1. Saarland

Die Geschichte vom Licht-, Luft- und Sonnenbad

Die Geschichte vom Licht-, Luft- und Sonnenbad

Dudweiler. Frisch eingetroffen ist der elfte Band der "Historischen Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt". Eine Reihe interessanter Artikel schmücken das 120 Seiten starke Werk. Mithin widmet sich ein reichlich bebildertes, ausführliches Kapitel dem Dudweiler Freibad

Dudweiler. Frisch eingetroffen ist der elfte Band der "Historischen Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt". Eine Reihe interessanter Artikel schmücken das 120 Seiten starke Werk. Mithin widmet sich ein reichlich bebildertes, ausführliches Kapitel dem Dudweiler Freibad. Erst neun Monate ist es her, da formierte sich gewaltiger Widerstand gegen die von der Stadt Saarbrücken vorgeschlagene Schließung der Freizeitstätte. Und dieser Protest zeigte Wirkung. Das Thema ist somit vorerst vom Tisch. Die Dudweiler Bürger lieben eben ihr Freibad, und das schon seit vielen Jahrzehnten, wie eine historische Betrachtung von Roland Stephan zeigt.Das Bade-Kapitel beginnt in einer Zeit, in der es noch herrliche Sommer, viele Kinder und wenig Geld unter den Leuten gab. Weil ein natürliches Badegewässer nicht vorhanden war, verstärkte sich der Wunsch der Bevölkerung, sich trotzdem ein kühles Bad unter Gottes blauem Himmel zu gönnen. Auf das Gelände im Winterbachtal an der St. Ingberter Straße, schreibt Roland Stephan, sei man durch ein Brünnchen im Bereich der späteren Beckenanlage aufmerksam geworden: "Hier befand sich eine Kiesgrube des Bauunternehmers Micka, in der ständig eine Wasseransammlung festzustellen war." Die Gelegenheit war also günstig. Zumal per Wünschelrute eine Wasserader gefunden wurde, wodurch auf dem Freibadgelände ein Behälter zur Frischwasserversorgung gebaut werden konnte. Der Gemeinderat beschloss am 5. Juni 1924 nach damaligem Zeitungsbericht, "den oberen Teil für Kinder und Nichtschwimmer in der Sohle zu betonieren". Hinzu kam ein eigener, nicht betonierter Bereich für die Schwimmer. Und ein Umkleidebereich aus Holz nebst Umfriedung des Areals durch einen Bretterverschlag. Viel mehr Luxus war nicht zu erwarten. Im Juni 1924 war das Baden allerdings noch kein übermäßiges Vergnügen, da die Zuleitungen mit Lehm verunreinigt waren und das Wasser dadurch bräunlich verfärbt.

Bei schlechtem Wetter und gutem Besuch wurde schließlich am 9. August 1924 das Bad feierlich eröffnet. Im selben Jahr wurde der Schwimmverein Poseidon gegründet.

"Die Goldenen zwanziger Jahre" überschreibt Roland Stephan die nun folgende Zeit: Das "Licht-, Luft- und Sonnenbad war weit über die Gemeindegrenzen hinweg ein beliebter Ort der Erholung und sportlicher Betätigung. 1928 wurden an einem Sonntag 14 000 (!) Eintrittskarten verkauft."

Es kam alsbald eine "Insel" in der Beckenmitte hinzu - beliebtes Wettschwimmziel für junge Leute. Und ein Terrassen-Rondell für Konzerte wurde errichtet. Sprungbretter und Wasserrutsche komplettierten das Bad. Auch Freitreppe und neue Liegehänge machen es attraktiver.

Doch dies, schreibt Roland Stephan, war manchem Geistlichen ein Dorn im Auge: "Angesichts des drohenden Verfalls von Sitte und Moral wird anlässlich der Sonntagspredigt wieder die Einführung von getrennten Badezeiten gefordert."

In den Jahren nach 1950 kommt es nach Ausfall der technischen Anlagen zur Sauberhaltung des Wassers erstmals zu rückläufigen Besucherzahlen. In der Nachbarschaft - Saarbrücken, St. Ingbert und Sulzbach - entstehen weitere Bäder, die die Dudweiler Standards überflügelten. Und so reifte allmählich die Einsicht, das Bad von Grund auf zu verändern und zu modernisieren. Ein Architekturbüro nahm sich der Planungen an. Veranschlagte Kosten 1967: 1,715 Millionen DM. Im November 1967 schließlich begannen die Arbeiten am neuen Dudweiler Freibad.

Entstehen sollten ein großes Schwimmerbecken, ein Mehrzweck- und ein Sprungbecken. Die Tribüne am Hang bot 1450 Gästen Platz, als Liegefläche oder bei Sportveranstaltungen. Und dann war es endlich soweit: Am 10. Mai 1969 fand die Wiedereröffnung statt - mit sportlichen Darbietungen, Musik und feierlichen Reden. Roland Stephan hält fest: Durch den Umbau - faktisch ein Neubau - wurde die Freizeitstätte zu einem der besten Bäder im südwestdeutschen Raum. Zwar kam 1984, anlässlich des 60-jährigen Bestehens, noch eine 60 Meter lange Wasserrutsche hinzu. Doch schon zwölf Jahre später standen erste Renovierungsarbeiten an. Zum Leidwesen vieler Schwimmfreunde wurde 1996 der Sprungturm abgetragen, das noch vorhandene Sprungbecken diente nun der Unterbringung der neuen Technik, die eine Verbesserung der Wasserqualität nach sich zog - vor allem bei hohem Besucheraufkommen an brütend heißen Tagen.

Als Bauland wurde derweil 1997 der obere Teil der Liegewiese an der Pfaffenkopfstraße verkauft. Und erstmals vor acht Jahren drangen Stimmen aus dem Saarbrücker Rathaus, die die Schließung des Freidbades forderten wegen der vom Gesundheitsamt bemängelten Wasserqualität im Nichtschwimmerbecken. Doch am Ende aller Diskussionen stand die Renovierung - mit Verkleinerung der Wasserfläche, mit Kleinkinder- und neuem Nichtschwimmerbecken. 975 000 Euro wurden investiert. Und nun hofft die Dudweiler Bevölkerung, dass ihr noch lange der Spaß im kühlen Nass vergönnt sein wird. Getreu dem Wunsch des Beigeordneten Weber bei Eröffnung des Bades 1924: Es solle ein "Jungborn für unseren Heimatort Dudweiler" sein - "für Jung und Alt".

Band 11 der Geschichtswerkstatt ist auf dem Dudweiler Weihnachtsmarkt am kommenden Samstag, 4. Dezember, zum Preis von 9,80 Euro erhältlich. "Im Jahre 1928 wurden an einem Sonntag 14 000 Eintrittskarten verkauft."

Aus der Chronik