1. Saarland

Experten rätseln über die Gründe : Die Zahl der Drogentoten steigt und steigt

Experten rätseln über die Gründe : Die Zahl der Drogentoten steigt und steigt

Im vergangenen Jahr sind im Saarland 29 Menschen an den Folgen von Drogen gestorben. Experten rätseln über die Gründe für den Anstieg.

Es ist ein trauriger Trend, der sich seit Jahren fortsetzt. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Drogentoten im Saarland fast vervierfacht. 2014 waren es noch acht, 2016 dann 27 und im vergangenen Jahr zählte das Landespolizeipräsidium 29 Menschen, die infolge des Drogenkonsums gestorben sind. Und die Zahl könnte sogar weiter steigen. Denn in einem oder zwei weiteren Todesfällen steht das Ergebnis des toxikologischen Gutachtens noch aus.

Der Drogenbeauftragte der Landesregierung, Stephan Kolling, bezeichnet diese Entwicklung als „erschreckend“. Die häufigste Todesursache sei nach wie vor eine Überdosis, jedoch würden sich seit einiger Zeit die Fälle häufen, in denen Abhängige an einer Kombination von Rauschgiften sterben. „Seit 2016 beobachten wir die Tendenz, dass Abhängige harte Drogen mischen – beispielsweise Heroin und Amphetamine“, sagt auch Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes und Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer. Kolling ergänzt, Drogen wie Opioide und Opiate seien derzeit auf dem Markt einfach zu beschaffen: „Schuld ist neben der Verfügbarkeit auch der niedrige Preis für illegale Drogen.“

Aber nicht nur im Saarland steigt die Zahl der Drogenopfer, sondern auch bundesweit – allein im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 1333 Tote. Die genauen Gründe, warum immer mehr Menschen wegen einer Überdosis sterben, seien nicht genau bekannt, sagt Mischo. „Wir vermuten jedoch, dass die Drogen in ihrer Substanz reiner und damit gefährlicher geworden sind.“ Der steigende Reinheitsgehalt sei problematisch, da viele die Gefahren einer Überdosis unterschätzen.

Für Dennis Lander, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Drogenpolitik der Saar-Linken, ist die „Illegalisierung der Drogen“ das Problem. Er fordert die Landespolitik auf, „Drug-Checking“-Stellen zu schaffen, in denen Konsumenten ihre Drogen auf beigemischte Substanzen oder Reinheit überprüfen lassen können. Die Überdosis-Fälle könnten sich damit verringern, sagt Lander.

Auch Sebastian Thul, dem drogenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, würden diese Anlaufstellen „gut gefallen“, aber er sieht darin ein rechtliches Problem: „Drogen sind immer noch illegal und der Besitz ist strafbar. Bei einer Prüfung der illegalen Substanzen müsste die Anlaufstelle eigentlich eine Strafverfolgung einleiten.“ Ein Modellprojekt in Berlin sei aus diesem Grund eingestellt worden, so Thul. „Es ist eine schwierige Debatte, aber wir haben hier in Saarbrücken ein gutes Drogenhilfezentrum, das sich um Abhängige kümmert“, sagt Thul.