1. Saarland

"Die spielen wie in Zeitlupe""Ich hoffe immer noch, ein Ticket fürs Finale zu ergattern"

"Die spielen wie in Zeitlupe""Ich hoffe immer noch, ein Ticket fürs Finale zu ergattern"

St. Wendel. Vom spielerischen Niveau während der Fußball-WM zeigten sich die Befragten enttäuscht. Oft bemängelt: das Tempo. "Die spielen wie in Zeitlupe", klagt Heike Lechner (36) (Fotos: Schmidt/privat) aus Niederlinxweiler. "Männerfußball ist bedeutend schneller

St. Wendel. Vom spielerischen Niveau während der Fußball-WM zeigten sich die Befragten enttäuscht. Oft bemängelt: das Tempo. "Die spielen wie in Zeitlupe", klagt Heike Lechner (36) (Fotos: Schmidt/privat) aus Niederlinxweiler. "Männerfußball ist bedeutend schneller. Vieles im Spiel der Damen wirkt irgendwie unbeholfen und ungenau", pflichtet ihr Mann, Mirco Lechner (34), bei. Dafür sei der Kampfgeist der Frauen beeindruckend. "Die gehen Bällen nach, die die Männer oft verloren geben."Schlechte Ball-Technik bemängeln Caroline Kofalk (24) und Dominik Schepp (28). Kofalk: "Für meinen Geschmack gibt es zu viele Fehlpässe und unnötige Ballverluste. Auch der Abschluss war oft grottig." Die 24-Jährige spielt selbst Fußball, bekennt aber: "Im Fernsehen schaue ich lieber die Spiele der Männer." Schepp haben einzig die Amerikanerinnen überzeugt: "Da stimmt das Teamplay, die Passgenauigkeit und das Stellungsspiel." Viele WM-Spiele seien jedoch enttäuschend verlaufen. Vor allem die der deutschen Mannschaft. "Da hätte man im Vorfeld lieber tiefstapeln sollen, anstatt mit dem Slogan 'Das Halbfinale ist nur etwas für die Männer' zu werben."

Auch Kevin Zimmer (26) kritisiert den Auftritt der DFB-Damen. "Birgit Prinz hat mich enttäuscht, vor allem ihr Verhalten, als sie gegen Nigeria ausgewechselt wurde. Und Lira Bajmaraj spielt mir zu egoistisch." Die Verantwortung für das frühe Aus liege jedoch nicht bei Trainerin Silvia Neid. "Sie sollte nicht zurücktreten."

Kevin Grigorean (19) ist Fan des 1. FC Kaiserslautern und fast bei jedem Spiel auf dem Betzenberg dabei. Der Ottweiler vermisst vor allem die typische Stadionstimmung. "Das ist wohl einfach ein anderes Publikum. Es gab kaum Fangesänge, und wenn die La-Ola-Welle durch die Stadien lief, sah es eher aus wie beim ZDF-Fernsehgarten."

Den vom DFB erhofften Prestigegewinn für den Frauen-Fußball sehen die Befragten nicht. "Eine vergleichbare Euphorie wie bei der WM 2006 hätte vielleicht entstehen können, wenn die deutsche Mannschaft ins Finale gekommen wäre, oder die Spiele insgesamt offensiver und schöner gewesen wären", sagt Dominik Schepp. Auch Heike Lechner sei, durch die Heim-WM nicht animiert worden, mehr Frauenfußball zu schauen. "Andererseits waren die Einschaltquoten sehr hoch, so dass die ARD darüber nachdenkt, die Damen-Bundesliga zu zeigen", sagt Mirco Lechner. Er plant, sich das Finale anzusehen. Den Sieg wünscht er den Japanerinnen. "Die haben mich überzeugt. Die USA haben nur Glück gehabt." Baumholder. Wo bekomme ich noch eine Karte fürs Finale her? Diese Frage stellen sich seit dem Halbfinale am Mittwoch zahlreiche Amerikaner, die in Baumholder stationiert sind. Auch Captain Kevin Lucciola (Fotos: US Army): "Ich hoffe immer noch, ein Ticket zu ergattern." Falls nicht, wird er sich eine Sportsbar suchen, in der das Spiel übertragen wird. "Ich kann es kaum abwarten", sagt er. Denn er habe "extrem spannende" Damen-Spiele gesehen. Und er geht davon aus, dass die USA Weltmeister werden.

Das hofft auch Ignacio Rubalcava. Allerdings werde das schwer, denn "die Japanerinnen sind sehr stark und diszipliniert". Ein Sieg der USA, so schätzt er, werde dem Frauefußball in den Staaten einen enormen Schub geben. "Go USA!", sagt auch Oberstleutnant Sam McAdoo, der Kommandeur der Garnison Baumholder. Er ist am Sonntag in den USA und werde sich das Spiel in einer Sportsbar in der Region West Point anschauen. Die meisten Spiele habe er sich im TV angesehen. Dabei finde er es schade, dass so viele Spiele nicht ausverkauft waren. Denn: "Es war guter Fußball, und das Zuschauen hat Spaß gemacht." him

"Wenn die La-Ola-Welle durch die Stadien lief, sah es eher aus wie beim ZDF-Fernsehgarten."

Kevin Grigorean