1. Saarland

Ein Buch über die liebenswerten Seiten des Saarlandes

Neues Saarland-Buch : Das Saarland – zum Verlieben

Man kennt Georg Fox als Mundart-Autor. Doch der Püttlinger ist mehr als das: So hat er jetzt eine bemerkenswerte Liebeserklärung an seine Heimat geschrieben, gedichtet und skizziert: „Saarlandfarben“.

Die Faszination fürs Makellose, der Reiz des Perfekten – leicht kann das ja schal werden. Die Liebe zum Unvollkommenen hingegen gründet meist tiefer und überdauert deshalb. Fahndet man in Georg Fox’ „Saarlandfarben“ denn nach seiner Triebfeder für dieses Buch, stößt man fast zwangsläufig auch auf dieses spezielle kollektive Minderwertigkeitsempfinden der Saarländer. Weil das Land so klein am Rande der Republik kauert, und man fürchtet im Konzert der anderen Bundesländer nicht mithalten zu können, spielt man vorsichtshalber bloß die zweite Geige. Was offenbar tief sitzt – trotz kostspieliger Imagekampagnen und Ludwig Harigs legendärer wie sinnenfroher Selbstvergewisserung „Die saarländische Freude“. Fox’ neue literarische Rundreise nun durchs Land wirkt da wie ein Aufputschmittel für alle Saar-Betrübten. Ist das Buch doch die unbedingteste Liebeserklärung an dieses Land; zumindest unter den bekannten Druckwerken.

Überraschend vielleicht: Es ist kein Mundartband geworden, was viele von dem pensionierten Lehrer und Schulleiter erwartet hätten. Seine Herzenssprache setzt der 69-Jährige hier nur dosiert ein, sie erklingt nur in den Gedichten, mit denen er seine Etappen durchs Land und längs des Grenzsaums begleitet und gewissermaßen emotional konzentriert. Mal sanft, nah am Rilke-Ton, mal im Duktus des von Fox so verehrten Johannes Kühn: „Im Wartewinkel“, Impressionen einer abendlichen Bahnfahrt von Metz nach Forbach, überstrahlt denn als Solitär klar die übrige Lyrik.

Man kann „Saarlandfarben“ als literarischen Reiseführer lesen, den Fox allerdings auch mit zahlreichen Skizzen und Aquarellen illustriert. Wer den Püttlinger als Autor kennt, staunt, mit welch’ treffendem Strich er etwa das Hofgut Imsbach, die Relikte der Illinger Burg oder das pralle Leben im Nauwieser Viertel bannt. Tatsächlich aber ist auch das schon eine alte Leidenschaft des Multitalents. Noch dazu mit enormer Verbreitung: In den 90ern schmückten sich eine ganze Reihe von Telefonbüchern mit seinen Bildern. In seinem Buch nun wirken sie eindringlicher als jede Fotografie, sind ideale Begleiter der Texte, die sich üblicher Reiseführer-Hektik entziehen.

Fox folgt einerseits charmant plaudernd den historischen Achsen des Landes, von Kelten und Römern bis ins digitalisierte Jetzt. Vor allem sind es jedoch Gemütsbilder des Landes, die er entwirft. Zwar spart er Negatives nicht aus, etwa bei seiner Völklinger Stippvisite die Kriegsproduktion der Röchling-Werke und den Niedergang der Stahlindustrie, aber selbst Ruß, Dreck und ein feuerrot gefärbter Himmel über der Hütte weiß er noch als Zutaten für Kohle- und Stahl-Romantik zu nutzen. Das Saarland sei ihm stets eine „kleine Oase, wo Freude und Zufriedenheit einen guten Nachklang haben“ gewesen, schreibt Fox. Bei solcher Vorrede lässt sich kaum Beckmessern erwarten. Doch, was man jedem Kapitel anmerkt, ist der enorme Aufwand, mit dem der Autor das ihm eigentlich schon so vertraute Land nochmal durchstreift hat, mit wie vielen Menschen er gesprochen haben muss, um solche Saarland-Bilder malen und schreiben zu können. Facettenreich sind sie und oft auch schillernd, voller Feinheiten, die entdeckt werden wollen. Und wenn man genau hinschaut, spürt man auch, dezent, die Ironie, mit der er seine Worte würzt. Ja, Georg Fox liebt das Saarland ganz offenkundig, aber wohl gerade, weil es so unvollkommen schön ist.

Autor, Maler, Mulitalent Georg Fox     Foto: Olaf Reeck

Georg Fox: „Saarlandfarben“, Edition Schaumberg, 206 Seiten, 25 Euro.