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Heiko Maas beim SPD-Parteitag in Dillingen
Ein Abschied mit Stolz, Dank und viel Applaus

Heiko Maas erhielt beim SPD-Landesparteitag im Dillinger Lokschuppen jede Menge Lob und Applaus – auch von Andrea Nahles, der designierten Bundeschefin, und Anke Rehlinger (v.l.), der designierten Landeschefin.
Heiko Maas erhielt beim SPD-Landesparteitag im Dillinger Lokschuppen jede Menge Lob und Applaus – auch von Andrea Nahles, der designierten Bundeschefin, und Anke Rehlinger (v.l.), der designierten Landeschefin. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Dillingen. Der SPD-Parteitag in Dillingen feiert den scheidenden Landeschef Heiko Maas, der Bundesaußenminister wird. Von Nora Ernst
Nora Ernst

Das war’s. Aus und vorbei. Heiko Maas hat sich am Freitagabend endgültig in die Bundespolitik verabschiedet. Nach rund 18 Jahren gibt er den Landesvorsitz der SPD ab – 18 Jahre, die für ihn alles andere als leicht waren. Bei drei Landtagswahlen musste er Niederlagen einstecken. 2009 warb er in der Hoffnung auf Rot-Rot-Grün im Wahlkampf gar für starke Grüne, um dann mitansehen zu müssen, wie die in eine Jamaika-Koalition einzogen. Diese und andere Erfahrungen hätten ihn gelehrt, dass „Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit das A und O für politischen Erfolg“ sind, sagte er in seiner Abschiedsrede auf dem Landesparteitag in Dillingen.


Wie er da so vorne stand am Rednerpult, konnte man bei dem sonst eher nüchternen 51-Jährigen doch etwas Rührung ausmachen. Vor allem, als er seinem „politischen Ziehvater“, Ex-Ministerpräsident Reinhard Klimmt, dankte. In der Landespolitik blieb Maas eher glücklos, als Bundesjustizminister erarbeitete er sich seit 2013 Meriten. Die rund 300 Delegierten dankten es ihm mit minutenlangem Applaus. Man merkte: Da lässt ein Landesverband seinen Shooting-Star nur ungern gehen.

Jetzt warten auf Maas neue Aufgaben als Außenminister. Aufgaben, auf die er sich „außerordentlich freut“, die ihn mit großem Respekt erfüllten. Schließlich habe schon Willy Brandt das Amt des außenministers innegehabt. „Ich will mit Engagement meinen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland als verlässlicher Partner in der Welt wahrgenommen wird“, sagte Maas.

Doch er blickte auch kritisch auf die vergangenen Wochen zurück, die für die SPD qualvoll gewesen sind: Erst das Fiasko mit Martin Schulz, immer neue desaströse Umfragewerte und dann die Zitterpartie rund um den Mitgliederentscheid. Die „personellen Abläufe“ seien sicher nicht einfach gewesen, meinte Maas: „Da haben wir uns nicht mit Ruhm bekleckert.“ Jetzt müsse die Partei den Erneuerungsprozess konsequent vorantreiben und dabei die Mitglieder miteinbeziehen. „Wir dürfen nicht direkt nur Regierungsarbeit leisten“, sagte Maas. Die SPD müsse auch dafür sorgen, dass ihr Profil innerhalb der großen Koalition erkennbar bleibe.

Dafür will auch die designierte Bundesvorsitzende Andrea Nahles sorgen, die mit Maas zum Parteitag gereist war. Sie habe sich bewusst dafür entschieden, nicht in die Regierung zu gehen, „weil ich glaube, dass die Partei Raum braucht und jemanden, der sich intensiv darum kümmert, dass sie wieder ein Debattenort für die Zukunft dieses Landes wird“. Dass sie selbst seit der Gründung der SPD vor 154 Jahren die erste Frau an deren Spitze ist, kommentierte Nahles in gewohnt schnodderiger Weise: „Strunzen kann man damit nicht. Darauf hätte man auch mal früher kommen können.“ Dass sie Heiko Maas nun als Außenminister habe vorschlagen können, sei ein „tolles Gefühl“. Er bringe die „notwendige Mischung aus diplomatischem Geschick und klarer innerer Haltung“ mit. Schon als sie ihn vor 25 Jahren kennen gelernt habe, habe sie gedacht, was für ein „frecher, schlauer, cooler Typ“ er sei. Daran habe sich bis heute nichts geändert.



Viel Lob also für den künftigen Außenminister. Dem stand auch Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in nichts nach. Maas‘ größtes Verdienst sei, dass er der Partei Stabilität gegeben habe. In einer Zeit, in der die Bundespartei acht Vorsitzende hatte, blieb Maas Landeschef, trat unverdrossen zu drei Landtagswahlen als Spitzenkandidat an – und verlor. „Wenn man das auf sich nimmt, liegt einem wirklich etwas an der Partei“, sagte Rehlinger. Maas sei einer der klügsten Köpfe in der SPD und habe sich immer klar gegen Rassismus und Rechtsextremismus positioniert. „Darauf, dass du der SPD dieses Gesicht gegeben hast, sind wir sehr stolz.“ Fraktionschef Stefan Pauluhn kommentierte den Abgang mit den Worten: „Eine Ära geht zu Ende.“ Für Rehlinger beginnt diesen Samstag hingegen eine neue Ära. Sie wird vom Landesparteitag wohl zur neuen Landeschefin gewählt.