Die Zahl der Drogentote im Saarland steigt

Mehr Drogentote im Saarland : Zahl der Drogentoten im Saarland steigt weiter

Höchststand von 36 Verstorbenen im vergangenen Jahr. Land will Hilfe und Vorbeugung verbessern.

Angesichts der Rekordzahl von 36 Drogentoten im vergangenen Jahr im Saarland will das Saarland seine Hilfs- und Präventionsmaßnahmen für Drogenabhängige verstärken. Mittlerweile seien auch immer mehr ältere Menschen betroffen. Das hat der Landesdrogenbeauftragte, Gesundheitsstaatsekretär Stephan Kolling (CDU), am Donnerstag nach einer Sondersitzung des im Dezember neu gebildeten Expertenbeirats Drogen angekündigt. So sollen in Saarbrücken künftig mehr „Streetworker“ eingesetzt werden, um Konsumenten frühzeitig zu erkennen. Auch in den Landkreisen würden die Bemühungen zur Suchthilfe intensiviert, hieß es. Insgesamt will das Land laut Kolling seinen Etat für die Sucht- und Drogenvorbeugung in diesem Jahr um 200 000 auf 1,5 Millionen Euro aufstocken, plus 90 000 Euro für zwei dem Drogenhilfezentrum in der Saarbrücker Brauerstraße angegliederte Sozialarbeiter („Streetworker“).

Über die Zahl der Drogensüchtigen im Saarland gibt es nach Angaben des Landesdrogenbeauftragten keine verlässlichen Zahlen oder Schätzungen. Doch es könnten bis zu 20 Prozent der Bevölkerung suchtgefährdet sein, wenn man Alkohol oder auch Internet- und Spielsucht hinzuzähle, sagte Kolling. Bei den 36 Drogentoten, mit denen das Saarland 2019 im traurigen „oberen Tabellendrittel“ der Bundesländer platziert sei, sei  „nach wie vor Heroin das größte Problem“ gewesen, betonte der Rechtsmediziner Dr. Andreas Ewald von der Uniklinik des Saarlandes in Homburg: Dabei habe der Mischkonsum von verschiedenen Drogen und Substanzen eine große Rolle gespielt, von Kokain und Amphetaminen über Cannabis bis hin zu Schmerzmitteln. Nach der dem Expertenbeirat vorgelegten Polizeistatistik waren unter den 36 Drogentoten an der Saar 28 Männer und acht Frauen, von denen die Hälfte mehr als fünf verschiedene Drogen und Medikamente nahm. Nur einer der Drogentoten war unter 20 Jahre, vier andere dagegen über 60 Jahre alt. 2018 waren 35 Menschen im Saarland an Drogen gestorben, 2017 waren es 29 gewesen.

„Der typische Drogentote ist zwischen 30 und 50 Jahre alt, männlich und kommt meist aus dem Raum Saarbrücken“, fasste Kolling die Statistik zusammen. Besonders bemerkenswert: Mehr als zwei Drittel der Drogentoten im Saarland waren bis zu ihrem Ableben weder der Polizei noch dem Drogenhilfezentrum bekannt. „Hier wollen wir versuchen, mit Streetworkern mehr Menschen zu erreichen und mitzunehmen“, betonte der Staatssekretär. Ein weiteres zentrales Element bleibe das sogenannte Naloxon-Projekt, bei dem bekannte Drogenkonsumenten selbst im Umgang mit dem Medikament Naloxon geschult werden, was eine Art Gegenmittel für Opiat-Überdosierungen ist. Menschen, die in einem Drogenersatzprogramm sind (derzeit etwa 800 bei 19 Substitutions-Ärzten), sollen zudem im Drogenhilfezentrum aufgenommen und nicht wie noch vor einigen Jahren dort abgewiesen werden. Verstärkt werden sollen zudem Hilfen für die Kinder von Drogenabhängigen.

Rechtsmediziner Ewald führte das immer höhere Durchschnittsalter der Drogentoten neben der Alterung der Gesellschaft insgesamt darauf zurück, dass Hilfsprogramme länger Wirkung zeigten. Der Chefarzt der Psychiatrischen SHG-Klinik am Sonnenberg in Saarbrücken, Dr. Ulrich Seidl, mahnte, nicht alle Drogenabhängigen in einen Topf zu werfen, sondern jeden Einzelnen differenziert zu sehen und für ihn eine passgenaue Lösung zu suchen. „Die Schwerstabhängigen haben sowohl körperliche wie psychische Begleiterkrankungen und da brauchen wir als Kliniken viel mehr Unterstützung von Politik und Krankenkassen für mehr Betten und Personal“, sagte Seidl.