1. Saarland

Drei Mal ging's 2011 um Leben und Tod

Drei Mal ging's 2011 um Leben und Tod

Oberthaler können sich laut Polizei sicher fühlen. Nach der Kriminalitätsstatistik müssen sie am wenigsten damit rechnen, in ihrem Ort Opfer einer Straftat zu werden. Die Gemeinde hält auf der Sicherheitsskala den Spitzenplatz unter allen saarländischen Kommunen.

St. Wendel. Nirgends im Saarland sind Menschen so sicher wie im Landkreis St. Wendel. Damit setzt sich fort, was sich bereits seit Jahren abzeichnet: Die Kriminalität in der Region geht weiter zurück. Das berichtet der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion in der Kreisstadt, Erhard Werth. Denn laut Statistik 2011 registrierten seine Kollegen im Vorjahr ein Minus bei den angezeigten Vorfällen von 5,6 Prozent. Absolut: 3529 Mal wurden Fahnder 2011 eingeschaltet, um Taten auf den Grund zu gehen. 2010 waren es 3739 Kriminalitätsfälle - 210 mehr.Um das wahre Gefahrenpotenzial auszumachen, setzen Ermittler die Straftaten in Relation zur Bevölkerungsdichte. Daran soll ersichtlich sein, wie groß die Gefahr ist, Opfer einer Straftat zu werden. So kommen auf 1000 Einwohner im St. Wendeler Land 38,95 Vergehen, so die Bilanz 2011. Das Vorjahr schlossen die Fahnder mit 41,02 Kriminalitätsfällen, 5,05 Prozent Rückgang.

Auch landesweit nahm die Sicherheit zu: von 70,3 auf 68,07 Fälle pro 1000 Saarländer (minus 3,18 Prozent). Tatsächlich zählte die Polizei 2011 69 268 Straftaten im Land (minus 3,6 Prozent).

Nach wie vor am sichersten lebt es sich in Oberthal - sowohl auf Kreis- als auch Landesebene. Hier registrierten Beamte 21,71 Taten auf 1000 Einwohner. Wermutstropfen: Trotz positiven Gesamteindrucks schossen die tatsächlichen Fallzahlen binnen eines Jahres um 45,2 Prozent in die Höhe. Hintergrund laut Werth: "Es gab mehr Vermögens- und Fälschungsdelikte." Darunter fällt zum Beispiel Kartenbetrug am Automaten.

Mit Abstand den größten Satz nach vorn machte Tholey: Um 12,4 Prozent nahm das Risiko ab, Straftatopfer zu werden.

In St. Wendel wurden 1582 Straftaten verübt. 2010 waren es 1749 (minus 9,5 Prozent. Der Anteil an der Kriminalität im Kreis: 44,8 Prozent.

"Die Tageswohnungseinbrüche sind zurückgegangen, von 45 auf 36. Das macht 20 Prozent", sagt der Vize-Polizeichef. Gemeint seien jene Taten, die sich zwischen sechs und 21 Uhr ereigneten. "Dazu hat die Bevölkerung als wachsamer Nachbar beigetragen. Und die sechs Polizeiposten", zeigt sich Werth überzeugt. Aber: Die Wohnungseinbrüche im gesamten Tagesverlauf legten innerhalb von zwölf Monaten um 8,6 Prozent von 81 auf 88 Fälle zu.

Indes rückläufig: Die Polizei schnappte vergangenes Jahr 175 jugendliche Tatverdächtige (16 bis 18 Jahre). 2010 gingen ihr 175 ins Netz. Das macht ein Minus um 6,7 Prozent. Im Gegenzug gestiegen: mutmaßliche Kinderstraftäter: ein Zuwachs um drei auf 60 (plus fünf Prozent).

Mord und Totschlag spielen im Kreis eine untergeordnete Rolle (siehe: "Drei Mal ging's 2011 um Leben und Tod"). Werth: "Die letzte Mordkommission war im November 2006 wegen eines Verbrechens in Marpingen eingesetzt worden." Damals war ein Bäckergeselle (39) ertrunken in einem Bach gefunden worden. Die beiden damals 19 Jahre alten mutmaßlichen Täter hatten als Tatgrund angegeben, ihr Opfer sei ihnen in einer Kneipe wegen großspurigen Gehabes auf den Wecker gegangen. Deshalb wollten sie ihm einen Denkzettel verpassen. > Seite C 5: weiterer Bericht

St. Wendel. Die Kriminalbeamten haben vergangenes Jahr drei Mal wegen "Straftaten gegen das Leben" im St. Wendeler Land ermitteln müssen. Wie der stellvertretende Polizeichef Erhard Werth erläutert, kam dabei aber niemand um. In zwei Fällen sei bereits der Plan dazu aufgeflogen. - März: Eine Frau wollte ihrem Mann einen Auftragskiller auf de Hals hetzen. Ungeschickter Weise teilte sie dies einem größeren Kreis mit. So blieb ihr Vorhaben im Anfangsstadium stecken. Die Ermittler fahndeten wegen versuchten Mordes. - Juni: Ebenfalls um versuchten Mord ging es in einem Fall, als eine Frau einen Mann vergiften wollte. Dies wollte sie über seine Mahlzeiten anrichten. Die Sache flog auf, bevor es überhaupt soweit kommen konnte, weil sie ein Familienmitglied zum Mitwisser machte und dieser ausplauderte. - Juni: Ein junger Mann kam in ein Krankenhaus im angrenzenden Rheinland-Pfalz. Der Schwerverletzte berichtete den Ärzten, er sei am Bostalsee beim Angeln verunglückt. Doch die Wunden sprachen eine andere Sprache. Die Mediziner glaubten nicht, dass er sich das angetan hat. Darauf ermittelten Beamte in seinem Bekanntenkreis. Der Vorwurf: versuchter Totschlag. Das Opfer lag wochenlang im Koma. hgn Foto: B&K/SZ

"Die letzte Mordkom- mission war im November 2006 wegen eines Verbrechens in Marpingen eingesetzt worden."

St. Wendels Vize-Polizeichef Erhard Werth