Diakonisches Werk übernimmt Federführung der Wohlfahrtspflege

Wohlfahrtsverbände : „Vision eines sozialen Saarlands“

Diakonie übernimmt Führung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege – mit anspruchsvollen Zielen für das Land.

Im Saarland sind alle Wohlfahrtsverbände innerhalb der Liga der Freien Wohlfahrtspflege organisiert. Dazu gehören die Arbeiterwohlfahrt, der Caritasverband, das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Synagogengemeinde Saar. Turnusgemäß wechselt der Vorsitz beziehungsweise die Federführung alle zwei Jahren zwischen den großen Verbänden. Seit 2018 hatte die Caritas das Amt inne, zum neuen Jahr wechselt es zur Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

Federführend als Vertreter der Caritas war Bernward Hellmanns, jetzt übernimmt Pfarrer Udo Blank, seines Zeichens Vorstand des Diakonischen Werkes an der Saar und Leiter der Verbindungsstelle der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe im Saarland. Zum Festakt bei der Übergabe der symbolischen Feder waren zahlreiche Vertreter der Wohlfahrtsverbände und der Politik eingeladen, etwa 90 Personen füllten einen Saal der Diakonie am Kirchberg in Saarbrücken-Malstatt.

Der scheidende Bernward Hellmanns blickte auf die zwei Jahre seiner Federführung zurück und erinnerte an die sozialpolitischen Handlungsfelder jener Zeit: Zum einen nannte er die Erstellung des Aktionsplans zur Bekämpfung der Armut, der nun bald vorliegen solle. Zum anderen beklagte Hellmanns die „schleichende Aushöhlung des sozialstaatlichen Prinzips der Subsidiarität“, der allerdings der Antrag des Landtags zur Stärkung der freien Wohlfahrtspflege entgegentrete. Die Implementierung des Bundesteilhabegesetzes sei noch lange nicht abgeschlossen, nannte Hellmanns als weiteren Punkt. „Wir sind gemeinsam gehalten eine deutliche Verbesserung der Qualität in den Kindertageseinrichtungen zu erreichen – das sind wir den Mitarbeiterinnen und den Kindern schuldig.“ Für dieses Statement gab es Applaus der Anwesenden.

Anschließend trat die saarländische Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) vors Mikrofon. Kaum ein Thema habe so bewegt wie die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes, sagte sie. Die Bekämpfung der Armut, die Anerkennung des Ehrenamts oder die Neustrukturierung der Suchthilfe – das seien alles Themen, die sie mit der Liga bespreche. Bachmann bedankte sich bei Hellmanns für die gute Zusammenarbeit, auch wenn dieser nicht immer bequem gewesen sei. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) sagte danach, sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit Udo Blank, diese werde sicher konstruktiv und kritisch sein.

Den größten Redeanteil nahm Pfarrer Ulrich Lilie ein, der seit 2014 Präsident der Diakonie Deutschland ist. Er sprach über die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen, die zu „besorgten Bürgern“ führe, die wiederum „massiven Zuwachs für die furchtbaren Vereinfacher, die Rechtspopulisten“ erzeugten. Es sei aber an der Zeit, dem Beispiel Sokrates’ zu folgen und den besorgten Bürgern genauer zuzuhören.

Anschließend kam es zur Übergabe der symbolischen Feder an Udo Blank. Er forderte als letzter Redner die „Vision eines sozialen Saarlands“ zu entwickeln. Die Liga-Verbände seien die Anwälte des Sozialen, also „derer, die auf der Strecke bleiben, wenn keiner hilft.“