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Fußball
Die Sehnsucht nach dem Park wächst

Derzeit rollt im Ludwigspark weder Ball noch Bagger. Das könnte sich jedoch bald ändern.
Derzeit rollt im Ludwigspark weder Ball noch Bagger. Das könnte sich jedoch bald ändern. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Der 1. FC Saarbrücken drängt auf eine schnelle Rückkehr ins eigene Stadion. Der Umbau ist längst zum Politikum geworden. Von Alexander Stallmann

Es war ein klarer Sieg: Mit 4:0 hat der 1. FC Saarbrücken den TSV Steinbach am 5. Dezember 2015 nachhause geschickt. Doch die drei Punkte waren an diesem Tag für die meisten FCS-Anhänger nur Nebensache. Viel wichtiger war, dass dies der vorerst letzte Auftritt ihres Teams im eigenen Stadion war. Um 15.42 Uhr erzielte Stürmer Felix Luz das vorerst letzte Tor im Ludwigspark. Nach Abpfiff standen viele der 3771 Zuschauer mit Tränen in den Augen auf den Rängen. Seit diesem Tag rollte im Ludwigspark kein Ball mehr, sondern nur noch Bagger. Die Saarbrücker mussten nach Völklingen umziehen. Am 5. März 2016 bestritten sie dort ihr erstes Heimspiel im fremden Stadion gegen den FK Pirmasens (1:0).

Und der Ludwigspark wurde zum Politikum. Der Umbau sollte ursprünglich 16 Millionen Euro kosten. Anfang 2016 stieg der Betrag auf 20 Millionen Euro, und ein Jahr später explodierten die geschätzten Kosten auf 28 Millionen Euro. Das sind 75 Prozent mehr als ursprünglich veranschlagt. Im März 2017 hat der Stadtrat die Notbremse gezogen. Die Bauarbeiten wurden gestoppt, das Projekt drohte zu platzen. Seitdem rollt im Ludwigspark auch kein Bagger mehr. Im Juni gab die Landesregierung jedoch grünes Licht für einen Sonderkredit der Stadt und den damit verbundenen Weiterbau. Im August 2018 soll weitergebaut werden. 2020 soll das Stadion fertig sein. Die neue Version des Ludwigsparks soll nur noch 16 000 Plätze haben (vorher 35 000) und tauglich für die 2. Bundesliga sein.

Doch die FCS-Fans wollen nicht bis 2020 warten. Anhänger und Verein waren mit dem Völklinger Ausweichquartier von Beginn an unzufrieden und wollten schnellstmöglich zurück in den Ludwigspark. Der FCS forderte immer wieder eine schnelle Rückkehr. Die Fans erheben unter anderem immer wieder Vorwürfe, es gebe in Völklingen zu wenige Sitzplätze. Zu den Spielen in Völklingen kommen häufig bis zu einem Drittel weniger Anhänger als früher in Saarbrücken. Und das obwohl der FCS eine erfolgreiche Saison spielt und an der Tabellenspitze steht.

Theoretisch ist es möglich, dass der FCS seine Heimspiele im kommenden Jahr in der Baustelle austrägt. Der Verein hat dem Eigentümer des Stadions, der Stadt Saarbrücken, Vorschläge für die Rückkehr unterbreitet. Ob die Saarbrücker Kicker bald zurück ins eigene Wohnzimmer ziehen dürfen, hängt nun von verschiedenen Faktoren ab (siehe: ausführlicher Bericht auf Seite C 4).

Im Falle eines Aufstieges in die 3. Liga bekäme die Stadionfrage eine noch größere Brisanz. Das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion müsste in diesem Fall gründlich aufgerüstet werden, da es derzeit nicht tauglich für die 3. Liga ist. Will man das vermeiden, müsste der FCS in der Baustelle spielen oder auf ein drittes Stadion ausweichen.