Staatsschutz ermittelt: Dritte Brandstiftung in einer Woche

Staatsschutz ermittelt : Dritte Brandstiftung in einer Woche

Am Freitag wurde in einem Haus in Völklingen wieder Feuer gelegt. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist möglich.

In der Nacht zum Freitag hat es erneut gebrannt in der Völklinger Zilleichstraße 2 – in einem leer stehenden städtischen Gebäude, das die Stadt sanieren will, um dort Wohnungen für bedürftige Familien und auch für Flüchtlinge einzurichten. Das Feuer, das dritte binnen einer Woche, ist kurz vor vier Uhr ausgebrochen. Um 3.55 Uhr, berichtet Polizei-Pressesprecher Georg Himbert, ist die Meldung eines Zeugen eingegangen.

Die Feuerwehr und die Polizeibeamten fanden eine ähnliche Situation vor wie schon am Freitag voriger Woche und am Mittwoch: Einbruchsspuren, jemand hatte sich gewaltsam Zutritt verschafft zum Haus. Und der oder die Eindringlinge haben drinnen Feuer gelegt.

Dieses Mal gab es Brandstiftungen gleich an zwei Stellen, im Keller und im Dachgeschoss. Und dieses Mal wurde das Dachgebälk des Hauses in Mitleidenschaft gezogen. Wie groß der Schaden ist, der dabei entstand, lasse sich freilich schwer beziffern, sagt Himbert; die Stadt plane ja eine Kernsanierung, die Polizei könne schlecht abschätzen, welche Erneuerungen ohnehin auf dem Programm stünden. Und die Stadt hat ihrerseits noch keine Schadensaufnahme machen können, denn noch sind die Polizei-Ermittler im Haus – das sagte Stadtpressesprecher Uwe Grieger am Mittwoch nach dem Brand Nummer zwei.

Weil unter anderem Flüchtlingswohnungen im Gebäude entstehen sollen, hatte die Polizei bereits nach Brand Nummer eins am vorigen Freitag entschieden, dass ihre Staatsschutz-Abteilung sich um den Fall kümmert. Sechs Beamtinnen und Beamte gehören nach Himberts Auskunft der zuständigen Ermittlergruppe an. Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Brandstiftungen haben sie nicht, „aber wir können es auch nicht ausschließen“, sagt Himbert. Einen konkreten Tatverdacht gibt es bisher nicht. Aber „wir vermuten einen Tatzusammenhang“: Das Vorgehen sei in allen drei Fällen gleich gewesen, ebenso die Art und Weise, wie das Feuer entfacht wurde. Genaues darüber, wie der oder die Brandstifter vorgegangen sind, will Himbert freilich (noch) nicht mitteilen, aus „kriminaltaktischen Gründen“. Auch die Völklinger Polizei ist mit im Boot: Seit dem ersten Brand fährt sie öfter als zuvor Streife auf dem Wehrdener Berg, auf dem der Zilleich-Bau liegt, sagt Himbert. Dennoch: Lückenlose Überwachung sei natürlich nicht möglich.

Das Gebäude in der Wehrdener Zilleichstraße 2 wurde 1956 errichtet, ursprünglich als Unterkunft für Obdachlose. Seit 1985 hat auch die Gemeinwesenarbeit Wehrdener Berg der Caritas dort ihren Sitz. Die Kombination erwies sich auf Dauer als nicht glücklich – seit 2012 bringt die Stadt Völklingen Obdachlose und so genannte Durchwanderer anderswo unter. Für die Gemeinwesenarbeit wiederum waren Raum-Zuschnitte und Sanierungsstau ein Problem. Nach langem Hin und Her beschloss der Völklinger Stadtrat Anfang 2016 einen Umbau. Der Südtrakt wird – recht aufwendig – ausgebaut zum „BürgerInnen-Haus Wehrdener Berg“, in dem dann auch die Caritas ihren Dauer-Sitz erhalten soll. Den Nordtrakt des Baus will die Stadt ebenfalls herrichten. Dort sollen neun Wohnungen für Familien entstehen, zunächst für Flüchtlinge, zur Hälfte finanziert aus dem Flüchtlingswohnraumprogramm des Landes. Die Wohnungen sollen später auch für andere Bedürftige zur Verfügung stehen.

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