Die Heimat von oben entdecken

Die Heimat von oben entdecken

Drohnen können nicht nur in Kriegen eingesetzt werden. Walter Neyses und Alexander Jung aus Dillingen fliegen mit Drohnen über das Saarland und sammeln so außergewöhnliche Fotos und Videoaufnahmen ihrer Heimat.

Der gescheiterte Euro Hawk ist nur eine Form der Drohnen, die aktuell zum Einsatz kommen. Die Flugobjekte werden außerdem von Polizei, Architekten oder Bauern verwendet. Einige Modelle sind auch für Hobby-Modellpiloten erschwinglich. Walter Neyses hat eines. Der 43-jährige Dillinger nutzt die Drohne, wie auch Alexander Jung, 35, für Luftaufnahmen.

Tellergroß sind die Hubschrauber mit Propellern aus Plastik. Die Drohnen haben die beiden in Einzelteilen im Internet bestellt und selbst zusammengebaut. Die Kamera macht Fotos und Videoaufnahmen. Seit 20 Jahren steuert Neyses Modellflugzeuge, Hobbyfotograf ist er außerdem. Wieso nicht einfach eine Kamera an den alten Modellhubschrauber klemmen? "Das wird nichts", sagt Neyses, "die Kamera muss entkoppelt werden, sonst überträgt sich die Vibration durch den Motor auf die Kamera und das Bild verwackelt komplett."

Der Modellhubschrauber hat bloß einen Motor. Je mehr Motoren, desto stabiler fliegt die Drohne. Fernsehsender arbeiten bereits regelmäßig mit Drohnen mit zwölf oder gar 18 Motoren. Die schweben stabil in der Luft. Neyses' Quadrokopter (vier Motoren) werden manuell vom Boden aus gesteuert, Jungs Hexakopter (sechs Motoren) kann außerdem mit GPS gesteuert werden: Er kann eine feste Flugstrecke eingeben, mit Geotracking und Längen- und Breitengraden aus Google Maps.

Die Plastikpropeller drehen sich, die Drohne hebt langsam ab und steht dann in der Luft. Die Modelle von Neyses und Jung können bloß ein paar Minuten in der Luft bleiben, dann macht der Akku schlapp. "Aus der Luft wird einiges sichtbar, was sich vom Boden aus gar nicht feststellen lässt", sagt Neyses. So etwa die Bastion 5 in Saarlouis, die er mit seinen Drohnen abgeflogen hat.

Die Kamera ist vibrationsfrei gelagert. "So werden Videoflüge und gestochen scharfe Luftbildaufnahmen möglich, die wirklich kinoreif sind", sagt Neyses. Er hat auch die Möglichkeit, das gefilmte Bild per Funk auf eine Brille oder einen Monitor zu senden. Dann fliegt der Betrachter im Prinzip mit. Die Angst vorm fliegenden Auge ist laut den beiden Hobbyfilmern aber unbegründet. "Heimlich die Nachbarn im Garten filmen geht mit diesen Dingern nicht", sagt Jung beschwichtigend, "das klingt schon wie ein ganzes Hornissennest in der Luft."

"Solche Aufnahmen musste man vor 20 Jahren noch mit einem Riesenaufwand machen, mit Seilwinden oder Helikoptern", sagt Neyses. Aktuell arbeitet er an einem Imagefilm für seine Heimatstadt Dillingen, mit Sequenzen vom Stadtpark, dem Ökosee und dem Alten Schloss. Bürgermeister Franz-Josef Berg hat den Film zwar nicht in Auftrag gegeben, ist aber gerne bereit, Neyses bei seinem Projekt zu unterstützen. "Ich bin sehr angetan von den Perspektiven aus Vogelsicht, die Walter Neyses mit der Kamera filmt", sagt Berg. "Dass Dillingen schön ist, weiß ich, wie schön, entdecke ich ganz neu mit diesen Aufnahmen. Auch für unsere Bürger und Gäste werden sich interessante Ansichten der Stadt auftun." Berg hat Neyses etwa zugesagt, ihm Luftaufnahmen des Saardoms zu ermöglichen, indem dafür die Straße vor der Kirche gesperrt wird.

www.fly-video.de

Walter Neyses (links) und Alexander Jung lassen Drohnen fliegen. Foto: Jenny Kallenbrunnen. Foto: Jenny Kallenbrunnen

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HintergrundErlaubt für Drohnen mit einem Gewicht bis zu fünf Kilo sind 300 Meter Flughöhe. Schwerere Fluggeräte oder höhere Höhen müssen erst beim zuständigen Luftfahrtamt beantragt und genehmigt werden.Die beste Aufnahmehöhe ist laut Neyses 40 bis 60 Meter, "darüber sind keine Details mehr sichtbar", sagt er. kj

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