1. Saarland

Ein Austausch der besonderen Art Kletterhalle statt Schnitzelhalle

Ein Austausch der besonderen Art Kletterhalle statt Schnitzelhalle

St. Wendel. Erwartungsvoll sind alle Blicke auf die Tür gerichtet. 26 Schüler erwarten in der Aula des Gymnasiums Wendalinum ihre Austauschschüler aus La Réunion. Bereits vor vielen Jahren wurden erste Kontakte geknüpft. Die damalige Fremdsprachenassistentin und jetzige Lehrerin Michelle Tarby unterrichtete am Wendalinum. Seitdem stand sie in ständigem Kontakt zu Deutschland

St. Wendel. Erwartungsvoll sind alle Blicke auf die Tür gerichtet. 26 Schüler erwarten in der Aula des Gymnasiums Wendalinum ihre Austauschschüler aus La Réunion. Bereits vor vielen Jahren wurden erste Kontakte geknüpft. Die damalige Fremdsprachenassistentin und jetzige Lehrerin Michelle Tarby unterrichtete am Wendalinum. Seitdem stand sie in ständigem Kontakt zu Deutschland. Schließlich fasste sie gemeinsam mit den deutschen Lehrern Manfred Klein und Günther Kunz die Idee für einen Austausch. Gesagt, getan. Nach ersten Briefwechseln stand der Begegnung außer einem dreizehnstündigen Flug nichts mehr im Wege.Um 14 Uhr hielt ein Bus vor der Schule. Nervös und freudig erregt nahmen alle ihre Austauschpartner in Empfang. Nun galt es, die Sprachbarrieren zwischen den Jugendlichen aus Réunion und ihren Gastfamilien zu überwinden. Ein Vater berichtete später: "Bei uns fängt mancher Satz in Französisch an, wird in der Mitte kurz deutsch und endet dann in englisch." Doch das war auch besser so, denn sonst wäre aus "salle d'éscalader" (Kletterhalle) schnell mal ein "salle d'escalop" (Schnitzelhalle) geworden.

Bereits am nächsten Tag sollte es mit dem Programm losgehen. Ein gemeinsamer Ausflug nach Saarbrücken stand an. Für die Réunioner etwas ganz Besonderes. Die Gebäude und die Landschaft in Deutschland wirkten doch ganz anders als in Réunion.

Tags darauf fuhren alle nach Trier, um den Dom, das Bischöfliche Palais und die Porta Nigra zu besichtigen. Auch Bernkastel-Kues ließ man sich nicht entgehen. Hier bestieg man eine alte Burg, von der man einen tollen Ausblick hatte, der für die Strapazen des Anstiegs entlohnte. Sonntags gab es eine kleine Verschnaufpause. Den Tag zur freien Verfügung gestalteten viele sehr unterschiedlich: Ob Kletterhalle, Schwimmbad, Segelflugplatz oder einfach Entspannung. Bereits früh am Morgen des fünften Tages machten sich die Schüler aus Réunion auf den Weg nach Oberwesel. Dort besuchten sie ein Jugendgästehaus und besichtigten deutsche Burgen wie die Schönburg.

Mittwochs wurde es prähistorisch. Die Fahrt in den Gondwana-Park in Landsweiler-Reden stand an. Durch riesige wahrheitsgetreue Nachbildungen der Tiere wurden das Leben und die Lebensumstände verdeutlicht und anschaulich erklärt. Am Ende ging es zu den Hochöfen nach Neunkirchen und in die Innenstadt.Nach einem gemeinsamen Schultag fand donnerstags der Abschlussabend statt, der durch eine bunte deutsch-französische Mischung an Programmpunkten zu einem richtigen Erlebnis wurde. Zuerst spielte die deutsche Schülerin Katharina Colle mit viel Hingabe und Gefühl ein Klavierstück. Danach stellten die réunionischen Schüler in einem deutschen Vortrag ihre Schule vor. Nun folgte eines der Highlights des Abends: ein kreolischer Tanz. In bunten Kleidern und weißen Hemden wirbelten die Jungen und Mädchen zu einheimischer Musik über die Bühne. Der Applaus war groß und natürlich gaben sie gerne eine Zugabe. Doch es wurde nicht nur kreolisch getanzt, sondern auch gesungen. Die französischen Schülerinnen trugen zwei Lieder in französisch-kreolischer Sprache vor, und das Publikum sang begeistert mit. Der vierte Programmpunkt war ein gemischter Vortrag. Sechs Mädchen, drei deutsche Schülerinnen und ihre Austauschpartnerinnen, gaben etwas Musikalisches zum Besten. Unter anderem wurde ein sehr bekannter französischer Schlager textlich auf das Saarland zurecht geschneidert. So wurde ab der dritten Strophe aus "Aux Champs Elysées" "Hauptsach gudd gess". Der Text und die Aussprache ernteten neben Applaus auch reichlich Lacher. Abschließend gab es einem Film über die Landschaft Réunions.

Freitag, der 13. war für die Beteiligten des Austausches keinesfalls ein Pechtag. Alle Schüler und Leher deutscher und französischer Herkunft wurden von Landrat Udo Recktenwald empfangen. Sogar kleine Geschenke bekamen die Gäste aus Réunion.

Der Samstag vor der Abreise war ohne Programm, so dass man in Ruhe packen, Souvenirs kaufen und abends gemeinsam schwenken konnte. Den Sonntag verbrachte man gemeinsam bei einer Stadtbesichtigung in Straßburg, von wo aus die französischen Schüler die Heimreise antraten. In diesen zehn Tagen sind viele Freundschaften geschlossen worden. So fiel es sehr schwer, die neu gewonnen Freunde wieder um die halbe Welt nach Hause fliegen zu lassen. Doch eines tröstet: Auf jeden noch so schlimmen Abschied folgt ein umso schöneres Wiedersehen, denn der Gegenbesuch in Réunion ist bereits beschlossen. Am 1. November startet eine deutsche Schülergruppe mit ihren Begleitlehrern nach La Réunion, der südlichsten Ecke der Europäischen Union auf der Südhalbkugel der Erde. Clara Brill, Marie-Chantal Klees, Klasse 8d, Gymnasium Wendalinum