Die Harmonie der Gegensätze

Die Harmonie der Gegensätze

Gisingen. Im historischen Bauerngarten umspielt der Wind die Natur. Nur die Kunstwerke verharren (ob in Ruhe oder Starre, muss der Betrachter für sich entscheiden) zwischen Kräutern, Gräsern und Büschen. Hoch aufragend oder scheinbar versteckt zeigen sich zeitgenössische Keramiken, facettenreich und unauffällig auffallend, zur Ausstellung im Haus Saargau in Gisingen

Gisingen. Im historischen Bauerngarten umspielt der Wind die Natur. Nur die Kunstwerke verharren (ob in Ruhe oder Starre, muss der Betrachter für sich entscheiden) zwischen Kräutern, Gräsern und Büschen. Hoch aufragend oder scheinbar versteckt zeigen sich zeitgenössische Keramiken, facettenreich und unauffällig auffallend, zur Ausstellung im Haus Saargau in Gisingen.

Keramiker und Florist

Nikolaus Gierend, Saarwellinger Keramiker und Florist, der bis 2010 in seinem wilden Bauerngarten im lothringischen Colmen ausstellte, bleibt sich auch am neuen Standort Gisingen treu.

Unter dem Titel "Vertblau" präsentiert er eigenes Schaffen und Werke junger, professioneller Künstler aus Deutschland oder der Region. Im Haus Saargau sind neben Gierends Arbeiten auch Skulpturen der Keramiker Cornelia Woituns, Christine Ruff und Rolf Simon-Weidner zu sehen, außerdem Bilder des Floristen Michael Siebert. Insgesamt locken fast 100 Exponate.

Trotz - oder gerade wegen - Vielfalt und Kontrasten gelingt es, Harmonie zu erzeugen. "Alle Werke fügen sich hervorragend in das Ambiente ein", findet Beatrix Leinen, die das Museum Haus Saargau betreut. "Es scheint, als seien sie immer schon da gewesen." Integration in die Umgebung des Lothringer Bauernhauses- und Gartens aus dem 18. Jahrhundert werden draußen und drinnen deutlich. Bunte Keramikfiguren (Subjekte zwischen Tier und Dinosaurier, wie der "Morgensternmoppel") von Cornelia Woitun bevölkern die Gartenmauer unterhalb der Buchsbaum-Karrees im Kräutergarten. Keramiken von Rolf Simon-Weidner und Nikolaus Gierend entfalten - im Wechsel von Licht und Schatten, auf einem Beet wilder Erdbeeren oder unterm Haselnussstrauch - ihre eigene Botschaft. Farblich und figürlich sind sie überraschend klar strukturiert und doch wieder undurchsichtig - wie die Natur. Hieraus formuliert Gierend, der bald auch in Saarwellingen ausstellen will, seine Intention: "Ich will den Besucher zwingen, richtig hinzusehen." Linien und Kanten zu folgen, Spuren in der Glasur zu entschlüsseln, Sinn zu interpretieren.

Bilder und Vasen

Solches kann auch im Innern des Hauses, auf dem Heuboden und in der Scheune des Museumshauses, gelingen. Dort fügen sich Michael Sieberts Bilder oder Christine Ruffs Keramikvasen in gedeckten Farben wie selbstverständlich in die Umgebung aus Holzboden, Kalk und Sandsteinwänden. Und die Farbtupfer, die so gegensätzlich wirken, fügen sich ein in die Harmonie der facettenreichen Ausstellung.

Auf einen Blick

Geöffnet ist die Ausstellung "Vertblau 11" im Haus Saargau in Gisingen noch bis Sonntag, 25. September, montags bis mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags und freitags von zehn bis zwölf Uhr, Samstag ist Ruhetag. kes

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