Durch Arbeit Halt im Leben geben

Neunkirchen. Auf den ersten Blick ist das Service-Center Neunkirchen, kurz SCN, in der Neunkircher Betzenhölle eine ganz gewöhnliche Werkstatt. Maschinen stehen in den Hallen, die früher die Firma Duma-Automobile beherbergten, Tische biegen sich beinahe unter bunten Schachteln und Tüten. Mittendrin eine Kantine und ein Bürotrakt. Hier wird gearbeitet, wie in Tausenden Betrieben auch

Neunkirchen. Auf den ersten Blick ist das Service-Center Neunkirchen, kurz SCN, in der Neunkircher Betzenhölle eine ganz gewöhnliche Werkstatt. Maschinen stehen in den Hallen, die früher die Firma Duma-Automobile beherbergten, Tische biegen sich beinahe unter bunten Schachteln und Tüten. Mittendrin eine Kantine und ein Bürotrakt. Hier wird gearbeitet, wie in Tausenden Betrieben auch. Allerdings sind die Mitarbeiter ganz besondere Menschen. Menschen, die nicht in "normalen" Unternehmen arbeiten können, sondern eine auf sie abgestimmte Betreuung brauchen. Denn die zurzeit 48 Beschäftigten des SCN leiden aus den verschiedensten Gründen an psychischen Erkrankungen: Neurosen, Psychosen, Epilepsie, Formen von Autismus, Borderline oder so genannten Bindungsstörungen. "Unser Ziel ist es, die Menschen zu stabilisieren, ihnen durch geregelte, sinnvolle Beschäftigung Halt im Leben zu geben", so die Geschäftsführer Gerd Matthias Bost und Roland Müller im Gespräch mit der SZ. Im Oktober 2000 wurde das SCN, die anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen mit dem Schwerpunkt psychische Erkrankungen, gegründet. Die Werkstatt ist zuständig für die Kreise Neunkirchen und St. Wendel und die einzige ihrer Art in der Region. Aus ursprünglich 30 Plätzen sind mittlerweile 48 geworden, und am Standort St. Wendel ist eine zusätzliche Werkstatt mit mindestens 30 Mitarbeitern geplant. "Der Bedarf an diesen Werkstätten wächst", so Bost, weil es immer mehr Menschen gäbe, die wegen psychologischer Probleme und damit auch eingeschränkter Belastbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht unterkämen. Einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alter zwischen 18 und 63 Jahren sind schon von Beginn an dabei. Das Ziel, wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit zu werden, können nur die Allerwenigsten erreichen. Das SCN ist über die Arbeitslosenselbsthilfe Neunkirchen eine Tochter der Neuen Arbeit Saar GmbH als Einrichtung der Diakonie. "Wir sind gehalten, wirtschaftlich zu arbeiten", umreißt Geschäftsführer Müller die Positionierung der Werkstatt. Die beiden "Schrumpftunnel-Automaten", die Gegenstände wie beispielsweise Geschenk-Sets von Villeroy & Boch in feine Folie einschweißen, sorgen für das Gros der Aufträge. Die Mitarbeiter, von denen jeweils ein Dutzend einem Gruppenleiter zugeordnet ist, arbeiten aber auch in einer Schlosserei und einer Schnell-Druckerei. Im Aufbau ist eine Fertigung von Dauer-Blumenschmuck für die Gastronomie und Hotels. Außerdem gibt es Mitarbeiter in ausgelagerten Arbeitsplätzen, beispielsweise im Neunkircher Zoo oder in der Landwirtschaft. Am Freitag, 8. Oktober, lädt das SCN anlässlich seinen zehnjährigen Bestehens zu einem Tag der offenen Tür in seine Werkstätten in der Betzenhölle 30 in Neunkirchen ein.