Die Erben der "Eisernen Lunge"

Die Erben der "Eisernen Lunge"

Saarbrücken. Jährlich sterben in Deutschland etwa 500 000 Menschen an sogenanntem terminalen Lungenversagen. Künstliche Beatmungsgeräte sind in diesen Fällen keine wirkliche Hilfe. Sie pumpen ein Sauerstoff-Gemisch in die Lunge, wobei der Gasaustausch mit dem Blut weiterhin übers Lungengewebe erfolgt

Saarbrücken. Jährlich sterben in Deutschland etwa 500 000 Menschen an sogenanntem terminalen Lungenversagen. Künstliche Beatmungsgeräte sind in diesen Fällen keine wirkliche Hilfe. Sie pumpen ein Sauerstoff-Gemisch in die Lunge, wobei der Gasaustausch mit dem Blut weiterhin übers Lungengewebe erfolgt. Auch schonendere Nachfolgemodelle der Eisernen Lunge führen bei längerer Anwendung zu Komplikationen wie Lungenentzündung oder Blutvergiftung und schädigen das empfindliche Lungengewebe.Eine Alternative bietet die sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), bei der der Gasaustausch wie bei der Herz-Lungen-Maschine außerhalb des Körpers stattfindet. Dazu wird der Blutkreislauf zum Beispiel an den Venen der Leiste angezapft und Blut über ein Bündel von Hohlfasern aus biokompatiblen Kunststoffen geleitet. Über eine zweite Kanüle fließt es zurück in die Halsvene. Das ECMO-System hat zuvor das Kohlendioxid aus dem Blut gefiltert und mit Sauerstoff angereichert. Die Pumpe kann fünf bis sechs Liter Blut pro Minute mit Sauerstoff anreichern. Mittlerweile können Patienten bis zu 100 Tage an einer solchen künstlichen Lunge verbringen und dabei sogar auf einem Liegefahrrad ihre Muskeln trainieren. Allerdings drohen auch bei dieser Atemhilfe auf längere Sicht Komplikationen, etwa Entzündungen und Blutgerinnsel. Auf ein Ergänzungssystem zur künstlichen Beatmung setzt der baden-württembergische Hersteller Novalung. Er hat eine kleine künstliche Lunge entwickelt, bei der das Blut nur durch den Herzschlag durch Membranen der künstlichen Lunge und zurück in den Körper gepumpt wird.

"So durchfließen etwa 20 Prozent des Herzzeitvolumens, also ein bis 1,5 Liter, den Membranventilator", erläutert Professor Dr. Stefan Fischer, geschäftsführender Direktor und Chefarzt des Programms für Thoraxchirurgie und Lungenunterstützung des Klinikums Ibbenbüren. Dabei wird vor allem Kohlendioxid aus dem Blut entfernt. "Man kann das System durch eine Pumpe ergänzen, damit bis zu 3,5 Liter Blut über die künstliche Lunge fließen", so der Herz- und Thoraxchirurg. Der Hersteller will das Gerät bald serienmäßig mit Pumpe anbieten. Auch dieser Lungenersatz hilft nur vorübergehend. Die Membranen schädigen auf Dauer die roten Blutkörperchen, lassen den Lebenssaft gerinnen und fördern Entzündungen. bid