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Die Heimat Israel im Herzen

Die Heimat Israel im Herzen

Saarbrücken. Das blau-weiße Band an seinem Handgelenk: Yoram Ehrlich (44) aus Saarbrücken trägt es immer. Einmal im Krankenhaus drängte man ihn, es abzulegen. Er weigerte sich. Das Plastik-Band, ein Geschenk seiner Schwester, ist wertvoll für ihn. Es fasst seine Gefühle in Worte: "Israel ist in meinem Herzen" steht darauf

Saarbrücken. Das blau-weiße Band an seinem Handgelenk: Yoram Ehrlich (44) aus Saarbrücken trägt es immer. Einmal im Krankenhaus drängte man ihn, es abzulegen. Er weigerte sich. Das Plastik-Band, ein Geschenk seiner Schwester, ist wertvoll für ihn. Es fasst seine Gefühle in Worte: "Israel ist in meinem Herzen" steht darauf.

Trotz seiner Liebe zu Israel lebt Ehrlich seit 19 Jahren im Saarland. "Irgendwie", sagt er, "war mir schon als Junge klar, dass ich hier leben werde". Deutschland ist Teil seiner Spurensuche. Es ist das Land, aus dem seine Familie stammt, die heute in Israel lebt. Ehrlichs Vater wuchs in Oberschlesien auf, seine Mutter in Berlin. In den 30er-Jahren fliehen beide Juden vor den Nazis - in das britische Mandatsgebiet Palästina. Am 14. Mai 1948 erleben sie die Gründung Israels.

Yoram kommt fast zwei Jahrzehnte später zur Welt - man wird ihm erzählen, wie die Menschen an diesem 14. Mai 1948 auf den Straßen getanzt haben. Er wächst in einer Familie auf, die trotz des Leides, das sie mit Deutschland verbindet, diese erste Heimat, nicht ausblendet, sondern zulässt. Zuhause, in Haifa, spricht man Hebräisch und Deutsch. Yorams Vater Gad ist Ingenieur, fährt 1965, als die ersten Kontakte zwischen Deutschland und Israel aufkeimen, mit dem Auto wieder nach Deutschland. Er knüpft für den israelischen Ingenieursverband Kontakte, bringt Menschen zusammen.

Das tut sein Sohn Yoram heute auch. Er ist Reiseveranstalter, engagiert sich in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Über seinen Beruf brachte er zwischen 5000 und 10000 Deutsche nach Israel. "Israel", sagt er, "kann nur begreifen, wer dort war".

Es ist für ihn ein Land in den Farben des Malachits: türkis, schimmernd, schlummert das Mineral im Boden des Landes. Auf diesem Boden leben aber auch Menschen in ständiger Angst vor Anschlägen und alltäglicher Gewalt entlang des Gaza-Streifens. Bei den Reisen für politisch Interessierte, die Ehrlich unter anderem organisiert, versucht er, wie er sagt, den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern neutral zu schildern. Er bringt die Besucher seiner Heimat ins israelische Parlament oder mit deutschen Journalisten in Israel zusammen. "So kann sich jeder sein Bild machen", sagt er.

Oft fragen ihn Reisende, wie sicher Israel ist. Was er antwortet? Dass Menschen trotz ihrer Ängste nach Israel reisen und den Aufenthalt genießen. Dass seine Familie dort wohnt, seine Schwester dort Reiseleiterin ist. Und dass er sich wie sie Frieden wünscht.

Bexbach. Diesen Moment vor mehr als 40 Jahren, als er im Zug zwischen Mannheim und Homburg erwacht, Daniel Maoz (63) hat ihn nicht vergessen. Regen peitscht gegen die Scheiben, taucht die Schrebergärten mit ihren traurigen Kohlköpfen entlang der Zug-strecke in ein Grau in Grau. Der erste Eindruck von Europa, von Deutschland. Er wollte nicht so recht zu den erhabenen Schlössern, satten Wäldern und grünen Auen passen, von denen Daniel Maoz als Kind geträumt hatte, wenn er Grimms Märchen las - auf Hebräisch.

Maoz kommt 1945 im damals noch palästinensischen Herzliya zur Welt, spielt an dem Strand, an dem 1957 der Architekt des israelischen Staates und erste israelische Ministerpräsident David Ben Gurion vor den Augen eines Fotografen einen Kopfstand vollführt. Maoz' Vater stammt aus Ungarn, die Mutter aus der Ost-Slowakei, beide zieht in den 20er- und 30er-Jahren die zionistische Bewegung nach Palästina.

Vom nationalsozialistischen Terror in Europa erfahren seine Eltern indirekt. Maoz' Kindheit ist unbeschwert. Er liebt es, zu malen - vor allem die von Zypressen geprägte Landschaft seiner Heimat. Um Medizin zu studieren, verlässt er Israel und folgt seinem Bruder Mosche ins Saarland. Obwohl der Neuanfang hart ist - Maoz muss Deutsch lernen und das deutsche Abitur machen, weil sein israelisches nicht anerkannt wird - fühlt er sich angenommen. "Antisemitismus", sagt er, "ist mir hier nie widerfahren."

Maoz verliebt sich in Deutschland: Er lernt seine spätere Frau Rita während der ersten Vorlesung an der Universität in Homburg kennen. Die Idee vom gemeinsamen Leben in Israel geben sie zu Gunsten einer Zukunft im Saarland auf. Heute sind beide niedergelassene Ärzte in Kirkel, doch die Besuche in Israel bleiben. "Mein Heimweh nach Israel", sagt Maoz, "ist eine Sehnsucht nach dem Israel meiner Jugend". Nach den Feldern von Herzliya, die er als 15-Jähriger gemalt hat. Wo sie einst waren, steht heute ein Sportzentrum.

Die Synagogengemeinde Saar und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Saar feiern heute den 60. Geburtstag des Staates Israel auf dem Saarbrücker Halberg.

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