1. Saarland

Ein Abend der großen Emotionen

Ein Abend der großen Emotionen

St. Wendel. Seit 20 Jahren ist die Showgruppe der Young Americans mit pädagogischen Tanz- und Musikworkshops rund um den Globus unterwegs. Bei der Station St. Wendel in der vergangenen Woche feierte das Ensemble zugleich eine Weltpremiere

St. Wendel. Seit 20 Jahren ist die Showgruppe der Young Americans mit pädagogischen Tanz- und Musikworkshops rund um den Globus unterwegs. Bei der Station St. Wendel in der vergangenen Woche feierte das Ensemble zugleich eine Weltpremiere. "Wir haben bisher noch nicht in dieser Größenordnung mit Menschen und vom Grad und der Schwere der Behinderung so zusammengearbeitet", erklärte der aus Dillingen stammende Europamanager der Young Americans, Michael Heib. Drei Tage hatten sie mit den 90 gehandicapten Menschen der Lebenshilfe St. Wendel in einem Workshop ein Bühnenprogramm einstudiert und den 1000 Besuchern dessen beeindruckendes Resultat in einer Abschlussveranstaltung präsentiert."Diese Begegnung hat auch unser Leben verändert", gestand Tour-Direktor Ross Macdonald. Hinter der Bühne habe man von der ersten Minute an mit dem Herzen kommuniziert. "Es war so berauschend. Jeden Tag sind so viele Freudentränen geflossen", erzählte Sozialpädagogin Katja Biehl von der Lebenshilfe. Die Künstler weckten bei den behinderten Menschen die kreativen Impulse und stärkten ihr Selbstwertgefühl und das Vertrauen, ihre eigenen kreativen Kräfte zu entwickeln.

Im ersten Teil der Show standen die Young Americans im Mittelpunkt. Die bewegungsfreudigen Künstler deckten mit Tanz und Gesang, vom Musical bis hin zu Hip-Hop und Modern Dance, mit ihren ausgefeilten Choreografien sämtliche Facetten eines Unterhaltungsprogramms ab.

Nach einer fünfzehnminütigen Atempause traten die Gesangsstars der Lebenshilfe vor das Mikrofon. Janine Berrang interpretierte einen Song von Elton John. "Ich singe gerne. Die letzten Tage waren einfach ganz toll für mich", jubelte die 17-Jährige. Nadine Drumm coverte den Rod-Stewart-Hit "Sailing". "Ich habe anfangs schon Lampenfieber gehabt", gestand sie. Doch sie wusste auch: "Die Youngs Americans haben uns so viel Liebe gegeben, das hat mir viel geholfen". Bei den Szenen eines Schauspielstücks widmeten sie sich ausgelassen dem Motto: "Fröhlich sein".

Luftgitarren wurden zu ein paar Rock'n'Roll-Nummern gespielt. Als stimmgewaltiger Chor sendeten alle gemeinsam mit "We are the World" eine wichtige Nachricht aus, die den Besuchern ein Gänsehauterlebnis bescherte. Nicht nur denjenigen unter den 1000, die zu nah am Wasser gebaut haben, kullerte dabei ein Tränchen über die Wange. "Jeder von euch ist etwas Besonderes. Jeder Einzelne hier in der Halle hat die Kraft die Welt positiv zu verändern", appellierte Tour-Direktor Macdonald ans Publikum. Nach einem Ausflug zum "König der Löwen" ertönte mit dem Lied "We are family" der emotionale Höhepunkt der Show. Die Zuschauer erhoben sich, klatschten, sangen und sahen beim Rundumblick in leuchtende Augen von nur so vor Lebensfreude strotzenden, gehandicapten Menschen.

"Es ist einfach gelungen, Grenzen verschwinden zu lassen", sagte der tief berührte Lebenshilfe-Geschäftsführer Hermann Scharf. Er stellte den ganzheitlichen Erziehungsansatz der Veranstaltung klar heraus. "Dabei werden Menschen mit Herz und Seele abgeholt", so Scharf. Sozialminister Andreas Storm (CDU) fügte an: "Selten hat Integration so zu Herzen gerührt". Die Veranstaltung habe eine Brücke gebaut, auf dessen Weg Menschen mit und ohne Behinderung zueinandergefunden hätten. "Wir werden im nächsten Jahr erneut die Youngs Americans buchen, um eine gemeinsame Show zu machen", kündigte Storm an.

Während dem Minister diese Worte über die Lippen kamen, lagen sich die Youngs Americans und die Künstler der Lebenshilfe in den Armen und feierten nicht nur eine gelungene Show. "Wir sind alle Freunde geworden", betonte Sängerin Nadine Drumm ausdrücklich. Sozialpädagogin Katja Biehl vermutete deshalb schon einmal, dass der Moment der Trennung alles andere als einfach für die behinderten Menschen werden würde.

Hintergrund

Die Young Americans sind eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation mit Sitz in Los Angeles/USA, die im Jahre 1962 von Milton C. Anderson gegründet wurde. Zunächst waren sie weltweit als Entertainergruppe unterwegs. Im Jahre 1992 starteten sie die pädagogische Initiative "Music Outreach Tour" mit Tanz und Musikworkshops auf der ganzen Welt. Außer in Schulen aller Schulformen arbeiten die Young Americans auch in Universitäten und Studienseminaren mit Lehramtsstudenten und Referendaren. Auch in vielen sozialen Einrichtungen, zum Beispiel in der Jugendpflege, in Behinderteneinrichtungen mit körperlich und geistig Behinderten, sowie Jugendgefängnissen haben bereits eine Vielzahl erfolgreicher Workshops stattgefunden. frf

Auf einen Blick

Die Gesangsgruppe auf dem Bild von links nach rechts: Grayden (Young American), Christian Klein, Vindhavali Arabella Johann (beide Lebenshilfe), Taylor (Young American), Karsten Pitz und David Klöckner (beide Lebenshilfe).
Sabrina Müller (links) interpretierte Nenas Klassiker "Leuchtturm". Rechts der Young American Steve.
Die Youngs Americans präsentierten in ihrer Show einen Querschnitt aus Modern- und Streetdance, Pop, Gospel und Hip Hop.

Der dreitägige Workshop und die Abschlussveranstaltung der Gruppe Young Americans in St. Wendel war der Auftakt der Kampagne "Saarland inklusiv - Unser Land für alle", die die Landesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gestartet hat. Die Veranstaltung in der Sporthalle des St. Wendeler Sportzentrums realisierten gemeinsam das Sozialministerium, die Lebenshilfe St. Wendel, die Stadt St. Wendel und die Initiative "Wir im Verein mit Dir". frf