1. Saarland

Ein Betonstopfen für Viktoria

Ein Betonstopfen für Viktoria

Genau 50 Jahre nach dem Ende der Kohleförderung in der Püttlinger Grube Viktoria verschließt die RAG Deutsche Steinkohle den Schacht Viktoria II. Grubenwasser wird weiter abgepumpt, das Schachtgerüst soll mittelfristig stehen bleiben.

Ralph Paulus (links), Chef der RAG-Zentralen Wasserhaltung, mit Fördermaschinist Jürgen Ploke im Maschinenraum.

In den vergangenen Wochen bemerkten Anlieger des früheren Püttlinger Bergwerks verstärkte Arbeitstätigkeiten um den Schacht Viktoria II. SZ-Leser Jürgen Conrad vermutete einen Rückbau des Schachtgerüstes durch die RAG. Der Heimatkundler, früher selbst im Bergbau beschäftigt, meinte: "Ich glaubte, der Förderturm werde demontiert, da das historische Püttlinger Wahrzeichen nicht in die Liste der vier erhaltenswerten Bergbauanlagen aufgenommen ist."

Viktoria II war bis vor wenigen Wochen noch eine der wenigen betriebsbereiten Förderanlagen im Saarland. Da der Schacht zur Wasserhaltung genutzt wird, musste er bis zur Schließung regelmäßig befahren und gewartet werden. Die Saarbrücker Zeitung berichtete im August 2011 unter der Überschrift "Ein Elektriker hält die Stellung" über die Wartungsarbeiten. Bei einem Besuch im Maschinenhaus der alten Grube erläuterten jetzt Ralph Paulus, Leiter der Abteilung Zentrale Wasserhaltung bei der RAG, und Pressesprecher Gregor Zewe die Wasserhaltung und die momentanen Tätigkeiten am Schacht.

Die Aufgabe der Wasserhaltung ist es, vereinfacht dargestellt, untertägige Grubenbaue von zufließendem Wasser frei zu halten. Die Anlage Viktoria- Schacht II in Püttlingen ist neben Duhamel in Ensdorf, Luisenthal, Camphausen und Reden der fünfte Wasserhaltungsstandort im Saarland. Laut Paulus wird das Wasser aus der Püttlinger Grube in den Schlehbach eingeleitet, wobei seine Qualität ständig überwacht werde. Da die RAG die Kosten der Wasserhaltung so niedrig wie möglich halten will, wird Viktoria II mit einer Betonplatte dicht gemacht.

Das Wasser soll dann mit Tauchpumpen durch ein Rohr ans Tageslicht befördert werden. Mit dem Brunnenbetrieb spart das Unternehmen die Unterhaltungskosten für die Schachtanlage. Das Fördergerüst soll aber nach Aussage von Zewe zumindest vorerst nicht demontiert werden. Der Pressesprecher beruft sich dabei auf eine Aussage des RAG-Regionalbeauftragten Friedrich Breinig, der kürzlich erklärte, dass die nicht erhaltenswerten RAG-Anlagen im Saarland, sprich auch Viktoria in Püttlingen, nicht plötzlich von der Bildfläche verschwinden würden. Die RAG wolle zuerst versuchen, neue Nutzer für diese Objekte zu gewinnen. Die Entscheidung über Demontagen falle erst dann, wenn der Erhaltungsaufwand beihilferechtlich nicht mehr zulässig sei. Vermutlich ist ein Rückbau des Püttlinger Förderturms samt der Schachthalle für das Bergbauunternehmen teurer, als die Instandhaltung und die Wahrung der Verkehrssicherheit.