"Dieser Brief ist ehrabschneidend"

"Dieser Brief ist ehrabschneidend"

Quierschied. Ein offener Brief an Markus Wirth (42), den Pastor der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt in Quierschied, ist zurzeit das Hauptgesprächsthema im Ort. Sogar in Internetforen wird darüber schon diskutiert. Verfasst hat den Brief die Redaktion des örtlichen Monatsmagazin "Es Käsblättsche"

Quierschied. Ein offener Brief an Markus Wirth (42), den Pastor der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt in Quierschied, ist zurzeit das Hauptgesprächsthema im Ort. Sogar in Internetforen wird darüber schon diskutiert. Verfasst hat den Brief die Redaktion des örtlichen Monatsmagazin "Es Käsblättsche". Dem Kirchenmann wird vorgeworfen, sein Verhalten zur Nachbarschaft sei "alles andere als nachbarfreundlich". In dem Brief heißt es unter anderem, dass sich zahlreiche Anwohner, vor allem aus dem Bereich Sonnengasse, darüber beschwert hätten, dass Wirth "jeden Abend eine Festbeleuchtung für das Pfarrhaus einschaltet". Seit einem dreiviertel Jahr habe er auch "das Anwesen Pfarrwiese geschlossen". Schon seit ewigen Zeiten werde das Gelände von Anliegern als Abkürzung benutzt, vor allem von älteren Menschen. Keinen von Wirths Vorgängern habe das je gestört. Nie habe es auch "irgendeinen Vorfall" gegeben. Weiter heißt es: "Sie haben auch alle Fenster vergittert. Fühlen sie sich bedroht? Dann ist vielleicht die Gemeinde Quierschied die falsche Gemeinde für Sie." Vorgeworfen wird dem Geistlichen auch, er habe das Eingangstor zum Pfarrhaus, das es vorher nie gegeben habe, errichten lassen. Mit seinem Verhalten spalte Wirth die Gesellschaft - nicht nur die katholische Gemeinschaft. Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung erklären die beiden Redaktionsmitglieder Houtan Hajiannia und Hans-Norbert Schneider: "Wir wollten mit dem Brief den Menschen Markus Wirth ansprechen, nachdem es bei uns zahlreiche Beschwerden über sein Verhalten gegeben hat." Die beiden betonen: "Unser Brief ist sachlich, ist nicht beleidigend und geht nicht unter die Gürtellinie." Das sieht Markus Wirth allerdings ganz anders. Im Gespräch mit der SZ sagt der Pastor: "Ich finde den Brief ehrabschneidend. Ich fühle mich in den Dreck gezogen." Die Behauptungen, so Wirth, seien lächerlich und unverschämt, außerdem falsch. Er stellt klar: Bereits seit 1994 gebe es ein Tor an der Einfahrt zum Pfarrhausgelände. Es sei aber defekt gewesen und deshalb durch eine neues ersetzt worden. Auch den Zaun um das Gelände gebe es schon seit Jahren. Wirth: "Der alte Maschendrahtzaun war defekt. Wir haben ihn durch einen stabilen Zaun ersetzt." Der Weg durch das Gelände - "ein Trampelpfad" - sei gesperrt worden, weil die Pfarrgemeinde die Sicherheit der Benutzer nicht garantieren könne. Die Gitter am Pfarrhaus seien schon von einem seiner Vorgänger angebracht worden, weil es Einbruchsversuche gegeben habe. Und die so genannte "Festbeleuchtung" seien Leuchten, die man aus Gründen der Sicherheit installiert habe. Bei einer Begehung habe die Polizei dazu geraten, die dunklen Ecken auszuleuchten. Wirth weist daraufhin, dass all diese Maßnahmen nicht von ihm, sondern vom Verwaltungsrat der Kirchengemeinde veranlasst wurden. Wirth: "Mir liegt sehr daran, mit allen Christen in Frieden zu leben." An diesem Samstag lädt Pastor Markus Wirth alle Pfarrangehörigen ein, im Anschluss an die heilige Messe um 18.30 Uhr Fragen im persönlichen Gespräch mit ihm zu klären. "Mir liegt sehr daran, mit allen Christen in Frieden zu leben." Pastor Markus Wirth