Flüchtlinge: Die Arbeit geht in Lebach nicht aus

Flüchtlinge : Die Arbeit geht in Lebach nicht aus

Das Ankunftszentrum bleibt trotz niedriger Flüchtlingszahlen erhalten. 11 000 Flüchtlinge sind arbeitssuchend.

Vor zwei Jahren kam Ali Saeed als Flüchtling aus Syrien ins Saarland und sprach noch kein Wort Deutsch. Heute ist der 32-Jährige Arbeitsvermittler der Arbeitsagentur im Ankunftszentrum in der Landesaufnahmestelle in Lebach. Hier hilft er Menschen, denen es so geht wie ihm damals. Wie dem jungen Mann aus Eritrea, der neben ihm sitzt, aber anonym bleiben möchte. Saeed geht mit ihm seine Unterlagen durch, die noch anerkannt werden müssen, und bespricht mit ihm, welche beruflichen und sprachlichen Kenntnisse er mitbringt, um dann zu schauen, welche Perspektive es gibt.

Die Arbeitsvermittlung ist ein Teil des im März 2016 eröffneten Ankunftszentrums – eines der ersten bundesweit. Hier arbeiten das Land, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sowie die Agentur für Arbeit zusammen, sodass das gesamte Asylverfahren unter einem Dach ablaufen kann. Neben der ärztlichen Untersuchung, der Aufnahme der persönlichen Daten und der Identitätsprüfung können Migranten hier auch ihren Asylantrag stellen, erhalten ihre Anhörung und warten bis zur Entscheidung. Inzwischen arbeiten hier rund 70 Mitarbeiter des Bamf, sieben der Arbeitsagentur und rund 15 des Landes.

Das Ankunftszentrum soll auch bei derzeit niedrigen Ankunftszahlen erhalten bleiben, sagt die neue Präsidentin des Bamf, Jutta Cordt, bei ihrem gestrigen Besuch in Lebach: „Denn jetzt lautet die nächste Herausforderung Integration.“ Doch müsse in den nächsten Jahren geschaut werden, wie die Mitarbeiterstärke aussehen müsse und in welchen Bereichen diese gebraucht würden. „Die Arbeit geht uns zunächst nicht aus“, sagt Cordt und verweist darauf, dass das Bamf drei Jahre nach erteiltem Asyl den Antrag erneut überprüfen müsse. Cordt, die seit Jahresbeginn das Bamf leitet, lobte das Saarland und nannte das Ankunftszentrum „beispielgebend“ für die 25 weiteren Zentren in Deutschland. Die Abläufe hier seien auf die anderen Zentren übertragen worden. „Eng vernetzt hat man hier Beeindruckendes geleistet: Im Saarland ist es 2016 bundesweit am schnellsten gelungen, allen Schutzsuchenden Gewissheit zu geben, ob sie in Deutschland bleiben können oder nicht.“ Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Asylantrags dauere im Saarland 0,7 Monate – schneller als im Bund. Aktuell leben in der Landesaufnahmestelle 865 Menschen.

Auch Innenminister Klaus Bouillon (CDU) lobt die Zusammenarbeit von Landes- und Bundesbehörden. Während es in anderen Bundesländern noch „Massenlager“ gebe, habe es das Saarland bereits im März 2016 geschafft, alle Altfälle abzuarbeiten. „Da kamen Anfragen aus anderen Bundesländern, ob wir irgendetwas in der Statistik verwechselt hätten. Nein, wir haben gearbeitet!“, sagt Bouillon.

Das Ankunftszentrum berate auch zu freiwilligen Ausreisen: „Wir haben ein Rückkehrmanagement, das seinesgleichen sucht.“ So seien im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 228 Personen beraten worden, davon seien 111 Personen bereits ausgereist, acht weitere hätten ihre Ausreise für Juli geplant. Pro Halbjahr gebe es etwa 95 Abschiebungen, davon seien jedoch 80 Prozent sogenannte Dublin-Fälle, die in ein anderes EU-Land zurückgeschickt würden.

Die saarländische Schnelligkeit habe jedoch zu einem auf den ersten Blick negativen Bild geführt: Entgegen dem Bundestrend stieg hier im vergangenen Jahr die Zahl der Arbeitslosen – eben weil die Anträge hier schneller als andernorts bearbeitet wurden. „Aber jetzt sind wir wieder bei einem Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr“, sagt die Leiterin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz. Aktuell seien im Saarland 11 000 Flüchtlinge arbeitssuchend, über die Hälfte von ihnen besuchten derzeit Sprachkurse. Seit Juni 2016 hätten 900 Flüchtlinge eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, über 500 hätten eine Ausbildung begonnen. „Es gibt überhaupt keinen Grund zu Befürchtungen, dass dadurch Möglichkeiten für andere Menschen verloren gehen“, sagte Schulz.

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