1. Saarland

Diskussion in Saarbrücken: Kampf gegen Cyberkriminalität braucht Geld

Polizei : Kampf gegen Cyberkriminalität braucht Geld

Gegen Cyberkriminalität vorzugehen, ist nicht leicht. Auch für die saarländische Polizei. Das wurde jetzt bei einer Diskussionsrunde in Saarbrücken deutlich.

Cyberkriminalität ist ein Thema, das immer häufiger auftaucht. Mittlerweile fällt es Verbrechern leichter, im Internet für ihr Einkommen zu sorgen, als in der Realität. Ihre Werkzeuge sind Viren und Trojaner, mit denen sie durch die Sicherheitsbarrieren von Behörden und Firmen dringen und diese erpressbar machen. Wegen dieser Entwicklung hatte der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) zu einer Podiumsdiskussion in der Industrie- und Handelskammer in Saarbrücken eingeladen. Zunächst hörten die Anwesenden den Vortrag von Thomas-Gabriel Rüdiger, einem Cyberkriminologen aus Brandenburg. Sein Spezialgebiet sind die Verbrechen einzelner Personen im Internet. Dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist, wird seiner Meinung nach nur deswegen betont, weil diese Aussage gar nicht stimme. Beleidigungen oder sexuelle Anmache von Minderjährigen würden laut Rüdiger deshalb so häufig ausgeführt, weil die Täter sich sicher vor Strafverfolgung fühlten.

Der Experte sprach damit einen Punkt an, der im Laufe des Abends oft wiederholt wurde: Die Polizei sei personell und fachlich noch viel zu schwach aufgestellt, um die Flut der Vergehen richtig verfolgen zu können. Einen Fall von organisierter Internet-Kriminalität schilderte anschließend der Unternehmer Gerhard Klein. In seine Firma war im vergangenen Jahr ein Virus durch die Sicherheitssoftware gedrungen und hatte sämtliche Daten verschlüsselt. Um an einen Teil der Informationen wieder heranzukommen, habe Klein 3500 Euro an die Verbrecher überweisen müssen. Letztlich belief sich sein gesamter Schaden auf 70 000 Euro.

Ob man nicht ein Programm schreiben könne, das solche Attacken generell verhindert, fragte Moderator Klaus Dietrich den wissenschaftlichen Direktor des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit, Michael Backes. „Das wäre wie eine Software, die den Weltfrieden herstellt“, antwortete dieser. „Je nachdem, wer angreift, brauchen Sie ganz andere Schutzmechanismen“, so Backes. Ammar Alkassar, der Bevollmächtigte für Innovation und Strategie der Landesregierung, meinte, dass die Digitalisierung erst jetzt richtig anfange. Man werde nicht darum herumkommen, für die Bekämpfung der Cyberkriminalität mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Aber: „Am Ende des Tages wird man es schaffen.“

Baden-Württemberg ist hier Vorreiter. Dort werden Polizisten mittels der Sonderlaufbahn Cyberkriminalität ausgebildet, berichtete der Mannheimer Polizeipräsident Andreas Stenger. Man stehe aber in der Konkurrenz zur freien Wirtschaft, wo solche Experten bezahlt würden. Im Saarland ist Maurice Maralli einer von zehn Polizisten im Dezernat Cyberkriminalität. Insgesamt seien es hierzulande nicht mehr als 40 Beamte, die sich mit diesen Verbrechen auseinandersetzten. Dazu Bouillon: „Wir sind in Gesprächen und versuchen das Handwerkszeug relativ günstig einzukaufen, Professoren haben aber ihren Preis. Wir haben 40 Leute, aber wir brauchen noch mehr.“