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Ehe für alle
Jubel bei Befürwortern: Jetzt können auch Schwule und Lesben heiraten

Nach der Abstimmung am 30 Juni 2017 im Bundestag zur Ehe für alle:  Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, und Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der Weiskircher Jörg Litwinschuh.
Nach der Abstimmung am 30 Juni 2017 im Bundestag zur Ehe für alle: Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, und Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der Weiskircher Jörg Litwinschuh. FOTO: S. Bickerich/ADS
Der Weiskircher Jörg Litwinschuh hat die Entscheidung des Bundestages zur Ehe für alle begrüßt. Der Chef der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld kämpft seit Jahren für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung Schwuler und Lesben. Von Matthias Zimmermann

Der Bundestag hat an diesem Freitag den Weg für die Ehe für alle geebnet. Damit sorgte er nach Ansicht von Jörg Litwinschuh für die völlige Gleichberechtigung in der Entscheidung, heiraten zu möchten oder nicht. Wie der Geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Berlin nach der Abstimmung sagte, können eingetragene Lebenspartnerschaften nun auf Antrag in eine Ehe umgewandelt werden. Im Gesetzentwurf heiße es dazu: „Eine Lebenspartnerschaft wird in eine Ehe umgewandelt, wenn zwei Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner gegenseitig persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, miteinander eine Ehe auf Lebenszeit führen zu wollen."

Der Weiskircher Litwinschuh, der seit 2012 die Bundesstiftung leitet, begrüßt die künftige Gleichheit für alle Bürger im Eherecht. „Die rechtliche Gleichstellung der Homosexuellen ist da. Nach der Rehabilitierung der schwulen Opfer des alten Paragrafen 175 ist dies eine weitere historische Entscheidung des Bundestages. Jetzt ist es und heißt es endlich Ehe – Ehe für alle, die eine Ehe schließen möchten.“

Von einem „historischen Tag“ sprach die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. Dies gelte nicht nicht nur für Lesben, Schwule und Bisexuelle in Deutschland, „sondern für uns alle“. Niemand verliere etwas durch die Ehe für alle. Es sei vielmehr ein Gewinn für alle. Deshalb sollte die Enstcheidung nicht nicht als eine Frage parteipolitischer Triumphe oder Niederlagen begriffen werden. „Vielmehr geht es um etwas, das aus meiner Sicht unsere Gesellschaft eint, das Identität stiften und Zusammenhalt schaffen kann: nämlich gleiche Rechte für alle“, ergänzt Lüders.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist nach Magnus Hirschfeld (1868 - 1935), Arzt, Sexualreformer und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung, benannt. Sie initiiert und fördert Projekte in Forschung, Bildung und Erinnerung und wirkt mit ihrer Arbeit einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegen. Die Stiftung mit Sitz in Berlin gibt es seit Oktober 2011. Errichter ist die Bundesrepublik Deutschland. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ist zurzeit der Vertreter der Regierung.