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Droht Heimatkundlern die Kündigung?

Droht Heimatkundlern die Kündigung?

Vor zwei Jahren beschloss der Völklinger Stadtrat den Um- und Ausbau des ehemaligen Bürgermeisteramtes in Ludweiler. Davon sollen vor allem der Theaterverein Thalia und das Glasmuseum profitieren, während der Heimatkundliche Verein umziehen soll. Doch der weigert sich. Über das Thema debattierte am Montag in der Wehrdener Kulturhalle der zuständige Ausschuss des Völklinger Stadtrats.

Der Theaterverein Thalia, der Heimatkundliche Verein Warndt und das Glas- und Heimatmuseum klagen seit Jahren über die beengten Verhältnisse im ehemaligen Bürgermeisteramt in Ludweiler. Auf Antrag der SPD-Fraktion berichtete die Verwaltung am Montagnachmittag im Stadtratsausschuss für Grundstücks- und Gebäudemanagement (GGM) über den aktuellen Stand der Umbaupläne. In seinem Antrag teilt SPD-Fraktionschef Erik Kuhn auch mit, was er erwartet: Eine Verbesserung der räumlichen Situation des Theatervereins.

Die aktuellen Pläne kommen Thalia entgegen. Mit einem Wanddurchbruch soll im Erdgeschoss ein größerer Veranstaltungsraum geschaffen werden. Kürzlich wurde die Statik überprüft. Liegen die Vorgaben der Experten auf dem Tisch, erläuterte GGM-Chef Heinz Beck, werden die Umbaukosten berechnet. Zumindest für die SPD scheint sicher, dass anschließend auch das nötige Geld in die Hand genommen wird. "Wenn wir A sagen, müssen wir auch B sagen", betonte Kuhn. Für die Planung selbst stehen 80 000 Euro zur Verfügung.

Mit ihrem Konzept setzt die Verwaltung einen einstimmigen Grundsatzbeschluss um, den die zuständigen Ausschüsse bereits vor zwei Jahren in einer gemeinsamen Sitzung gefällt haben. Danach soll das Erdgeschoss zukünftig komplett vom Theaterverein genutzt werden, mit Ausnahme des Büros der Ortsvorsteherin.

Das erste Oberschoss und das Dachgeschoss, so die Planung, werden fürs Glasmuseum reserviert. Dem Heimatkundlichen Verein blieben dann nur noch ein bis zwei Büroräume. Die Heimatkundler, erläuterte Heinz Beck, hätten damals ein Angebot der Gemeinde Großrosseln auf Nutzung der ehemaligen Grundschule in Naßweiler abgelehnt. Beck berichtete von Gesprächen mit allen im alten Bürgermeisteramt wirkenden Organisationen. Sein Fazit: "Es kam zu keinem Konsens." Der Heimatkundliche Verein, erklärte Beck, sei nicht bereit auszuziehen.

Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) will den Beschluss notfalls auch gegen den Willen der Heimatkundler durchsetzen. Er verwies auf die zugunsten des Theatervereins gesetzten Prioritäten. "Das haben wir so entschieden", sagte der Verwaltungschef. Räumt der Heimatkundliche Verein nicht freiwillig das Feld, droht die Kündigung. Eine andere Möglichkeit: Der Verein einigt sich doch noch mit dem Glas- und Heimatmuseum über die Nutzung der oberen Etagen.

Zum Thema:

Hintergrund Für Sammlungen sucht der Heimatkundliche Verein Warndt schon länger Räume. Interesse hatte er angemeldet im Jagdschloss Karlsbrunn und im alten Bergwerk Velsen. Jedoch sehen sich die Heimatkundler personell nicht imstande, ihre Schätze öffentlich zu präsentieren. dd