1. Saarland

Die Höhen-Angst der Überflieger

Die Höhen-Angst der Überflieger

Sie sind der souveräne Meister der Regionalliga, dominieren die dritthöchste deutsche Klasse seit Jahren. Und doch spielen sie in der nächsten Saison nur noch in Liga vier. Die Volleyballerinnen der VSG Saarlouis verzichten auf den Aufstieg in die neue 3. Liga. Nun denkt Trainer Pohl über seine Zukunft nach.

Schwalbach. Meister, Vizemeister, Vizemeister, Meister und jetzt wieder Meister - die Bilanz der VSG Saarlouis in den letzten fünf Spielzeiten der Volleyball-Regionalliga Südwest der Frauen ist beeindruckend. In souveräner Manier drücken die Mädels von Trainer Gilbert Pohl der dritthöchsten deutschen Spielklasse seit Jahren ihren Stempel auf und dominieren ihre Gegnerinnen nach Belieben. Steht dann aber das Thema Aufstieg an, schwindet das Selbstbewusstsein - und die Saarlouiserinnen überlassen immer anderen den Vortritt. So auch diesmal. "Wir werden nicht in der 3. Bundesliga spielen. Die Mannschaft hat sich dagegen entschieden", sagt Pohl ungewohnt knapp und hörbar enttäuscht.Wie früher, als es um den Aufstieg in die 2. Bundesliga ging, führten einige Spielerinnen den höheren Zeitaufwand als Gegenargument an. In der neuen 3. Liga wären die Fahrten zu den Spielen aber kaum länger gewesen als in der Regionalliga, die nach dem Einführen der neuen 3. Liga künftig nur noch viertklassig ist - und daher sportlich nicht mehr so anspruchsvoll.

Das Argument "Kader-Aderlass" lässt Gilbert Pohl schon eher gelten. Nach dem Karriere-Ende von Melanie und Elke Stolz sei eine große Lücke entstanden. Die berufsbedingten Pausen von Barbara Bylica und Simone Koch dauerten mindestens ein Jahr, trotzdem hätte er der VSG in der neuen Klasse viel zugetraut, zumal der Rest des Kaders voraussichtlich weitermachen werde, bedauert der Trainer die erneute Absage. "Das Saisonziel war der Aufstieg in die 3. Liga. Es wäre doch reizvoll gewesen, gegen Teams aus der Regionalliga Süd zu spielen. Ich denke auch, dass wir oben mitgespielt hätten", so Pohl.

Zumal er mit Steffi Höwer die beste Spielerin der Regionalliga im Kader hatte. "Höwer war nicht zu stoppen. Mit ihr wird jede Mannschaft dieser Klasse Meister", hatte etwa Etzbachs Trainer Hartmut Schäbitz nach einer Niederlage mit einer Mischung aus Bewunderung und Resignation festgestellt.

Bis zum Meldeschluss für die 3. Liga am 2. April konnte der VSG-Trainer für die scheidenden Schlüssel-Spielerinnen natürlich keinen adäquaten Ersatz finden. Bis zum Saisonstart im September hätte er aber eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen können, glaubt Pohl, der sich nun in der Trainingspause Gedanken über seine Zukunft machen will. "Ich möchte drei Wochen lang nichts mehr vom Volleyball hören und mich sammeln", sagt Pohl. "Danach werde ich entscheiden, ob ich weitermache."