1. Saarland

Die Saar-Uni tastet sich ins Sommersemester

Offene Fragen am Campus : Die Saar-Uni tastet sich ins Sommersemester

Am 4. Mai sollen die Vorlesungen an den Hochschulen des Saarlands wieder beginnen. Doch viele Fragen sind nicht gelöst.

Die Saar-Uni bereitet sich auf einen holprigen Start ins Sommersemester vor. Dass der Beginn des Vorlesungsbetriebs in Corona-Zeiten mit Problemen gepflastert sein würde, hatte am Wochenende schon die Ankündigung der Kultusministerkonferenz (KMK) mit dem optimistischen Titel „Das Sommersemester findet statt“ erkennen lassen. Denn das „Wie“ des Neustarts überlässt die KMK den Hochschulen. So steht die Uni vor der Aufgabe, sich für mehrere Varianten eines „normalen“ Semesterbetriebs vorbereiten zu müssen, von dem niemand weiß, wie er aussehen wird, erklärt Roland Brünken, Vizepräsident für Lehre und Studium.

Als deren wahrscheinlichste gilt ab dem 4. Mai der „Eingeschränkte Präsenzbetrieb“. Das bedeute, dass wichtige Labors wieder für kleine Gruppen geöffnet sein werden. Das bedeute aber auch, dass große Vorlesungen mit vielen Studenten, wie sie nicht nur in den Wirtschaftswissenschaften, in Jura und Informatik an der Tagesordnung sind, kaum stattfinden dürften, wie der Vizepräsident erklärt.

Saar-Uni und HTW ziehen deshalb Investitionen in die digitale Lehre vor. An der Uni seien das vier bis fünf Millionen Euro, die teils von anderen Projekten abgezogen werden, erklärt Roland Brünken. Der Vizepräsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Georg Maringer spricht von kurzfristigen Investitionen von 300 000 Euro in digitale Technik. Die HTW hat an diesem Montag zu ihrem digitalen Semesterstart 2000 Online-Module auf der Plattform Moodle (https://moodle.htwsaar.de) veröffentlicht. Auch die Saar-Uni baut ihr Angebot auf dieser Campus-Plattform aus. „500 Uni-Kurse laufen dort seit einem Jahr“, so Roland Brünken. Moodle, das Youtube-Programm für den Campus, hat allerdings eine Schwäche. „Es erlaubt keine Interaktion“, sagt Roland Brünken. Deshalb investiere die Hochschule ins Videokonferenz-Programm „Teams“ von Microsoft. Es ist für Live-Vorlesungen und Seminare gedacht und soll in dieser Woche in den Testbetrieb gehen.

Auch wenn Roland Brünken davon ausgeht, „dass sich zwei Drittel aller Lehrveranstaltungen digitalisieren lassen“, bleiben viele ungelöste Fragen. Ungeklärt sei, ob der für den 9. Mai in Saarbrücken geplante Test fürs Medizinstudium in der Saarlandhalle stattfinden könne. Fraglich sei auch, ob Online-Klausuren mit vielen Teilnehmern organisiert werden können. „Dafür gibt es bisher keine gangbaren Lösungen.“ Auch Laborpraktika ließen sich nicht digitalisieren. „Wir fahren auf Sicht, und das wird auch noch eine Weile so bleiben.“

Die Saar-Uni will in den kommenden Monaten die finanziellen Härten für Mitarbeiter und Studenten abfedern, die durch die Corona-Krise entstanden sind, hat Uni-Präsident Manfred Schmitt angekündigt. Das Präsidium habe ein Hilfsprogramm auf den Weg gebracht. In einer Schätzung geht das Unipräsidium von zwei bis drei Millionen Euro aus. Sie sollen weitgehend aus Eigenmitteln aufgebracht werden.

Vorgesehen sei unter anderem, Studenten, die ihren Lebensunterhalt durch Nebenjobs bestreiten müssen und denen dieses Einkommen weggebrochen ist, zu unterstützen. „Hilfsfonds, die bedürftige internationale Studierende unterstützen, werden aufgestockt, sodass Hilfe geleistet werden kann, wenn Stipendienzahlungen oder finanzielle Unterstützung aus der Heimat aufgrund der weltweiten Krisensituation ausbleiben“, erklärt Manfred Schmitt. Einen Notfallfonds für Studenten besitze auch die HTW, erklärt Vizepräsident Georg Maringer.

Arbeitsplätze von Uni-Mitarbeitern seien durch die Corona-Krise nicht gefährdet. „Sollte es jedoch in Einzelfällen zu Notlagen etwa dadurch kommen, dass Familienmitglieder von Uni-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren, wird die Universität Hilfsmöglichkeiten prüfen“, erklärt der Uni-Präsident. Hart getroffen von der Krise seien auch Betreiber der geschlossenen Geschäfte auf dem Campus. Ihnen will die Hochschule die Miete für April und Mai erlassen.