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"Drinbleiben und rausschauen"

"Drinbleiben und rausschauen"

Völklingen/Großrosseln. Jörg Dreistadt, Großrosseler Bürgermeister, ist auch jenseits der Politik ein gefragter Gesprächspartner. So als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Naßweiler. Der Verein kümmert sich um rund 50 Obstbäume, schneidet sie "im Herbst und im Frühjahr"

Völklingen/Großrosseln. Jörg Dreistadt, Großrosseler Bürgermeister, ist auch jenseits der Politik ein gefragter Gesprächspartner. So als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Naßweiler. Der Verein kümmert sich um rund 50 Obstbäume, schneidet sie "im Herbst und im Frühjahr". Doch im Moment hat Dreistadt für Gartenfreunde nur den Rat parat: "Drinbleiben und rausschauen." Da kann man mittlerweile schon sehen, wie die Krokusse sprießen. Und dank der ungewöhnlich milden Temperaturen hat auch manch typische Sommerflora wie Geranien bis in den Januar überlebt."Was bis jetzt überwintert hat, kann man auch versuchen, weiter durchzubringen", sagt Diplom-Biologe Karl-Heinz Schäffner. Schäffner ist Direktor der Volkshochschule Völklingen und hat dort einen eigenen Öko-Garten begründet. Es empfehle sich dann nur, diese Sommerpflänzchen mit Stroh oder Vlies abzudecken. "Denn", so sagt Karl-Heinz Schäffner aus Erfahrung, "die nächste Frostperiode kommt bestimmt." Und sie bringe einen Rückschlag für all die Pflanzen und Obstbäume, die bereits ausgetrieben hätten: "Die müssen dann erst wieder neue Triebspitzen bilden." Angesichts solch unbeeinflussbarer Dinge kann Schäffner im Moment Gärtnern nur raten: "Die Ruhe bewahren." Und auf keinen Fall so übermütig werden, jetzt bereits im Freiland anzusäen oder gar zu setzen.

Im Ökogarten in Fürstenhausen war derweil am Wochenende der erste Arbeitseinsatz des Jahres angesetzt. Für Leiter Jürgen Ehlert stand zunächst Bäume schneiden auf dem Programm. Ein frühzeitiges Auslichten der Spitze sei wichtig, damit sich dort nicht die Frostspanner festsetzten. Und der frühe Termin sei unproblematisch, "denn man kann Obstbäume schneiden bis kurz vor der Blüte und bei bis zu minus drei, fünf Grad". Wer gefräßige Schädlinge wie Frostspanner fern halten will, sollte Leimringe am Stamm laut Schäffner am besten schon im Herbst angebracht haben.

Akt zwei der gegenwärtigen Aktionen im Ökogarten: Der Boden wird mit Grabgabeln gelockert und so für die Aussaat im Frühjahr vorbereitet. Entscheidend ist es dann aber laut Ehlert, den Boden wieder mit dem Rechen glatt zu ziehen. Denn sonst fänden Schnecken Risse vor, in denen sie ihre Eier ablegten. Wenn sie das an der Oberfläche tun müssten, bestehe eine weit größere Chance, dass die Eier erfrören. Oder gefressen würden. Ansonsten ist Schnecken die Wetterentwicklung relativ egal. Schäffner: "Die können sich bis zu 20 Zentimeter tief in Erdspalten verkriechen und so auch härtere Frostperioden überstehen."

Zudem regiere in der Natur eine wellenförmige Bewegung beim Verhältnis von Räuber- und Beutetieren wie Käfer, Kröten und Blindschleichen, die zum Beispiel Schneckeneier fräßen. Wenn sich der Frostspanner sehr stark vermehrt habe, folge dem die Vermehrung seiner natürlichen Feinde, während sich im nächsten Jahr wegen des sinkenden Nahrungsangebotes für die Räuber die Beutetiere wieder im Überhang befänden. Im Kampf gegen Schädlinge erhoffen sich die Gärtner nun auch Verstärkung aus der Luft. Ehlert: "Die Vögel haben, weil sie gut zu fressen hatten, im vorigen Jahr zwei- bis dreimal gebrütet."

Rosen sind ein empfindliches Kapitel. Wie man genau mit ihnen umgeht, hängt entscheidend von der Art ab. Ehlert empfiehlt, derzeit nur die Blüten abzuknipsen. Ansonsten ist das Rosenschneiden eine Wissenschaft für sich. Ebenso wie der Obstbaumschnitt, zu dem Jörg Dreistadt seinen eigenen, trockenen Kommentar hat: "Zehn Gartenbauer, zehn Meinungen." Oder, um mit Altbundeskanzler Helmut Kohl zu reden: Letztlich zählt nur, was hinten rauskommt.

oekogarten-voelklingen.de

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 Ein Krokus reckt bei Leserreporter Gabriel Harrison in Oberkirchen das Köpfchen aus der Erde, dahinter treiben die Osterglocken. Dieses Bild wurde an Weihnachten aufgenommen. Foto: Harrison
Ein Krokus reckt bei Leserreporter Gabriel Harrison in Oberkirchen das Köpfchen aus der Erde, dahinter treiben die Osterglocken. Dieses Bild wurde an Weihnachten aufgenommen. Foto: Harrison
 Franz-Helmut Rohner und Günter Galinowski (links) am Samstag beim Baumschnitt, dem ersten Arbeitseinsatz des Jahres im VHS-Ökogarten in Fürstenhausen. Foto: Becker & Bredel
Franz-Helmut Rohner und Günter Galinowski (links) am Samstag beim Baumschnitt, dem ersten Arbeitseinsatz des Jahres im VHS-Ökogarten in Fürstenhausen. Foto: Becker & Bredel
 Ein Krokus zeigt sein Köpfchen, dahinter treiben die Osterglocken. Dieses Bild wurde an Weihnachten aufgenommen. Foto: Harrison
Ein Krokus zeigt sein Köpfchen, dahinter treiben die Osterglocken. Dieses Bild wurde an Weihnachten aufgenommen. Foto: Harrison

Seit 1985 hat die Volkshochschule Völklingen ihren Ökogarten in Fürstenhausen. Dort sind alle Arten von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln verboten. Die Anwendung von biologischen Methoden stehe im Vordergrund, sagt Jürgen Ehlert. Die Fürstenhausener Ökogärtner nutzen bei ihren Methoden altes Wissen und bemühen sich darum, die Kultur der alten Hausgärten, in denen ohne Chemie und mit vielen gärtnerischen Tricks erfolgreich gearbeitet wurde, wieder aufleben zu lassen. Über weitere Kurse, die Angebote des Ökogartens und dessen Hauptthemen kann man sich im Internet informieren. Unter oekogarten-voelklingen.de findet man auch den Veranstaltungs- und Kurskalender. bub