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Saar-Lor-Lux: Die Großregion soll sichtbarer werden

Saar-Lor-Lux : Die Großregion soll sichtbarer werden

Das Saarland hat von Luxemburg den Vorsitz in der Großregion übernommen. Es will die Bewohner stärker vom Nutzen überzeugen.

Die Großregion, die gerne Saar-Lor-Lux genannt wird, obwohl sie so gar nicht heißt und auch geografisch wesentlich größer ist, soll für die Bewohner sichtbarer werden, den Nutzen stärker herausstellen und zu einem „europäischen Modellraum“ werden. Das hat sich die saarländische Landesregierung vorgenommen, die gestern für die nächsten beiden Jahre die Präsidentschaft der Großregion übernommen hat – zum ersten Mal wieder seit zehn Jahren.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) fände es gut, wenn die Region so zusammenwächst wie das Rhein-Main-Gebiet. Nur, dass die Großregion anders als Rhein-Main bislang keinen eingängigen Namen hat, sondern einfach „Großregion“ heißt. Der von Luxemburg favorisierte Name „Großregion Schengen“ war nicht mehrheitsfähig, vor allem in Frankreich. Hans ist mit „La Grande Région“ fürs erste ganz zufrieden.

Ob bei der Universität der Großregion, der beruflichen Ausbildung oder dem Pendeln über Grenzen hinweg: „Europa entsteht in dieser Großregion. Im Kleinen entsteht das, was wir uns im Großen für Europa wünschen und deswegen ist für mich die Großregion ein Inkubator Europas“, sagte Hans nach der Übernahme des Vorsitzes im luxemburgischen Remerschen.

Ein Ziel der saarländischen Präsidentschaft sei es, „die Menschen noch mehr mitzunehmen“. So sollten junge Menschen künftig auch bei Fachministerkonferenzen eingebunden werden und die „Marke“ Großregion bei grenzüberschreitenden Projekten deutlicher werden. Auch will Hans in Berlin und Brüssel mit den Erfolgen für die Großregion werben.

Zur internationalen Großregion mit fast zwölf Millionen Einwohnern gehören Rheinland-Pfalz, das Saarland, Luxemburg, Lothringen, die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und die Wallonie. Rund 230 000 Pendler überqueren in dem Raum täglich Ländergrenzen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Keine andere Region in Europa habe so viele Grenzgänger, so Hans.

Trotz aller Fortschritte beim Zusammenwachsen über Grenzen hinweg gebe es noch Handlungsbedarf, beispielsweise beim Nahverkehr oder der Mobilität von Arbeitskräften, sagte der saarländische Regierungschef. Es sei wichtig, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der es ermögliche, gemeinsam Projekte, Kitas, Schulden oder den Nahverkehr zu tragen.

Einen konkreten Vorschlag machte Hans gestern: Mit den Partnern in der Großregion soll geprüft werden, „ob die Schaffung einer Interregionalen Bauausstellung (IBA) auch den Strukturwandel der Großregion mit neuen baulichen und architektonischen Konzepten gestalten kann“. In den nächsten beiden Jahren sollen nun die Chancen und die Machbarkeit einer gemeinsamen IBA unter dem Motto „Europa leben“ ausgelotet werden.

Im Argen liege auch noch vieles bei der Gesundheitsversorgung, sagte der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch. Es müsse flächendeckend grenzüberschreitende Zonen geben – ohne administrative Hürden: „Wenn die Menschen über Europa sehr viel reden hören (...), dann aber nicht die Möglichkeit haben, ein Krankenhaus oder einen Facharzt in einem anderen Staat mal zehn Kilometer jenseits der Grenze in Anspruch zu nehmen, ohne dass das kostenneutral funktioniert, dann können sie den eigentlichen Mehrwert von Europa nicht spüren“, sagte Paasch.

Unter luxemburgischer Präsidentschaft sei die Großregion in vielen Bereichen weitergekommen, sagte die luxemburgische Ministerin für die Großregion, Corinne Cahen. Vor allem die grenzüberschreitende Bürgerbeteiligung sei mit vielen Projekten gefördert worden. Der Gipfel unterstütze die Weiterentwicklung der bereits seit 2008 bestehenden Uni der Großregion zu einer der ersten europäischen Unis. Die Bewerbung bei der Europäischen Kommission sei im vergangenen Herbst eingereicht worden. Die Uni der Großregion bindet derzeit sechs Universitäten in vier Ländern ein.