Dreivierteltakt mit Rose

Dreivierteltakt mit Rose

Saarbrücken. Ihre goldene Ära ist schon mehr als ein halbes Jahrhundert vorüber. Die Rede ist von jenen bunt besetzten Salonorchestern: Ausgehend von der Salonmusik des 19. Jahrhunderts spielten sie mit Walzern, Märschen und Tangos zur Unterhaltung auf

Saarbrücken. Ihre goldene Ära ist schon mehr als ein halbes Jahrhundert vorüber. Die Rede ist von jenen bunt besetzten Salonorchestern: Ausgehend von der Salonmusik des 19. Jahrhunderts spielten sie mit Walzern, Märschen und Tangos zur Unterhaltung auf. Doch es gibt sie immer noch, genauer: Es gibt sie wieder - jetzt auch an der Saar: "Saarlonorchester" nennt sich bezeichnenderweise ein ebenso neues wie junges Ensemble angehender Profis und Semiprofis. Die pfiffige Idee stammt von den Oboistinnen Jenny Kiesler, Studentin der Saar-Uni, und Clara Werle, Studierende an der Hochschule für Musik Saar (HfM). Bei Aufführungen des Saarländischen Staatstheaters hatten sie ihre Liebe zur Operette entdeckt. Als sie auch noch eher zufällig an entsprechendes Notenmaterial herankamen, war es nur konsequent, im Freundeskreis nach Mitstreitern zu forschen - und schließlich einen passenden Dirigenten ausfindig zu machen. Die Wahl fiel auf den von höchst anspruchsvollen Projekten wie dem InZeit-Ensemble her erfahrenen Taktstockakrobaten Jonathan Kaell. Anfang des Jahres fand eine denkwürdige erste Probe statt. Zwischen 20 und 30 Lenze zählen die Musikerinnen und Musiker des Saarlonorchesters. Sie leben im Saar-Lor-Lux-Raum, die meisten studieren an der HfM. Auf ihren Pulten liegen Noten aus Operette, Unterhaltungs- und Tanzmusik. Geplant ist, früher oder später auch den Bereich Schlager zu streifen. Dabei will das Saarlonorchester keine Band, sondern ausdrücklich "ein reduziertes Sinfonieorchester" und flexibel einsetzbar sein. In Anlehnung an historische Vorbilder wie die Wiener Ensembles des späten 19. Jahrhunderts, die Berliner Tanzorchester der 1920er-Jahre und eine Vielzahl von Kurorchestern kann das Saarlonorchester in verschiedenen Besetzungen antreten. Die Anzahl der Musiker richtet sich nach Spielortgröße, Publikum und bevorzugtem Repertoire. Drei Varianten sind möglich: Eine "Salonbesetzung" mit zehn bis zwölf, eine "Kleine Ballbesetzung" mit 15 und eine "Große Ballbesetzung" mit 20 Instrumentalisten. Den Kern bilden Violinen, Cello, Kontrabass, Holz- und Blechbläser, Klavier und Schlagzeug; bei Bedarf stehen Gäste wie etwa Sänger zwischen Schlager und Oper zur Verfügung. Für 2010 ist eine erste CD ins Auge gefasst, Hauptbetätigungsfeld soll jedoch die Bühne zwischen Konzertsaal und Festakt sein - wie bereits unlängst beim Tag der Deutschen Einheit. So ist das erste saarländische Salonorchester nun beim Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verbandes zu hören. Im obligatorischen schwarzen Outfit - die Herren mit weißer Fliege, die Damen mit weißer Rose - wird es die Stipendiaten begleiten und Kostproben seines Repertoires bieten. Samstag, 7. November, 19 Uhr, Hochschule für Musik Saar: Stipendiatenkonzert des Richard Wagner Verbandes mit dem "Saarlonorchester" unter Jonathan Kaell.http://saarlonorchester.wordpress.com

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