1. Saarland

"Die Parteien sollen sich mehr um uns kümmern"

"Die Parteien sollen sich mehr um uns kümmern"

Rund 50 Frauen, jung und alt, haben sich auf Sofas und Stühlen zusammengedrängt, die meisten tragen Kopftücher und lange Mäntel. Fünf Kinder tollen am Boden herum, spielen, es gibt Tee und Kekse. Irene Krohn, Geschäftsführerin vom Deutsch-Ausländischen Jugendclub (DAJC) hat sie eingeladen. Es sind Frauen, die schwimmen oder schwimmen lernen möchten - in einem Raum, in dem kein Mann ist

Rund 50 Frauen, jung und alt, haben sich auf Sofas und Stühlen zusammengedrängt, die meisten tragen Kopftücher und lange Mäntel. Fünf Kinder tollen am Boden herum, spielen, es gibt Tee und Kekse. Irene Krohn, Geschäftsführerin vom Deutsch-Ausländischen Jugendclub (DAJC) hat sie eingeladen. Es sind Frauen, die schwimmen oder schwimmen lernen möchten - in einem Raum, in dem kein Mann ist. Es gebe zwar einen Frauen-Tag in einem Völklinger Schwimmbad, meint eine Muslima, doch dort wären dann auch Schulklassen und ein Bademeister. "Wir haben doch auch ein Recht zu schwimmen", sagt die Frau. Zwanzig Frauen haben im Schwimmkurs Platz. Aber viel mehr wollen schwimmen lernen. Im Projekt "Frauen aktiv", möchte der DAJC Frauen die Möglichkeit geben, in einem geschützten Rahmen schwimmen zu lernen - nicht nur Muslima, sondern auch deutsche Frauen. "Gemeinsam können wir etwas erreichen", sagt Krohn zur Gruppe. Ihr Ziel ist es, die Frauen zu unterstützen, einen "echten" Frauenbadetag in einem Schwimmbad im Regionalverband durchzusetzen. "Wir wollen natürlich auch, dass sich die Frauen austauschen und Spaß miteinander haben", sagt Krohn. Schon bei diesem ersten Treffen wurden Fragen diskutiert, ob Frauen, die unter sich schwimmen, einen Ganzkörper-Badeanzug tragen müssen oder dass Mädchen nicht vom Schwimmunterricht befreit werden müssen. Vor allem aber sollen sie sich ihrer Stärken bewusst werden und ihre Interessen vertreten. Die 36-jährige Öztürk meldet sich auch zu Wort. "Alle reden immer von Integration. Wir möchten auch gut zusammenleben, möchten ins Café gehen und Fahrrad fahren. Aber immer gucken die Leute so - wegen des Schleiers". Öztürk lebt seit 14 Jahren in Völklingen, hat drei Kinder. Sie fühlt sich gut mit dem Kopftuch, betont sie, und sei selbstbewusst. In Saarbrücken gibt es mittlerweile sehr viele Angebote für Migranten, von Sprachkursen über Gesprächsrunden und Einzelberatungen zu Stadtführungen und Theaterbesuchen. Sogenannte Sprachmittler sollen bei Gesprächen mit Institutionen helfen. Das Programm "Signal" bietet Sprachförderung für Migrantenkinder. "Oft heißt es, Migranten wollen nicht, weil sie Angebote nicht wahrnehmen", sagt Anneliese Marx vom Stadtteilbüro Malstatt, wo der Ausländeranteil bei 17 Prozent liegt, im unteren Malstatt sogar bei einem Drittel. Das sei falsch, es gebe großes Interesse, aber eben auch Ängste und eine große Hemmschwelle. "Unser Problem ist, dass wir nicht richtig in die Communities reinkommen, weil vieles über Mundpropaganda läuft", erklärt Marx. Nun sollen Migranten in die Umgestaltung des Geländes in der Kirchbergstraße einbezogen werden, da sie es häufig nutzen. Rund zehn Grillfeste hat das Stadtteilbüro dort veranstaltet, ein Drittel der Besucher waren Migranten, sagt Marx. Dann gibt es das Projekt Brückenbauer der Saarländischen Initiative Migration und Arbeit in Kooperation mit der Arbeitsagentur. Acht akademisch ausgebildete Migranten, die arbeitslos sind, sollen die Kontakte zu ihren Herkunftsgemeinden herstellen. Einer ist Faruk Sahin, der die alevitische Gemeinde leitet und seit über 35 Jahren in Deutschland lebt. Er will Vorurteile auf beiden Seiten abbauen: "Ich lebe in zwei Welten. Zuhause denke und fühle ich türkisch. Sobald ich vor die Tür gehe, denke und fühle ich deutsch." "Migranten werden immer im Zusammenhang mit Problemen genannt. Obwohl sie in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten viel Gutes leisten und sie erfolgreich mitgestalten, werden sie nicht wahrgenommen", sagt Ikbal Berber, die Vorsitzende von Ramesch. Der Verein will das negative Bild durchbrechen, indem er erfolgreiche Migranten bei Veranstaltungen ins Zentrum rückt. Zudem ist der Verein in Schulen und Kindergärten aktiv. "Die Leute sollen sehen, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln auch Künstler, Unternehmer, Wissenschaftler und erfolgreiche Eltern sein können". Integration, sagt Berber, sei mehr als die Addition von Dönerbuden. Mohamed Maiga, seit 2004 Sprecher des Integrationsbeirats (früher Ausländerbeirat), hat sich für die CDU auf einem Wahlplakat ablichten lassen, obwohl dies viele Migranten kritisierten. "Einige fanden die Idee gut, aber dass es die falsche Partei sei", sagt Maiga. Er hält die CDU nicht für konservativ, sondern für eine Volkspartei - "zum Volk gehören auch wir Migranten". Er habe vor allem den Deutschen zeigen wollen, dass Migranten präsent sind und sich einmischen wollen: "Heute sind wir Ausländer, morgen sind wir Deutsche und haben das Wahlrecht. Die Parteien sollten sich mehr um uns bemühen. In der saarländischen Politik sind wir total unterrepräsentiert." "Integration ist nicht die Addition von Dönerbuden" Ikbal Berber, Vorsitzende von Ramesch