1. Saarland

Drei Religionen unter einem Dach

Drei Religionen unter einem Dach

Homburg. Drei Schüler des Homburger Christian- von- Mannlich-Gymnasiums sitzen nebeneinander auf Stühlen. Zuerst liest Tom Koblenz einen Text auf Hebräisch vor. Der 15 Jahre alte Schüler trägt dabei eine Kippa, die typische jüdische Kopfbedeckung. Neben ihm sitzt Mariam El-Jarousha. Sie trägt ein weißes Kopftuch und fängt kurz nach Tom auch zu Lesen an, allerdings auf Arabisch

Homburg. Drei Schüler des Homburger Christian- von- Mannlich-Gymnasiums sitzen nebeneinander auf Stühlen. Zuerst liest Tom Koblenz einen Text auf Hebräisch vor. Der 15 Jahre alte Schüler trägt dabei eine Kippa, die typische jüdische Kopfbedeckung. Neben ihm sitzt Mariam El-Jarousha. Sie trägt ein weißes Kopftuch und fängt kurz nach Tom auch zu Lesen an, allerdings auf Arabisch. Zuletzt ist Lucas Jost an der Reihe. Der 17-Jährige trägt den gleichen Text vor, aber auf Deutsch. Die drei Schüler lesen jeweils den nahezu gleichen Text vor, allerdings nicht aus dem gleichen Buch: Tom liest aus der Tora, Mariam aus dem Koran und Lucas aus der Bibel. "Alle drei Religionen haben etwas gemeinsam", stellt die 16 Jahre alte Muslima Mariam El-Jarousha nach ihrer Vorführung fest. Die Vorlese-Aktion ist ein Teil des Projekts für den Wettbewerb "Trialog der Kulturen", bei dem das Gymnasium in diesem Schuljahr mitmacht (siehe Infokasten)."30 Prozent der Kinder bei uns sind aus anderen Ländern, deshalb passt das Projekt so gut zu uns", erklärt der Leiter des Gymnasiums, Wolfram Peters. Schüler aus Syrien, der Türkei oder Brasilien gebe es am Gymnasium. Aber viel wichtiger, als bei dem Wettbewerb der Herbert Quandt-Stiftung zu gewinnen, sei, dass die Schüler mit Begeisterung mitmachen, erklärt er.

Mehrere Arbeitsgruppen haben sich für den Wettbewerb gebildet. Etwa 60 Schüler machen insgesamt mit, schätzt der Schulleiter. Die Projekte werden an drei Tagen, von Donnerstag, 26., bis Samstag, 28. Mai, der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu soll der Pavillon der Schule in einen Irrgarten verwandelt werden. In den Räumen des Pavillons stellen die einzelnen Gruppen das Ergebnis ihrer Arbeit vor.

So gibt es neben der Vorlese-Gruppe auch ein Bewegungstheater. Die Mädchen führen ein Stück auf, in dem es um die Unterschiede zwischen der europäischen und der orientalischen Kultur geht. "Da gibt es viele Probleme, und die wollen wir zeigen", erzählt Janina Sartorio, die in dem Stück ein europäisches Mädchen spielt.

Einer architektonischen Herausforderung stellten sich die Teilnehmer der Gruppe "Drei Religionen unter einem Dach". Sie haben ein Modell gebaut, das die Gotteshäuser der Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum in sich vereint.

Um die Schriftzeichen der drei Weltreligionen geht es bei dem Projekt "Spiegelsaal". In der Mitte eines Sechseckes aus Spiegeln steht ein dreiseitiges Prisma. Auf jeder Seite ist ein anderes Zeichen zu sehen: ein Kreuz, ein Stern und ein Halbmond. Das Prisma mit den Zeichen dreht sich und wird von innen von einer Lampe beleuchtet. So werden die Zeichen immer wieder von den Spiegeln reflektiert. "Wir wollten zeigen: Egal wo man ist, überall trifft man auf die Zeichen der drei Religionen", erklärt der Schüler Andreas Hanenberg.

Feste und Feiern der drei Religionen lernten weitere Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft kennen. "Jetzt wissen wir, wie Weihnachten bei den anderen heißt", erzählte Nils Zarn. Verständnis für andere Kulturen sei wichtig. "Wir glauben alle an denselben Gott", meint der Elfjährige. Darüber hinaus gibt es noch mehrere weitere Projekte. Zum Beispiel ein Spaziergang durch verschiedene Religionen. Bei einem E-Mail-Projekt nahmen Schüler des Gymnasiums zu Gleichaltrigen aus dem Nahen Osten Kontakt auf. Alle Projekte werden dann im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt. "Alle drei Religionen haben etwas gemeinsam."

Mariam El-Jarousha, Schülerin

Auf einen Blick

 Die Vorleser: Mariam El-Jarousha mit Kopftuch, Tom Koblenz mit Kippa und Lucas Jost.
Die Vorleser: Mariam El-Jarousha mit Kopftuch, Tom Koblenz mit Kippa und Lucas Jost.

Fünf weitere Schulen aus dem Saarland machen außer dem Christian-von-Mannlich-Gymnasium in Homburg noch bei dem "Trialog der Kulturen"-Wettbewerb der Herbert Quandt-Stiftung mit. Darüber hinaus sind Schulen aus Rheinland-Pfalz und Hessen dabei. Jede Schule bekommt als Anschubfinanzierung 3500 Euro für die Projekte zum Wettbewerb. Die besten Projekte werden von einer Jury mit Förderpreisen von 60 000 Euro ausgezeichnet. son