Die weitere Förderung von Kunstrasenplätzen im Saarland ist fraglich

Nach Diskussion um Mikroplastik : Förderung von Kunstrasen bleibt ungewiss

Während finanzielle Anreize für Kunstrasenplätze in anderen Bundesländern gestoppt wurden, ist im Saarland noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Das Fraunhofer-Institut, das die Diskussion ausgelöst hatte, rudert nach starker Kritik zurück.

Die Diskussion um ein mögliches Verbot von Plastikgranulat durch die Europäische Union (EU) hat viele Fußballvebände und Vereine verunsichert. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wurde die Förderung von Kunstrasenplätzen deswegen bereits eingestellt.

Im Saarland ist derweil noch keine Entscheidung getroffen worden. Wie es mit der Förderung von Vereinen weitergehen soll, bei denen aktuell Kunstrasenplätze gebaut werden, ist ungewiss. Nach Angaben des Geschäftsführers des Saarländischen Fußballverbandes (SFV), Andreas Schwinn, wären „eine handvoll“ Vereine betroffen. Wo es ginge, würde noch versucht, auf alternatives Füllmaterial wie Kork umzusteigen. Man stünde darüberhinaus mit dem Innenministerium in engem Kontakt. Von dort hieß es auf eine entsprechende SZ-Anfrage, dass über die weitere Förderung von Kunstrasenplätzen wahrscheinlich erst in einer der nächsten Sitzungen der Sportplanungskommission entschieden werde.

Bereits vergangene Woche stellte Innenminister Klaus Bouillon (CDU) ein neues Förderprogramm für Naturrasen vor. Zudem will das Innenministerium Vereine, die schon auf Kunstrasenplätzen spielen, bei der Umstellung auf alternative Füllmaterialen helfen.

Die Verantwortlichen des Hasborner Sportvereines (SV) sind dem bereits zuvorgekommen. Dort entsteht zurzeit ein Kunstrasenplatz, der auf Plastik als Füllmaterial komplett verzichtet und stattdessen auf eine wiederverwendbare Kork-Sandmischung setzt. Ein großer Teil der Bauarbeiten stemmt der Verein in Eigenleistung. „Wenn wir alle Arbeiten von Firmen hätten machen lassen, dann könnten wir den Bau des Kunstrasenplatzes nicht bezahlen“, sagt Rudi Niehren, der im Bauausschuss die Arbeiten des SV Hasborn koordiniert.

Grund für die Aufregung der anderen Fußballvereine im Land waren eine Studie des Fraunhofer-Instituts und ein darauf basierender Beschränkungsvorschlag von Mikroplastik durch die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA).

Laut der Studie sollen zwischen 8000 bis 11 000 Tonnen Plastik-Granulat jährlich von deutschen Kunstrasenplätzen in die Umwelt gelangen. Diese Zahlen bezweifeln mittlerweile viele Kunstrasenhersteller und Fußballverbände.

Nach Einschätzung von Tobias Müller, Marketing-Leiter bei der polytan GmbH im bayrischen Burgheim, seien die publizierten Mengen in der Studie viel zu hoch. Er geht nur von etwa einem Zehntel der Menge aus. „Wir machen ja auch den Service für die Plätze und wissen, wie viel da eingefüllt wird. In der Regel sind das 150 bis 300 Kilogramm für einen Großplatz pro Jahr“, sagt Müller. Dies würden auch das Deutsche Institut für Normierung (DIN) und die Gütegemeinschaft RAL bestätigen.

Müllers Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern von Kunstrasen in Europa und hat auch im Saarland mehrere Sportplätze ausgestattet. So spielt der VfB Dillingen seit zwei Jahren auf Kunstrasen des Unternehmens.

Auch SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn kritisiert die Zahlen des Fraunhofer-Instituts. „Nach den bisherigen Erfahrungen im Verband können wir uns diese Mengen gar nicht vorstellen“, sagt er. Die Vereine müssten im Maximalfall zusammen pro Jahr nur wenige hundert Tonnen Granulat nachordern, um verloren gegangenes Füllmaterial zu ersetzen. „Wir haben Kunstrasenplätze, die schon einige Jahre bestehen, und wo die 500-Kilo-Säcke Gummigranulat immer noch liegen, weil sie einfach nicht aufgebraucht wurden“, so Schwinn weiter. Von Tausenden von Tonnen, wie sie das Fraunhofer-Institut behauptet, könne schlichtweg nicht die Rede sein.

Mittlerweile ist das renommierte Forschungsinstitut mit seiner Studie auch zurückgerudert. Bei den angegebenen Werten handele es sich nicht um konkrete Daten, sondern um Schätzungen, hieß es. Man wollte für das Thema sensibilisieren. Mit einer neuen Studie will man nun die Menge an Mikroplastik, die durch Kunstrasenplätze freigesetzt werde, genauer bestimmen und so zu einer „Versachlichung der Thematik“ beitragen.

Im Hasborner Waldstadion entsteht gerade ein neuer Kunstrasenplatz, der auf ein nachhaltiges Füllmaterial setzt. Foto: Frank Faber

Auch die Europäische Chemikalienbehörde machte in einer öffentlichen Stellungnahme jetzt klar, dass bereits existierende Kunstrasen nicht sofort von einem möglichen Verbot betroffen wären. „Allerdings wäre deren Unterhalt vom Verbotsvorschlag betroffen, wenn die Bestände vom bisherigem Füllmaterial aufgebraucht wären“, betont die Behörde. Entsprechende Übergangsfristen sollen jetzt geprüft werden.