1. Saarland

Ein Abend im Zeichen der deutschen Sprache"Ich bin eine Plappertasche"

Ein Abend im Zeichen der deutschen Sprache"Ich bin eine Plappertasche"

Saarlouis. "Es wird einen kunterbunten und abwechslungsreichen Abend geben, an dem der große Star die deutsche Sprache ist", kündigt Bastian Sick, Autor der Buchreihe "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", im Gespräch mit der SZ an. Der Journalist und Kolumnist ist am Freitag, 13. April, um 20 Uhr im Theater am Ring in Saarlouis zu Gast

Saarlouis. "Es wird einen kunterbunten und abwechslungsreichen Abend geben, an dem der große Star die deutsche Sprache ist", kündigt Bastian Sick, Autor der Buchreihe "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod", im Gespräch mit der SZ an. Der Journalist und Kolumnist ist am Freitag, 13. April, um 20 Uhr im Theater am Ring in Saarlouis zu Gast. "Nur aus Jux und Tolleranz" heißt sein Programm mit neuen Geschichten aus dem Irrgarten der deutschen Sprache. Sick wird "seinen Star" als Moderator auf die Bühne führen und ihn durch den Abend begleiten. "Im Gepäck habe ich eine Vielzahl unterhaltsamer Geschichten und eine Vielzahl kurioser Bilder, über die das Publikum herzhaft lachen kann", erklärt Sick. Fundstücke aus seinem Buch "Happy Aua" machen einen Teil seines Programms aus, darunter Missgeschicke auf Speisekarten, Angebotsschildern, Werbetafeln, Verkehrsschildern, um nur einiges zu nennen.Sprachliche Entgleisungen und haarsträubende Sprachunfälle stehen im Mittelpunkt, außerdem ein Quiz, das sich auf Sicks neustes Buch bezieht: "Wie gut ist Ihr Deutsch?" "Da wird es so manche schöne Erkenntnisse geben über das, was geht, und das, was nicht geht, sondern fährt", erklärt Sick. "Und natürlich gibt es auch die eine oder andere Verneigung vor dem saarländischen Dialekt", verspricht der Kolumnist und möchte dabei gleich klarstellen: "Ich bin kein Gegner der Dialekte, ich bin nur Vermittler der Hochsprache. Ich will die Dialekte nicht bekämpfen, denn beide können wunderbar nebeneinander existieren". Der Mensch sei in der Lage mehrere Sprachen zu sprechen, und der Saarländer sei ein wunderbares Beispiel dafür. "Er kann nicht nur saarländisch und hochdeutsch, sondern oft auch noch französisch und ist damit ein Multitalent", meint Sick augenzwinkernd.

Speziell für seinen Auftritt in Saarlouis übt er derzeit fleißig den saarländischen Konjunktiv. Man darf gespannt sein.

Karten für Bastian Sicks Gastspiel am Freitag, 13. April, ab 20 Uhr, im Theater am Ring in Saarlouis, sind im Kulturamt Saarlouis, in allen Wochenspiegel-Büros und Pressezentren der Saarbrücker Zeitung, beim SR am Markt in Saarbrücken und in allen Vorverkaufsstellen von Ticket Regional erhältlich. Kartentelefon (06 81) 98 84 98 99. Tickets auch im Internet.

erlebnistermin.de

Herr Sick, verstehen Sie sich selbst als Hüter der deutschen Sprache?

Bastian Sick: Nein. Es gibt sehr viele Etiketten, die man mir seitens der Medien aufgedrückt hat. Ich selbst sage, ich bin Autor und Journalist. Ich schreibe Kolumnen und Bücher, gehe auf Lese- und Vortragsreisen, ich gebe zahlreiche Interviews, bin eine Plappertasche, aber Hüter der deutschen Sprache bin ich nicht. Ich sitze in keiner Kommission, bin noch nie gefragt worden, ob ich bei der Auswahl des Wortes oder des Unwortes des Jahres mitmachen will, oder ob ich der Rechtschreibkommission beitreten will.

Warum sind Sie nie gefragt worden?

