1. Saarland

"Die Kneipen-Kultur ginge verloren"

"Die Kneipen-Kultur ginge verloren"

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St. Ingbert. Ab dem 1. August gilt in der bayerischen Gastronomie das bundesweit strengste Rauchverbot. Ausnahmeregelungen, die bisher das Qualmen in Nebenräumen von Wirtshäusern, Einraumkneipen oder Bierzelten erlaubten, gelten künftig nicht mehr. So will es der Volksentscheid von vergangenem Wochenende. 61 Prozent der Wähler stimmten für dieses strenge Rauchverbot. Doch die Wahlbeteiligung lag bei gerade einmal 37,7 Prozent. Dieser Volksentscheid und dessen Auswirkungen auf die Gastronomie sind auch bei den St. Ingberter Kneipenbesitzern ein Thema. "Zuerst wollen sie eine Volksabstimmung haben, dann geht keiner hin", sagt Dieter Baldus, Eigentümer der City-Stubb in der Alten Bahnhofstraße, angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung. Deshalb seien für ihn die 61 Prozent auch keine klare Mehrheit. Würde ein solches absolutes Rauchverbot auch im Saarland eingeführt, weiß Baldus, der überwiegend Raucher als Gäste hat, nicht, ob er es packen würde. "Dann könnte ich wohl zumachen. Ich habe nur dieses Eckelchen, mehr Platz gibt es nicht." Er verweist auf eine Initiative, die Gastronome im Saarland gegründet haben. Unter dem Motto "Die kleine Kneipe darf nicht sterben" engagiert sich das Aktionsbündnis Saarländische Kneipen-Kultur für den Erhalt kleiner Lokale. Auch Roland Jene, Eigentümer der Musikkneipe "Die Schmidd" in der Poststraße, sieht den Volksentscheid in Bayern kritisch. "Die Raucher haben sich ein Eigentor geschossen, weil sie nicht zur Wahl gegangen sind", sagt Jene. Im Gegensatz zu den Rauchern habe sich die Nichtraucherlobby organisiert."Ich sehe große Probleme auf uns zukommen, wenn es hier so wird wie in Bayern." Mit einem strikten Rauchverbot gehe die Kneipen-Kultur verloren. "80 Prozent meiner Gäste sind Stammgäste und davon rauchen auch die meisten", beschreibt Jene das Publikum in der "Schmidd". Er glaubt nicht, dass mit einem konsequenten Rauchverbot plötzlich die Nichtraucher in seine Kneipe kämen. "Die Nichtraucher kommen dann auch nicht und die Raucher bleiben nicht mehr so lange oder am Ende ganz zu Hause", schätzt Jene eine Zukunft mit striktem Qualmverbot ein. Diese jetzige Lösung sei für die Gastronome in Ordnung, deshalb sieht Jene keinen Grund, diese zu ändern. Der Kneipenbesitzer würde sich für die Zukunft eine Regelung wie in anderen Ländern wünschen. "Der einfachste Weg wäre, wenn der Wirt entscheiden könnte, ob er eine Raucher- oder Nichtraucherkneipe führen möchte". Das würde auch den Gästen - Rauchern oder Nichtrauchern - die Möglichkeit geben, zu entscheiden, welche Kneipe sie vorziehen. Eine reine Nichtraucher-Kneipe gibt es in St. Ingbert bereits. Seit seiner Eröffnung vor drei Jahren ist das Soho in der Blieskasteler Straße rauchfreie Zone. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass bei uns nicht geraucht wird und das auch offensiv beworben", sagt Florian Legleitner, Inhaber des Soho. Ein absolutes Rauchverbot muss dieser Gastwirt also nicht fürchten. Seine rauchfreie Kneipe sei von Anfang an gut angenommen worden. "Der einfachste Weg wäre, wenn der Wirt entscheiden würde."Roland Jene, Wirt in der "Schmidd"