1. Saarland

Dörflicher Charakter wurde bewahrt

Dörflicher Charakter wurde bewahrt

Wenn Ortsvorsteher Jürgen Zimmer (SPD) von seinem Dorf erzählt, hat er fast nur Positives zu berichten. "In den vergangenen Jahren hatte Oberlinxweiler entgegen dem allgemeinen Trend einen Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen", sagte er im Gespräch mit der SZ

Wenn Ortsvorsteher Jürgen Zimmer (SPD) von seinem Dorf erzählt, hat er fast nur Positives zu berichten. "In den vergangenen Jahren hatte Oberlinxweiler entgegen dem allgemeinen Trend einen Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen", sagte er im Gespräch mit der SZ. Dies sei zum einen auf die Neubaugebiete "Am Hirschberg" und "Auf der Ha" zurückzuführen, zum andern auf die Schaffung von neuem Wohnraum in älteren Gebäuden im Ortskern. Weitere Pluspunkte seien die Nähe zur Kernstadt, zu den Einkaufszentren Fausenmühle und die gute Verkehrsanbindung. Trotz der Nähe zum Stadtzentrum, so Jürgen Zimmer, habe sich Oberlinxweiler jedoch seinen dörflichen Charakter bewahrt. Beleg dafür sei das vielfältige Vereinsleben, die erfolgreichen Bemühungen, Neubürger einzugliedern, und die noch recht gute Ausstattung mit Geschäften und Dienstleistungsunternehmen.Die Vereine im Dorf tragen mit ihrem reichen Angebot den veränderten Freizeitgewohnheiten Rechnung. Wo dies aus eigener Kraft nicht möglich ist, wird die Zusammenarbeit mit Nachbardörfern gesucht. Einer der größten Vereine ist der Sportverein, welcher mit einem Rasenplatz glänzen kann. Er leistet auch eine gute Jugendarbeit, was die Feuerwehr, der Tischtennisclub, der Schützenverein, das Rote Kreuz und der Freizeit- und Karnevalsverein ebenfalls von sich behaupten können. Oft trifft sich die Jugend auch in ihrem Raum in der Kulturscheune. Das Häuserensemble in der Niederlinxweilerstraße ist das bedeutendste Dorfobjekt. Der Umbau der früheren Scheune zu einem Dorfgemeinschaftshaus gilt allgemein als vorbildlich. Alle zwei Jahre organisiert die Vereinsgemeinschaft an der Schule ein Dorffest. Das war dieses Jahr wieder der Fall.

Neben vielen Vereinsfesten ist der Martinsumzug, für den Ortsvorsteher Zimmer stets die Brezel stiftet, immer ein Publikumsmagnet. Die 2004 gegründete Historische Arbeitsgemeinschaft hat sich inzwischen in den Verein für Orts- und Familiengeschichte Oberlinxweiler umgewandelt und tritt mit vielen Aktivitäten an die Öffentlichkeit. Seit 2000 besitzt der Ort im Steinberg ein Naturschutzgebiet. Außerhalb der Ortslage gibt es zwei Freizeitanlagen.

Die Grundversorgung ist gut. Bäckerei, Postagentur, Friseure, Automatenbank, ein Gasthaus, Imbissbetriebe, Handwerker und Dienstleistungsunternehmen werden gut angenommen. Mit dem Keimbacher Hof gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb, der auch Selbstvermarktung und einen Hofladen betreibt. Im Ortsteil Wurzelbach wird ein Ponyhof betrieben. Auf Oberlinxweiler Bann gab es einst fünf Mühlen, die im Ortswappen dargestellt sind. Die Wurzelbacher Mühle an der Straße nach Remmesweiler war eine davon.

Bodenfunden zufolge war diese Gegend um Oberlinxweiler bereits in prähistorischer Zeit bewohnt. So befand sich auf dem Spiemont eine keltische Befestigungsanlage, die auch noch in der römischen Zeit genutzt wurde. Am nordöstlichen Berghang wurden in der Flur "Auf Henschhof" Mauern aus der Römerzeit gefunden, ebenso Säulenstücke, ein Steinrelief, eine Wasserleitung und Münzen. Auch in der Flur "Kalkofen" fanden sich römische Siedlungsreste. Oberlinxweiler wurde im Dreißigjährigen Krieg verwüstet. 1794 kam der Ort zum französischen Saardepartement und 1816 zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld. Das Gebiet ging 1834 an Preußen. Seit 1974 ist Oberlinxweiler Teil der Stadt St. Wendel.Foto: Privat

Am Rande

Um das Jahr 1850 wurde in Oberlinxweilers Ortsmitte beim Bau einer Scheune eine frühmittelalterliche Kirchenwüstung entdeckt. Zu den Funden gehörte ein großer Klumpen geschmolzenen Glockengutes, zwei eiserne Klöppel, ein Hohlschlüssel und eine größere Anzahl von Gerippen und Schädel mit gut erhaltenen Zähnen. Die abgetragenen Erdmassen wurden benutzt, um den Damm für die Nahetalbahn zu bauen. In der Schulchronik schrieb der Lehrer Johann Georg Schneider seinerzeit: "Ohne Zweifel hätten außer diesen typischen Funden damals noch eine Menge kleinerer gemacht werden können, die uns wertvolle Aufschlüsse gegeben hätten, aber Einsicht und Interesse für die Lokalgeschichte werden in jener geldreichen Zeit des Eisenbahnbaues selten gewesen sein. Der ganze Abraum wurde auf den Bahndamm abgefahren, wofür dem Besitzer noch eine Vergütung gezahlt wurde. Dort wurden die unverletzten Schädel pietätvoll wieder mit Erde umhüllt. Und so brausen die Schnellzüge über die alten Frankenköpfe und täuschen ihnen Schlachtgetöse vor, das einst den schwertgewaltigen Männern so vertraut war." gtr

Auf einen Blick

Das Gruppenfoto der SZ-Aktion "Unser Ort hat viele Gesichter" gibt es im Internet für 99 Cent zum Herunterladen auf www.sztipp.de/dorffoto.

Abzüge können Sie schriftlich bestellen: Saarbrücker Zeitung, Mia-Münster-Straße 8, 66606 St. Wendel, E-Mail: redwnd@sz-sb.de (Preis: ein Euro). red