Ein Abschied mit Paukenschlag

Saarbrücken. Die Interessen von Menschen mit Behinderung kommen in Saarbrücken unter die Räder, weil der Behindertenbeirat teilweise "zu oberflächlich" arbeite und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) kein sehr großes Interesse an diesem Thema habe. Das sagt die Gesamtbehindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Saarbrücken, Elisabeth Geiger (Foto: SZ)

Saarbrücken. Die Interessen von Menschen mit Behinderung kommen in Saarbrücken unter die Räder, weil der Behindertenbeirat teilweise "zu oberflächlich" arbeite und Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) kein sehr großes Interesse an diesem Thema habe. Das sagt die Gesamtbehindertenbeauftragte der Landeshauptstadt Saarbrücken, Elisabeth Geiger (Foto: SZ).Die 48 Jahre alte Diplom-Sozialpädagogin, die hauptberuflich beim Jugendamt des Regionalverbands arbeitet, wird nicht mehr antreten, wenn der neue Stadtrat über die Besetzung des Ehrenamts entscheidet. Das mag daran liegen, dass Geiger CDU-Mitglied ist und es für eine Christdemokratin im neuen Stadtrat wohl keine Mehrheit gibt. Geiger selbst sagt, dass sie das Amt nie für die CDU, sondern immer für die Stadt ausgeübt habe. Deshalb habe es sie erst gewundert, dann geärgert, dass die Zusammenarbeit mit Britz so schwer gewesen sei. "Sie kann nicht unterscheiden zwischen ihrer Rolle als Oberbürgermeisterin und ihrer Rolle in der SPD", sagt Geiger. Seit Anfang dieses Jahres sei sie überhaupt nicht mehr direkt zur Oberbürgermeisterin durchgedrungen, sagt Geiger. Lediglich deren Referent habe mit ihr gesprochen. Dass eine Oberbürgermeisterin der Behindertenbeauftragten nicht mal eine Stunde einräume, sei erschreckend, findet Geiger. Zumal es gerade in Zeiten, in denen der Umbau großer Teile der Stadt geplant wird, wichtig sei, rechtzeitig über Barrierefreiheit zu sprechen.Bei Britz habe wohl ihr CDU-Parteibuch gestört, vermutet Geiger. Aber auch im Behindertenbeirat sei sie angeeckt, sagt Geiger. Das habe daran gelegen, dass sie eine Politik der Barrierefreiheit gefordert habe, die nicht nur Behinderte, sondern zum Beispiel auch Senioren und Mütter mit Kinderwagen im Blick haben sollte. Auch dass zu viel gejammert worden sei, habe sie kritisiert. Geiger: "Integration bedeutet für mich, dass auch Menschen mit Einschränkungen - genau wie gesunde Menschen - gewisse Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen, ohne gleich das Antidiskriminierungsgesetz zu bemühen." Es sei wichtig, auf zugeparkte Behindertenparkplätze hinzuweisen und dafür zu sorgen, dass sie frei sind. Aber "weniger Verbissenheit" und mehr "Freude, Optimismus und die Zuversicht, dass sich Dinge und Menschen verändern können", seien hilfreicher. "Die innere Haltung ist für mich entscheidend, ob ich als Mensch mit Behinderung Außenseiter in der Gesellschaft bin oder nicht", sagt Geiger, die selbst eine Gehbehinderung hat. "Das zu sagen, macht mich nicht zur Königin der Herzen bei Behinderten", vermutet sie. > Weiterer Bericht folgt

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