1. Saarland

Die Friedhofskultur liegt im Sterben

Die Friedhofskultur liegt im Sterben

Neulich war ich Serge Gainsbourg besuchen. Ich wollte mal Dankeschön sagen für all die Musik, die er uns hinterlassen hat.

Als ich vor seinem Grab auf dem Pariser Friedhof Montparnasse stand, kam ich mir dann aber etwas blöd vor. Ich hatte vergessen, ihm etwas mitzubringen. Einige derer, die vor mir zu Besuch waren, hatten Zigaretten auf sein Grab gelegt, eine Bierflasche hingestellt, Blumen gab es auch, ein Feuerzeug und viele Metrofahrkarten.

Was für ein irrer Typ dieser Gainsbourg doch war, wenn über zwei Jahrzehnte nach seinem Tod immer noch so viele Sachen gebracht werden. Und was für eine Friedhofskultur das ist, die so etwas möglich macht. Ich hatte Tränen in den Augen.

Während die Friedhöfe in Paris Touristen anlocken, gebe es bei uns eine "Bewegung weg von den Friedhöfen", hat mir der Kunsthistoriker Rainer Knauf mal erklärt. Die Leute lassen sich im Friedwald begraben, ihre Asche in den Bergen oder im Meer verstreuen. Am Dienstag hat mir Gabriela Hoffmann vom Gollenstein-Verlag erzählt, dass es Menschen gibt, die sich verbrennen und anonym beisetzen lassen, weil sie ihren Angehörigen möglichst wenig Arbeit machen wollen. Die Friedhofskultur liegt im Sterben.

Ich finde es deshalb klasse, dass es in den Trauerhallen auf dem Hauptfriedhof dieses Jahr Lesungen gibt. Walter Wolter liest aus seinen Krimis, Christian Bauer auch. Mark Heydrich, Ellen Widmaier und Roger Bichelberger bringen Erzählungen und Romane mit auf den Friedhof. Den Auftakt macht in der alten Trauerhalle nächste Woche am Mittwoch um 19 Uhr Peter Jackob mit seinem Sherlock-Holmes-Roman.

Ich werde zur Abwechslung mal auf den Friedhof gehen, um mich bei Lebenden zu bedanken. Bei Gabriela Hoffmann, Uwe Kunzler, dem Leiter des Saarbrücker Friedhofsbetriebs, und den anderen, die den Friedhof zum Ort der Kultur machen.