Die Strukturreform im Bistum Trier treibt Katholiken aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz auf die Straße.

Kostenpflichtiger Inhalt: Plakate vor dem Trierer Dom : Lauter Protest gegen das Pfarreien-Aus

Die harte Strukturreform im Bistum Trier treibt Katholiken aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz auf die Straße. Doch bringt das noch irgendetwas?

Es ist gerade einmal ein Jahr her, dass es für Triers Bischof Stephan Ackermann und seine Führungscrew etwas ungemütlich wurde. Etwa 1500 Gläubige aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland versammelten sich an diesem späten Samstagvormittag Ende Oktober 2018 vor dem Trierer Dom, um gegen die geplante Strukturreform des Bistums zu demonstrieren. „Herr Bischof, bitte lassen Sie die Kirche im Dorf“, war auf Plakaten zu lesen, oder auch „Wir wollen Eigenständigkeit“ und „Pfarreien stärken statt Verwaltung aufblähen“. Der Bischof stand mit seinen Weihbischöfen, Domkapitularen und Direktoren am Rande der Protestveranstaltung und machte gute Miene zu dem aus seiner Sicht wohl ziemlich ungeliebten Spiel.

Zu der öffentlichkeitswirksamen Demonstration hatte die bistumskritische Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ aufgerufen, die sich im Jahr zuvor im Raum Prüm gegründet hatte und der sich in den Monaten danach immer mehr Pfarreien angeschlossen haben. 309 Kirchengemeinden sollen es nach Angaben der Initiative inzwischen sein, die damit gegen die Auflösung der insgesamt noch 887 kleinen Pfarreien im Bistum Trier eintreten.

An den ehrgeizigen Plänen des Bistums haben weder die Demonstration vor dem Dom noch die Proteste oder Anhörungen danach etwas ändern können: Zum 1. Januar nächsten Jahres gehen die ersten 15 Großpfarreien an den Start. Die übrigen 20 XXL-Pfarreien sollen bis spätestens 2022 folgen. Auch die personelle Besetzung der Leitungsebene in den Großpfarreien steht seit Kurzem fest. Für das Saarland sind fünf Teams verantwortlich.

Der Trierer Bischof hat die Reformen erst vor wenigen Tagen in einem Gespräch mit unserer Zeitung noch einmal verteidigt und als eine Art basisdemokratische Entscheidung hingestellt. „Alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die Zahl der Pfarreien derart zu reduzieren. Das hätte ich mich nicht getraut“, sagte Stephan Ackermann unter Verweis auf die Ergebnisse einer von ihm einberufenen Synode.

Für die Kritiker sind das alles Spitzfindigkeiten. Sie dürfte am Ende nur interessieren, ob sie die bevorstehende Auflösung der kleinen Pfarreien doch noch irgendwie verhindern können – notfalls auch mit juristischen Schritten, wie Initiativensprecher Harald Cronauer in der Vergangenheit schon mehrfach betont hat.

Die bei einem Kölner Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegebene Umfrage unter den Katholiken im Bistum dürfte vor diesem Hintergrund ein weiterer Versuch sein, die Verantwortlichen im Trierer Generalvikariat in Sachen Strukturreform doch noch irgendwie zum Umdenken zu bewegen. Wahrscheinlich ein frommer Wunsch. Dass das Ergebnis der Befragung am Ende so ausfallen würde, wie es sich die Auftraggeber erwartet haben dürften, kann kaum überraschen. Schon bei der vom Bistum selbst ausgerichteten Anhörung von Priestern und den Gremien der Kirchengemeinden war das Echo überwiegend skeptisch bis negativ. Jetzt, wo die Gläubigen selbst befragt wurden, ist es nur noch ein bisschen negativer. So sagen 73 Prozent der Befragten, dass das Kirchenvermögen weiter im Eigentum der Kirchengemeinde vor Ort bleiben müsse, und 67 Prozent sagen, dass die Kirchengemeinden nicht gegen ihren Willen aufgelöst werden dürften. Beides sind Hauptforderungen der Initiative. Auch die Befürchtung, dass viele ehrenamtlich aktive Gläubige ihr Engagement einstellen würden, sehen die Kritiker durch die Umfrage bestätigt.

Danach gaben 37 Prozent der befragten ehrenamtlich aktiven Gläubigen an, sich in den geplanten Großpfarreien nicht mehr zu engagieren. Dagegen hatten Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg und Katholikenratsvorsitzender Manfred Thesing unlängst noch betont, dass es ausreichend Ehrenamtliche gebe, die bereit seien, in den neuen, sogenannten Pfarreien der Zukunft   mitzuarbeiten.

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