1. Saarland

Die alte Dame geht auf Jungfernfahrt

Die alte Dame geht auf Jungfernfahrt

In 537 Freizeitstunden wurde die alte Feldbahn restauriert, die anlässlich der Einweihung des neuen Dorfplatzes auf Jungfernfahrt ging. Damit soll der ehemaligen Lückner-Bahn wieder Leben eingehaucht werden.

Erbringen. Die Neugestaltung des Dorfplatzes nahm der Heimatverein Erbringen zum Anlass, auch das seit fünf Jahren von Erbringer Bürgern ins Auge gefasste Projekt der ehemaligen Lückner-Feldbahn zu verwirklichen. Zu ihr gehörte auch in der Ortsmitte (etwa Bereich des heutigen Dorfplatzes) ein Bahnhof. Eine restaurierte Feldbahn mit Lok und Waggon wurde nun nach der Einweihung des Platzes der Bevölkerung vorgestellt und erhielt viel Lob und Anerkennung, wie auch die von Vereinsmitglied Manfred Schneider zu diesem Anlass herausgegebene circa 50 Seiten umfassende, reich bebilderte Broschüre, zu der Vereinskollege Siegfried Seger das Titelbild beigesteuert hat.

Erster Lokführer

"Heute starten wir mit der Feldbahn zur Jungfernfahrt im Bereich des neuen Dorfplatzes. Sie wurde als Grundidee vom 2009 gegründeten Heimatverein aufgegriffen", betonte Ortsvorsteher Daniel Minas. Sein Vater Bertram, den er mittels Urkunde und originellem T-Shirt zum ersten Lokführer der Erbringer Feldbahn ernannte, hatte als fachkundiger Schlossermeister insgesamt 537 Freizeitstunden, davon 213 mit Vereinskameraden, in die Instandsetzung der Lok und die Wiederherstellung eines kleinen offenen Personentransportwaggons investiert, wobei sich die Materialkosten auf 2160 Euro beliefen.

Die alte Feldbahnlok wurde vor einigen Monaten in nicht allzu gutem Zustand in Schermbeck bei Wesel (Niederrhein) erstanden und nach Erbringen gebracht.

In der Werkstatt von Bertram Minas brachten dieser sowie weitere Vereinsmitglieder das "Stahlross" so weit auf Vordermann, dass es nun wieder zu einem Prunkstück wurde. Manfred Schneider ging auf die auch in seiner Broschüre beschriebene Geschichte der einstigen, 1939/40 gebauten und nur kurze Zeit betriebenen Lückner-Feldbahn zwischen Nunkirchen und Honzrath ein. Diese war ursprünglich bis nach Beckingen geplant, was aber nicht mehr verwirklich wurde.

Großes Interesse

Im Beisein von Bürgermeister Erhard Seger, des Ersten Kreisbeigeordneten Konrad Pitzius, Ortsvorstehers Daniel Minas und anderer hieß es dann "Start frei": Lokführer Bertram Minas brachte die große Anwurfkurbel in Stellung und meinte: "Hoffentlich macht unsere alte Dame mit". Aber die zeigte nach ihrer geglückten Heil- und Schönheitsmaßnahme keine Alterserscheinung und sprang unter Beifall der Festbesucher zur Jungfernfahrt auf dem installierten 21 Meter langen Gleis sofort an.

Auf einen Blick

 So sah es früher aus, wenn die Lückner-Feldbahn fuhr. Foto: Bilderausstellung
So sah es früher aus, wenn die Lückner-Feldbahn fuhr. Foto: Bilderausstellung

Eine Feldbahn ist eine - in der Regel nicht öffentliche - Schmalspurbahn in einfachster Bauform zum Transport landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher und industrieller Rohstoffe, wie etwa Holz, Torf, Gestein, Sand oder Ton. Der Transport des Materials erfolgt oft mit offenen Loren. Quelle: Wikipedia