1. Saarland

"Die Leute sprühen nur so vor Ideen"

"Die Leute sprühen nur so vor Ideen"

Quierschied. Karin Lawall fühlt sich wohl in ihrem neuen Amt, obwohl es sie "mit Haut und Haaren auffrisst". Ihr Amtszimmer im zweiten Stock des Rathauses hat sie nach ihrem Geschmack eingerichtet. Neben dem Bild ihres Sohnes steht die Giraffe, die ihr Pfarrer Hans-Lothar Hölscher zum Amtsantritt schenkte, auf dem Schreibtisch

Quierschied. Karin Lawall fühlt sich wohl in ihrem neuen Amt, obwohl es sie "mit Haut und Haaren auffrisst". Ihr Amtszimmer im zweiten Stock des Rathauses hat sie nach ihrem Geschmack eingerichtet. Neben dem Bild ihres Sohnes steht die Giraffe, die ihr Pfarrer Hans-Lothar Hölscher zum Amtsantritt schenkte, auf dem Schreibtisch. Ansonsten liegen dort Briefe, die sie unterschreiben muss, und jede Menge Akten. Sie zeugen vom bürokratischen Verwaltungsalltag.

An diesem Samstag ist die 58-jährige Sozialdemokratin 100 Tage als Bürgermeisterin der Gemeinde Quierschied im Amt. Sie spricht von "unglaublich vielen Eindrücken", "zahlreichen Gesprächen" und "vielen Sympathien" in diesen ersten 100 Tagen. In ihrem Büro herrsche ein "ständiges Kommen und Gehen". Lawall wertet dies als Zeichen dafür, dass in Quierschied zurzeit vieles "in Bewegung ist". Damit meint sie nicht nur das Bürgerbegehren, das drei Männer der Gemeinde zur Ortsmitte auf den Weg gebracht hatten. Die Bürger wollten mitreden, bei dem, was im Ort passiert. "Genau für dieses Mehr an Bürgerbeteiligung stehe ich. Dafür bin auch als Bürgermeisterin angetreten", stellt sie mit Nachdruck fest. Toll sei auch das Engagement des neuen Vereins "Aktion l(i)ebenswertes Quierschied".

Potenzial an Ehrenamtlichen

Überhaupt gebe es ein großes Potenzial an ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. "Die Leute sprühen nur so vor Ideen." Von den Bediensteten im Rathaus sei sie sehr freundlich aufgenommen worden, sagt Karin Lawall. Wie in jedem größeren Unternehmen gebe es auch im Rathaus eingefahrene Strukturen sowie mehr oder weniger engagierte Mitarbeiter. Aber: "Mein Ziel ist der Umbau der Verwaltung zu einem Dienstleistungszentrum." Dabei spiele natürlich die Sanierung des Rathauses eine wichtige Rollen. Sie bedauere schon, gesteht Karin Lawall ein, dass sie diese "dringend notwendige Sanierung" nicht schon jetzt angehen kann. Zunächst will sie den Bau eines Lebensmittelmarktes auf dem Postparkplatz auf den Weg bringen. Danach komme die Sanierung des Rathauses, "Schritt für Schritt". Und dann sei da ja auch noch die Aufstellung des Haushaltes für 2008. "Keine leichte Aufgabe. An allen Ecken und Kanten fehlt uns das Geld", sagt die Verwaltungschefin.

Dennoch habe sie in festgestellt, dass man auch ohne viel Geld was bewegen kann. Es sei ihr etwa gelungen, in Zusammenarbeit mit der Arge einer behinderten Frau aus Quierschied für ein Jahr einen Job in der Gemeindebücherei zu besorgen. Und was ist anders als in ihrem früheren Job? "Als Bürgermeisterin musst du von einer Sekunde auf die andere umdenken", sagt Lawall. Da das Problem eines Bürgers. Hier eine interne Verwaltungsangelegenheit. Und Minuten später ein Gespräch mit einem potenziellen Investor. Dass sie das Amt übernahm, das hat sie aber noch keinen Tag bereut.