1. Saarland

Die Sportangebote der Zukunft

Die Sportangebote der Zukunft

Saarlouis. Der demografische Wandel hat viele Gesichter. Einer Auswirkung will sich die Stadt Saarlouis nun verstärkt stellen: "Die Veränderung des Sport- und Freizeitverhaltens ist bereits jetzt spürbar", erklärt Oberbürgermeister Roland Henz. "Für uns geht es darum, wie wir auf diese Veränderungen reagieren

Saarlouis. Der demografische Wandel hat viele Gesichter. Einer Auswirkung will sich die Stadt Saarlouis nun verstärkt stellen: "Die Veränderung des Sport- und Freizeitverhaltens ist bereits jetzt spürbar", erklärt Oberbürgermeister Roland Henz. "Für uns geht es darum, wie wir auf diese Veränderungen reagieren." Also hat die Stadt dem Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung in Stuttgart (IKPS) den Auftrag erteilt, einen kommunalen Sportentwicklungsplan zu erstellen - übrigens als erste saarländische Kommune."Auf den kommunalen Sport haben einige Faktoren Einfluss. Das reicht von der Finanzsituation der Kommunen über die Situation der Vereine, Veränderungen des Bildungssystems bis hin zur veränderten Nachfrage", erläutert Stefan Eckl von der IKPS. Freizeit- und Gesundheitssport sowie Fitnessangebote wie Zumba oder Tai Chi seien im Kommen, die Bereitschaft der Menschen, in einem Verein Verantwortung zu übernehmen oder sich überhaupt in einer Vereinsstruktur zu binden oder dort zu etwas verpflichtet zu sein, sinke zusehends. Ein Teil der Plans besteht folglich darin, die Bürger der Stadt, aber auch die Vereine sowie die Schulen und Kindergärten zu befragen. "Wir wollen herausfinden, was die Leute denken. Wo besteht Bedarf? Wie sehen sie die Situation? Welche Angebote wollen sie? Was kann verbessert werden? Diese Erkenntnisse werden uns dabei helfen, der Stadt später Vorschläge zu machen", sagt Eckl. Dabei sollen alle Sportbereiche zusammen betrachtet werden: "Eine gesunde Sportlandschaft besteht eben aus Spitzensport, gesunden Vereinen sowie einem Angebot für Menschen, die ganz bewusst nicht in einen Verein gehen wollen. Dazu kommen noch die Schulen. Gerade an Ganztagsschulen muss es Sportangebote geben", glaubt Eckl.

Das Institut wird ab kommender Woche insgesamt 2800 Fragebögen mit etwa 30 Fragen an Saarlouiser Bürger verschicken. Diese können auch anonym zurückgesendet werden. Die Auswertung der Befragung soll bis zu den Sommerferien abgeschlossen sein. Im Anschluss soll das Institut dann Handlungsempfehlungen erarbeiten.

"Wir sind selbst neugierig, was dabei herauskommt. Wir sind offen für alle Ergebnisse", sagt Bürgermeister und Sportdezernent Klaus Pecina. Klar sei aber, dass die Vorschläge Grundlage für eine offene Diskussion werden sollen: "Die Sport- und Freizeitstätten in Saarlouis sollen sinnvoll ausgebaut und an den Bedarf angepasst werden. Wir müssen über alles reden können, es darf keine Tabus geben." Das kann beispielsweise bedeuten, dass ein Kunstrasenplatz nicht gebaut wird, weil er auf Dauer nicht ausgelastet wäre. Das kann aber auch heißen, dass Vereine dazu angeregt werden, in größerem Umfang zu kooperieren. Steuerbar von Seiten der Stadt sei dies vor allem durch die Fördermittel. "Wir wollen damit keine Ängste schüren. Es ist aber auch klar, dass wir unsere Mittel nur in Projekte stecken können, die Zukunft haben", macht Oberbürgermeister Roland Henz deutlich.

Dass Sportstätten geschlossen werden müssten, glaubt er aber nicht. Dazu sei die Nachfrage zu hoch. "Aber vielleicht kann es sinnvoll sein, an einer Stelle aus einem Spielplatz einen Bouleplatz zu machen, anderswo einen Sportplatz nicht mehr zu bewirtschaften oder am Leinpfad weitere Angebote für Jogger bereitzustellen", blickt Henz in die noch ungewisse Zukunft. "Genau diese Dinge wollen wir herausfinden und dann früh reagieren."

Meinung

Keine Angst vor der Wahrheit

Von SZ-RedakteurSascha Sprenger

Gerne nennt sich Saarlouis die Sporthauptstadt des Saarlandes. Das bezieht sich primär auf die Erfolge im Spitzensport, doch letztlich gehören dazu alle Bereiche, in denen sich Menschen sportlich betätigen. Daher macht es Sinn, sich ein genaues Bild darüber zu verschaffen, wie sich Bürger und Vereine die Sportstadt Saarlouis vorstellen, was sie sich wünschen und wo sich Investitionen in Zukunft lohnen.

 Die Handballer der HG gehören zusammen mit den Basketballerinnen der Royals zu den Aushängeschildern der Stadt. Foto: rup
Die Handballer der HG gehören zusammen mit den Basketballerinnen der Royals zu den Aushängeschildern der Stadt. Foto: rup
 Fitnessangebote wie Zumba, eine Mischung aus Fitness und Tanz zu lateinamerikanischen Klängen, erleben großen Zulauf. Foto: König
Fitnessangebote wie Zumba, eine Mischung aus Fitness und Tanz zu lateinamerikanischen Klängen, erleben großen Zulauf. Foto: König
 Bürgermeister Klaus Pecina, Oberbürgermeister Roland Henz, Amtsleiter Harry Berwanger, Abteilungsleiter Alexander Guß sowie Werner Hiery, Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, (von links)diskutieren mit Stefan Eckl (ganz rechts) das Konzept zur Sportentwicklungsplanung. Foto: Jenal
Bürgermeister Klaus Pecina, Oberbürgermeister Roland Henz, Amtsleiter Harry Berwanger, Abteilungsleiter Alexander Guß sowie Werner Hiery, Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, (von links)diskutieren mit Stefan Eckl (ganz rechts) das Konzept zur Sportentwicklungsplanung. Foto: Jenal
 Die Handballer der HG gehören zusammen mit den Basketballerinnen der Royals zu den Aushängeschildern der Stadt. Foto: rup
Die Handballer der HG gehören zusammen mit den Basketballerinnen der Royals zu den Aushängeschildern der Stadt. Foto: rup
 Fitnessangebote wie Zumba, eine Mischung aus Fitness und Tanz zu lateinamerikanischen Klängen, erleben großen Zulauf. Foto: König
Fitnessangebote wie Zumba, eine Mischung aus Fitness und Tanz zu lateinamerikanischen Klängen, erleben großen Zulauf. Foto: König

Als Konsequenz kann es aber passieren, dass unangenehme Wahrheiten ausgesprochen werden müssen. Das wird auch kritische Stimmen nach sich ziehen. Die Verantwortlichen sollten davor keine Angst haben. Denn wenn etwas wirklich Sinn macht, wird es auch irgendwann akzeptiert.