bevölkern. Schließlich wartete am letzten Punkt, in einer Freizeithütte, ein siebenminütiger Film auf die Schüler. Klaus Finkler: "Dieser wurde 1997 hier gedreht und zeigt kurz und knapp die Lohegewinnung."

Das Resümee des Schülertages fällt bei allen Beteiligten positiv aus. Klaus Finkler: "Einige Kinder kamen später mit ihren Eltern wieder, um ihnen zu zeigen, was sie gelernt haben." Und darum geht es, auch im Bildungs-Netzwerk St. Wendeler Land: Dem Nachwuchs die Besonderheiten der Heimat erklären. Besonderheiten, die sie vielleicht eher behalten, wenn sie vor Ort sehen, spüren, erfahren. Wie bei den Lohheckentagen.