Sick: Ich glaube, Menschen, die in solchen Gremien oder Kommissionen sitzen, sind den ganz klassischen Weg gegangen, nämlich den Weg der Linguistik. Und das bin ich ja nicht. Ich habe zwar Literatur- und Sprachwissenschaft studiert, aber meine Bücher sind nicht aus wissenschaftlicher Arbeit heraus entstanden, sondern aus journalistischer Betätigung. Und damit haben viele Linguisten ein Problem, und ich werde auch von vielen angefeindet. Die einen gönnen mir den Erfolg nicht, andere halten mich für unwissenschaftlich, was ich durchaus verstehen kann. Ich schreibe Unterhaltungsliteratur, vermittle auf unterhaltsame Weise Wissen.

Kritiker behaupten, Sie sind ein Besserwisser. Sind Sie es?

Sick: Ein Besserwisser ist jemand, der andere unaufgefordert korrigiert und ihnen sein Wissen aufdrängt. Das ist aber nicht mein Stil. Ich verbessere andere nicht im Gespräch, und ich zwinge niemandem mein Wissen auf. Manche fühlen sich vielleicht durch das Phänomen Bastian Sick bedrängt, dafür kann ich aber nichts. Ich sehe mich eher als Ratgeber und Experten. Zu mir kommen die Menschen mit Fragen über die deutsche Sprache, und diese Fragen beantworte ich gerne. Ich bin ein Autor, der im Büro sitzt, Leserfragen beantwortet und daraus Geschichten für neue Bücher spinnt.

Wir reagieren Sie selbst, wenn Sie sich im Irrgarten der deutschen Sprache verlaufen haben?

Sick: Ich selbst gewinne natürlich auch ständig neue Erkenntnisse. Denn all dieses Wissen, das ich heute habe, musste ich mir aneignen. Und so manche Korrektur habe ich seitens meiner Leser erfahren. Das Leben ist ein ständiges Lernen - wie sagte Goethe einst? "Es irrt der Mensch, so lang er strebt." Und Irrtümern unterliege auch ich immer wieder.

Herr Sick, sprechen Sie Platt?

Sick: Das würde ich gerne, wenn ich könnte. Wer, wie ich, aus dem sogenannten Bildungsbürgertum stammt, der ist von Anfang an mit Hochdeutsch aufgewachsen. Platt war schon zu meiner Zeit ein Dialekt, der nur noch in wenigen Familien gesprochen wurde. Aber ich bedaure das sehr, denn Platt ist ein schöner Dialekt.

Kennen Sie den saarländischen Dialekt?

Sick: Ja, ich bin durch meine Arbeit immer mal wieder im Saarland, war häufig in Saarbrücken. "Fragen an den Autor" war eine meiner ersten großen Radiosendungen. Ich erinnere mich, dass die Reise ins Saarland damals ein Abenteuer war, die Verkehrsanbindung ist eine große Katastrophe! Das Saarland ist wirklich nicht leicht zu erreichen.

In Ihrer Buchreihe "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" verteidigen Sie den Genitiv. Nun werden Sie bald im Land des Dativs auftreten. Wird das für Sie eine besondere Herausforderung?

Sick: Es ist keine besondere Herausforderung, sondern ein besonderes Vergnügen! Die Saarländer - das habe ich von Anfang an erfahren dürfen - sind ein sehr aufgeschlossenes und wissbegieriges Publikum. Im Saarland habe ich von Anfang an großen Zuspruch erfahren, meine Bücher haben sich hier gut verkauft. Das Saarland war auch das erste Bundesland, das meine Dativbücher offiziell in den Kanon der Schulbücher aufgenommen hat. Für mich war das wie ein Ritterschlag, offiziell zur Schullektüre erhoben zu werden. Deshalb habe ich zu diesem Bundesland eine ganz besondere Beziehung.

Was sind typische saarländische Eigenarten?

Sick: Der Gebrauch der Artikel. Warum sind Frauen sächlich? Ich habe eine Freundin, die heißt Jana. Und Jana litt immer darunter, dass sie im süddeutschen Raum als "die Jana" vorgestellt wurde und sie immer wieder betonen musste: "Ich heiße Jana." Jetzt ist Jana ins Saarland gezogen, seitdem ist sie diesen Artikel los und heißt "es Jana". Für sie ist das sozusagen ein Aufstieg in die "Es-Klasse". Und damit kann sie wunderbar leben. Eigenartig ist im Saarland auch der Umgang mit "holen" und "nehmen". "Nehmen" gibt es eigentlich gar nicht. Im Saarland wird nur geholt: ob es Verantwortung ist, die überholt wird, ob es bei einer Diät die Pfunde sind, die abgeholt werden, bis hin zum Suizid, wo man sich sogar das Leben holt.