Die „Mona Lisa“ von Straßburg

Straßburg · Ins Straßburger Palais Rohan lockt eine geheimnisvolle Schönheit: Das Porträt einer jungen Elsässerin.

 Ausschnitt des Gemäldes „Die schöne Straßburgerin“. Foto: PalaisRohan/Bense

Ausschnitt des Gemäldes „Die schöne Straßburgerin“. Foto: PalaisRohan/Bense

Foto: PalaisRohan/Bense

"Oh Straßburg, oh Straßburg, du wunderschöne Stadt" schwärmt ein altes Lied. Bewunderung für die Stadt empfinden täglich Tausende Touristen, die sich durch enge Gassen rund um das Münster drängen oder die Straßburger Ufer entlang der Ill flanieren. Links und rechts verführt der Zauber der elsässischen Metropole zu Abstechern auf prächtige Plätze und breite Avenuen, wo der Blick von Zeugnissen einer großen Vergangenheit gefangen wird. So auch das Palais Rohan am Ufer der Ill, zwischen 1731 und 1742 von Robert de Cotte, einem Architekten Ludwig XV., als Residenz für die Fürstbischöfe von Straßburg gebaut. Ein Ort, an dem die Mächtigen und Reichen mit pompöser Pracht ihre Wichtigkeit inszenierten. Bei Empfängen, Audienzen und Festen galt damals schon "sehen und gesehen werden" oder "wer mit wem" kam oder ging, verfolgt von neugierigem Interesse bei dem man das Defilee eleganter, extravaganter Roben nicht aus den Augen ließ. Ein Schauspiel der Eitelkeiten, das im 18. Jahrhundert, zur Zeit des Rokoko, durch fantasievoll gestaltete Kleidung unterstrichen wurde. Garderoben, die vor allem durch die Farbenpracht ihrer Stoffe auffielen. Es war auch eine Zeit, in der man sich gern malen, sich porträtieren ließ. Wer Rang und Namen hatte, wer als mehr erscheinen wollte als er war, ließ sich à la mode gekleidet in Öl malen.

Straßburg, Palais Rohan in diesen Tagen: "Le Musée des Beaux Arts" (Museum der schönen Künste) mit seiner Sammlung von Werken aus 500 Jahren europäischer Malerei ist gut besucht. An eine Schulklasse werden Bögen mit Ausschnitten berühmter Bilder der Sammlung verteilt. In Form einer Schnitzeljagd sollen die Jugendlichen durch die Sammlung gehen und Details dem entsprechenden Bild zuordnen. "Un petit chien" (Ein kleiner Hund) sagt ein Mädchen, "un épagneul" (ein Spaniel) vermutet die Freundin. Die beiden gehen los, betrachten suchend Bilder neben Bildern. Vorbei an Werken von Giotto, Raphael, Rubens, Goya. Am Ende eines Ganges, im Arm einer jungen Frau in elsässischer Tracht, der gesuchte kleine Hund, - tatsächlich ein Spaniel. Die beiden Schülerinnen stehen vor einem der berühmten Bilder des Museums: "Die schöne Straßburgerin" (La Belle Strasbourgeoise) von Nicolas de Largillière (1656-1746). Der Künstler, einer der gefragten Porträtmaler seiner Zeit in Frankreich, malte die junge Elsässerin in heimatlicher Tracht. Die Identität der jungen Frau ist unbekannt. Vielleicht die Schwester des Künstlers? Eine Pariserin, die in elsässischer Tracht dem Maler Modell saß? Oder die Tochter einer Patrizierfamilie in einheimischer Festtagstracht? Ein roter Rock unter einem dunklen, schürzenartigen Überrock. Spitzen an Ärmeln, Manschetten und an dem Umschlagtuch. Ein eng geschnürtes Mieder. Auffallend der breite Hut, ein Zweispitz dessen Enden fast die Bildränder berühren. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln erhellt das Gesicht der jungen Frau, deren Augen auf den unsichtbaren Maler und auf die beiden Schülerinnen gerichtet sind, die ein Porträt der neuesten Art herstellen: Selfie mit der schönen Straßburgerin von der niemand Genaueres weiß, die in Anlehnung an das berühmte Frauenbild von Leonardo da Vinci "Mona Lisa von Straßburg" genannt wird.

Zum Thema:

Musée des Beaux-Arts (Museum der schönen Künste), Strasbourg 2, Place du Chateau, Palais Rohan. Geöffnet tägl. außer Dienstag. www.musees.strasbourg.eu