Dunkles Verhängnis

Dunkles Verhängnis

„Uff!“, dachte SZ-Redakteur Martin Rolshausen, als ihn dieser Tage eine E-Mail aus der Stadtbibliothek erreichte.

Meinung:

Dunkles Verhängnis

Ich hatte es nicht vor, weil ich weiß, dass es da ziemlich finster ist, aber es führte kein Weg daran vorbei: Ich musste dieser Tage tief in mich gehen. Elektronische Post aus der Stadtbib liothek hat mich dazu veranlasst. "Sie haben Medien entliehen, deren Leihfrist in Kürze endet", lautete die Nachricht.

Diese Erinnerungen sind ein wunderbarer Service, für den ich dem Bibliotheksteam nicht genug danken kann. Zeigt er doch: Denen geht es nicht ums Geld, sondern um mein Wohlbefinden. Denn als es diese Hinweise noch nicht gab, habe ich mich mit der Rückgabe von Büchern gelegentlich so sehr verspätet, dass ich fast hätte einen Kleinkredit aufnehmen müssen, um die Versäumnisgebühren zu zahlen. Jetzt kam aber zum "Schön, dass ihr in der Bibliothek mir helft, euch weniger Geld zu geben", ein Schreck: In der Liste der Bücher, die ich zurückbringen sollte, stand "Dunkles Verhängnis". Ich war mir sicher: "Dunkles Verhängnis" habe ich zusammen mit "Dunkle Vergeltung" und "Dunkle Schuld", also den anderen Teilen der Turner-Trilogie des amerikanischen Schriftstellers James Sallis, längst zurückgebracht. Oder doch nicht? Ich musste tief in mich gehen, in die dunkle Erinnerung. Nachdem ich meine dunklen Ecken ausgeleuchtet hatte, war ich fast sicher: Das Buch ist in der Bücherei. Das teilte ich denen dort mit. Und kurz darauf kam die Nachricht: Das Buch stand bereits wieder im Regal.

Es bestätigte sich ein dunkler Verdacht: Auch Computer machen Fehler. Und aus der Finsternis drang ein heller Schein zu mir durch: Mein Gedächtnis war besser als das des Computers.

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