1. Saarland

"Dörfliche Jagdkultur ist gefährdet"Alle Parteien im Kreistag sind grundsätzlich für die Jagd

"Dörfliche Jagdkultur ist gefährdet"Alle Parteien im Kreistag sind grundsätzlich für die Jagd

St. Wendel. In der Diskussion um die Neufassung des saarländischen Jagdgesetzes hat sich der Kreistag St. Wendel mehrheitlich auf die Seite der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) gestellt. In der St. Wendeler Kreisgruppe der VJS sind nach Angaben von Kreisjägermeister Jürgen Born etwa 400 der 450 Jäger in der Region organisiert

St. Wendel. In der Diskussion um die Neufassung des saarländischen Jagdgesetzes hat sich der Kreistag St. Wendel mehrheitlich auf die Seite der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) gestellt. In der St. Wendeler Kreisgruppe der VJS sind nach Angaben von Kreisjägermeister Jürgen Born etwa 400 der 450 Jäger in der Region organisiert.Mit den Stimmen von CDU und SPD hat der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung eine Resolution zur geplanten Novellierung des Jagdgesetzes beschlossen. Die Jägerschaft sehe sich mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, heißt es in der Resolution: Die massiven Änderungen im Jagdgesetz mit ihren vielen Einschränkungen erschwerten die Jagdausübung, machten diese risikoreicher und unattraktiver. Die Ausweisung weiterer Schutzgebiete schränke die Jagd auf etwa 11,6 Prozent der bisher bejagbaren Fläche ein. Einerseits gebe es massive Wildschweinpopulationen, steige damit der Wildschaden, andererseits werde die Schwarzwildkirrung (Anfüttern der Tiere) eingeschränkt. Der Ersatz von Waldschäden durch Wild solle verschärft werden, ebenso das Waffenrecht. Hinzu kämen erhebliche Auflagen bei der Wildbretverwertung.All dies senke die Motivation bei den Jägern. Viele Jagdpächter versuchten bereits aus ihren Pachtverträgen herauszukommen. "Die bewährte dörfliche Jagdkultur im St. Wendeler Land wird dadurch auf das Äußerste gefährdet", heißt es in der Resolution. Die Jagdgenossenschaften mit ihren ehrenamtlichen Vorständen seien ebenfalls betroffen, so durch das sinkende Pachtinteresse. Ehrenamtliche Jagdvorsteher seien bei den eventuell zu erwartenden Wildschadensumlagen überfordert und könnten dann das Ehrenamt niederlegen. Die Kommunen würden dann mit zusätzlichen Aufgaben und Kosten konfrontiert. Jagdgenossenschaften beteiligten sich am Erhalt der Feldwege und unterstützten häufig Projekte in den Dörfern. Wenn dies verloren gehe, gehe auch ein Stück Dorfkultur verloren.Daraus ergibt sich für die Kreistagsmehrheit folgende Positionen: Der Kreistag fordert von der Landesregierung ein klares Ja zur Jagd. Bei der Novellierung des Jagdgesetzes sei mit Augenmaß vorzugehen.Der Kreistag fordert, das Jagdrecht als unverzichtbaren Bestandteil des Eigentumsrechtes sowie das bewährte deutsche Reviersystem zu erhalten. Er fordert den Verzicht auf weitere Verordnungen des Jagd- und Naturschutzrechtes ohne Beteiligung des Landtages und keine zusätzliche Einschränkung der Jagd durch das Naturschutzrecht. Die Jagd müsse in Naturschutzgebieten grundsätzlich erlaubt bleiben. Einschränkungen dürfe es nur geben, wenn durch die Jagd Schutzziele gefährdet seien. Die Regelungen zur bedarfsgerechten Regulierung der Wildbestände müssten so gestaltet sein, dass Wildschäden möglichst vermieden werden. Die Jäger und Pächter verpflichten sich im Gegenzug, diese Vorgaben des Jagdgesetzes zu erfüllen. Die derzeitigen Regelungen der Wildschäden hätten sich bewährt und sollten beibehalten werden. Der Kreistag ist dafür, dass die Vereinigung der Jäger eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes bleibt. Und er spricht sich für die "bewährte Zusammensetzung des Kreisjagdbeirates" aus.St. Wendel. Der Kreistag St. Wendel beschäftigte sich auf Antrag der SPD mit dem Thema Jagd. Die SPD hatte eine Resolution eingebracht, die CDU eine eigene vorgelegt, die dann verabschiedet wurde. Im Landkreis St. Wendel habe die Landnutzung durch die Jagd eine besondere Bedeutung", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Magnus Jung: "Uns ist es wichtig, dass die Jagd keine allzu großen Einschränkungen erlebt. Uns ist es wichtig, dass wir das Signal nach außen geben, dass es uns darum geht, sinnvolle Regelungen im Jagdrecht zu erhalten." Das bedeute aber auch, dass diese sinnvolle Regeln auch eingehalten werden. Jung erinnerte in diesem Zusammenhang an die Wildschäden am Peterberg. Hier hätte man das Recht auch früher strikter umsetzen können. Er sprach sich für einen runden Tisch aus, um die Diskussion über die Novellierung des Jagdgesetzes zu versachlichen.Das Einvernehmen mit den Jägern sei gut, sagte für die CDU ihr Fraktionsvorsitzender Friedbert Becker. "Für uns ist die Novellierung nicht nachzuvollziehen." Er unterstrich die Bedeutung der Jäger für den Natur- und Umweltschutz. Michael Lukas von der FDP gingen die vorliegenden Resolutionen nicht weit genug. Die Fallenjagd müsse erlaubt bleiben, die Schonzeit für Füchse aufgehoben werden. Das sah Lars Schlaup von den Grünen ganz anders. Er sprach sich für das Verbot der Fallenjagd, für ausgeweitete Schonzeiten und die Auflösung der VJS als Körperschaft des öffentlichen Rechtes aus. Er sei nicht gegen die Jagd, die müsse sich aber dem Natur- und Umweltschutz unterordnen. Die Linken-Fraktion beteiligte sich nicht an der Diskussion.Landrat Udo Recktenwald sagte, was ihn grundsätzlich störe ist, dass der Beitrag der Jäger und Jagdgenossen zum Naturschutz und zur dörflichen Kultur nicht gewürdigt werde. Recktenwald: "Naturschutz machen nicht nur Naturschutzvereine". Und weiter: "Wir brauchen ein vernünftiges Miteinander aller Landschaftsnutzer." Recktenwald nahm aber auch die Jäger in die Verantwortung: "Die Jäger müssen aber auch ihrer Verpflichtung nachkommen, was das Vermeiden von Wildschäden angeht." Recktenwald: "Wir brauchen die Jagd zur bedarfsgerechten Reduzierung des Wildbestandes." Die Jagd sei für ihn Naturschutz durch Naturnutzen.Mit allen Stimmen der CDU und der SPD, gegen das Votum der Grünen, bei Enthaltung von FDP und Linken verabschiedete der Kreistag die von der CDU eingebrachte Resolution. vf