1. Saarland

Ein Dino-Show-Theater für Reden

Ein Dino-Show-Theater für Reden

Schiffweiler/Reden. Der Winter war hart. Im Januar und Februar stürzten nicht nur die Besucherzahlen der Redener Gondwana-Urzeit-Ausstellung um 50 Prozent ab. Auch das Gerechtigkeitsgefühl von Betreiber Matthias Michael Kuhl kam ins Wanken

Schiffweiler/Reden. Der Winter war hart. Im Januar und Februar stürzten nicht nur die Besucherzahlen der Redener Gondwana-Urzeit-Ausstellung um 50 Prozent ab. Auch das Gerechtigkeitsgefühl von Betreiber Matthias Michael Kuhl kam ins Wanken. Bis heute, dies machte er gestern am Rande einer Pressekonferenz in Reden klar, sieht er sein Projekt durch den Wirbel um den Sonderbericht des Landesrechnungshofes mit geschädigt. Dies, obwohl die Prüfer nicht ihn, sondern das Finanz- und Vertrags-Management der ehemaligen CDU-Landesregierung angegriffen hatten. Andernorts, meint Kuhl, würden rote Teppiche ausgerollt, wenn sich Investoren in strukturschwache Gebiete wagten. Im Saarland unterstelle man krumme Sachen. Dabei gelte für ihn: "Das Prähistorium ist keine klassische Cash-Cow, sondern eine Lebensaufgabe. Es geht wirklich nicht darum, den letzten Pfennig an Profit rauszupressen."

Gestern trat Kuhl erstmals nach seinen Schließungs-Drohungen von Januar, die er nie zurückgezogen hatte, vor die Presse. Gestern hieß es unmissverständlich: "Ich bleibe." Und mehr noch: Kuhl wird gemäß seinen Ankündigungen in den Ausbau (Bauphase II) investieren: rund sechs Millionen Euro. Von Seiten des Landes dürften die üblichen Tourismus-Fördergelder fließen.

Geplant ist eine zweite Halle (1000 Quadratmeter), unmittelbar neben der ersten. Eine Art Theater-Raum, in dem die Abschluss-Szene spielt, die momentan filmisch gezeigt wird: der Untergang der Saurier. Zukünftig werden tonnenschwere Riesen-Echsen aus dem Jura und der späten Kreidezeit aufmarschieren. 15 bis 30 Minuten sind für die Show-Runde geplant. Das Drehbuch schreibt Kuhl selbst. Er wird also nicht Teile der Tournee-Produktion "Im Reich der Giganten" nach Reden importieren, sondern auf eine Eigenproduktion setzen. Aus Kostengründen?

Was den Zuspruch angeht, kann Kuhl Entwarnung geben. Mit 72 000 Besuchern sei man wieder annähernd bei der Halbjahres-Quote von 2009 gelandet (82 000). Die Jahresbesucher-Zahl des Startjahres (200 000) ist also auch 2010 erreichbar. Besorgt zeigte sich Kuhl über die lahmende Ansiedlungspolitik auf dem Ex-Gruben-Standort. Zwar werde sich durch die Show die Verweildauer erhöhen, trotzdem brauche es in Kürze weitere Entertainment-Angebote. Er selbst habe zwei Ansiedlungs-Projekte an der Hand. In einem gehe es um "lebende Tiere", im anderen um einen Pavillon der Schmetterlinge (500 Quadratmeter), in dem die Evolution der Insekten gezeigt wird. Weitere Details waren nicht zu erfahren. Deutlich wurde die Distanz Kuhls zu den von der Landesregierung und der Industriekultur Saar (IKS) vorangetriebenen Vorhaben: Jugendhotel (Hostel) und Kindermuseum. Dabei könne ein Kinderspielplatz weiterhelfen, und ein Hostel bringt laut Kuhl "zum jetzigen Zeitpunkt nicht viel, da noch keine weiteren Unterhaltungsmöglichkeiten da sind." Statt eines Billighotel-Standard-Baus hält Kuhl an der Idee fest, auf der Halde eine originelle Karawanserei einzurichten.

Zudem ließ Kuhl gegenüber der SZ anklingen, dass er die Prioritäten bei der Standort-Entwicklung falsch gesetzt sieht. Energie und Geld der IKS seien in die Infrastruktur geflossen, weniger in Ansiedlungs-Bemühungen. Er, Kuhl, sei bislang der einzige, der sich nach Reden getraut habe. Die Arrondierung durch weitere Freizeit-Angebote seien ihm zwar vertraglich nicht zugesichert worden, allerdings habe man ihm vom Erlebnis-Bergwerk bis zur Landesgarten-Schau alle nur denklichen Visionen geliefert: "Das Prähistorium war als eine gut eingebettete Geschichte gedacht." Tatsache ist jedoch, dass Kuhl seit rund vier Jahren als einsamer Kämpfer ackert. "Es geht nicht um Rendite, Gondwana

ist eine Lebensaufgabe."

Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl

Meinung

Gestrandeter Robinson

Von SZ-Redakteurin

Cathrin Elss-Seringhaus

Kuhl ist ein gestrandeter Robinson auf einer Freizeit-Insel inmitten eines menschenverlassenen Areals. Egal, wie hervorragend die Herrichtung der Umgebung und der Bausubstanz gelungen ist: Reden wirkt immer noch unfertig. Fünf Jahre mögen für die Entwicklung eines Ex-Gruben-Standortes eine lächerliche Zeit sein, doch das wusste man, bevor man mit Kuhl Verträge schloss. Nun rächt sich die verfrühte "Anker-Ansiedlung". Denn sie macht sichtbar, wie gemächlich die Regierungs-Mühlen mahlen. Nicht nur hat die IKS keinen Zweit-Investor gefunden. Auch das "Projektmanagement" der Behörden versagt: weder das Biodokumentationszentrum noch die Geologische Sammlung sind bislang zugänglich. Wahrlich: Reden ist ein Ort der zwei Geschwindigkeiten. Deshalb muss die Regierung jetzt endlich aufs Gas: Kuhls Ansiedlungs-Ideen gehört Priorität.