Die rosarote Fußball-Brille

Die rosarote Fußball-Brille

Der Hände sind genug geschüttelt, die besten Wünsche ausgetauscht - nach den Neujahrsempfängen landauf landab wird in der Landespolitik wieder Selters statt Sekt getrunken. Wie hart die kommenden Monate werden, dürfte sich in der nächsten Woche zeigen, wenn die schwarz-gelb-grüne Landesregierung zu ihrer ersten Klausurtagung auf dem Linslerhof zusammenkommt

Der Hände sind genug geschüttelt, die besten Wünsche ausgetauscht - nach den Neujahrsempfängen landauf landab wird in der Landespolitik wieder Selters statt Sekt getrunken. Wie hart die kommenden Monate werden, dürfte sich in der nächsten Woche zeigen, wenn die schwarz-gelb-grüne Landesregierung zu ihrer ersten Klausurtagung auf dem Linslerhof zusammenkommt. Dort sollen die Eckdaten für den Haushalt 2010 erarbeitet werden. Wie zu hören ist, hat der oberste Landeskassenwart Peter Jacoby gründliche Vorarbeit geleistet. Die Zahlen, Fakten und Daten, die er der Kabinettsrunde auftischt, dürften manchem Jamaika-Koalitionär schwer verdaulich im Magen liegen, politisches Sodbrennen inklusive. Mal abwarten, wo bei maroder Kassenlage überhaupt noch Spielraum für die Politik bleibt. Die Landesregierung wird aber auch die Frage beantworten müssen, wie es mit den Finanzen weitergeht, wenn 2011 im Haushalt die Schuldenbremse gezogen werden muss.

Da passt das Palaver um einen Stadion-Neubau in Saarbrücken so gar nicht in die Diskussion. Natürlich wäre eine neue Arena wünschenswert. Doch FCS-Präsident und FDP-Fraktionschef Horst Hinschberger mag noch so sehr tröten: Die Stadt ist klamm, das Land noch "klammer". Und da kein Investor in Sicht ist, werden sich die Blau-Schwarzen noch eine ganze Weile mit dem in die Jahre gekommenen Ludwigspark abfinden müssen. Auch bei einem Aufstieg. Die rosarote Fußball-Brille mag manchem Politiker noch so gut zu Gesicht stehen, sie schärft nicht unbedingt den Blick auf das politisch Machbare. So lange den Kommunen die Moneten für mehr Kindergärten fehlen und das Land an allen Ecken und Enden knapsen muss, kann es für einen Stadion-Neubau kein öffentliches Geld geben. Schwierige Zeiten verlangen nach anderen Prioritäten.

Auf der journalistischen Prioritätenliste der nächsten Woche steht der Neujahrsempfang der saarländischen Bundestags-Linken. Wen wundert's? Da Oskar Lafontaine nach seiner Krebsoperation erstmals wieder öffentlich auftritt, rechnet die Partei mit einem großen bundesweiten Medien-Interesse. Doch welche Themen der Parteichef im politischen Köcher haben wird, behält er vorerst für sich.

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