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Höchster Stand seit acht Jahren
Deutlich mehr Verkehrstote im Saarland

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) an der Saar sieht einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Unfalltoten und dem Rückzug der Polizei aus der Verkehrssicherheitsarbeit.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) an der Saar sieht einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Unfalltoten und dem Rückzug der Polizei aus der Verkehrssicherheitsarbeit. FOTO: Patrick Seeger / dpa
Saarbrücken. 44 Menschen sind 2017 auf Straßen im Saarland ums Leben gekommen. Die Gewerkschaft der Polizei macht dafür auch fehlende Tempo-Kontrollen verantwortlich.

Im Saarland sind im vergangenen Jahr 44 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. Das sind zehn mehr als 2016. Katrin Thomas, Sprecherin des Innenministeriums, bestätigte gestern entsprechende Informationen unserer Zeitung. Sie verwies allerdings darauf, dass es sich um eine vorläufige Bilanz handele. Die Zahl könne demnach wegen Nachmeldungen, etwa wenn Schwerstverletzte später den Unfallfolgen erliegen, noch steigen.


Die Zahl von 44 Unfalltoten bedeutet für das Saarland den höchsten Stand der vergangenen acht Jahre. Nach der offiziellen Unfallstatistik wurden damals 45 Tote registriert. Danach sank die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen kontinuierlich bis auf 29 im Jahr 2014. Für die Folgejahre wurde dann wieder ein Anstieg festgestellt. Thomas betonte, dass sich im Jahresverlauf 2017 die Zahl der Unfalltoten bis einschließlich Oktober auf dem Niveau des Vorjahres bewegt habe. Im November starben dann insgesamt sieben Menschen auf den Straßen. Die Ursache dafür soll jetzt exakt analysiert werden, um mit einem entsprechenden Verkehrssicherheitskonzept zu reagieren.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) an der Saar sieht derweil einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Unfalltoten und dem Rückzug der Polizei aus der Verkehrssicherheitsarbeit. Dazu zählt insbesondere die Verkehrsüberwachung, zum Beispiel mobile Tempo-Kon­trollen. GdP-Landeschef Ralf Porzel verweist auf den Personalabbau im Zentralen Verkehrsdienst. Seit 2012 sei dort die Zahl der Beamtenstellen von 145,5 auf 110 reduziert worden. „Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Unfalltoten und Verkehrssicherheitsarbeit ist wissenschaftlich belegt“, sagte Porzel der SZ.

Die im Zentralen Verkehrsdienst (ZVD) eingesetzten Beamten hätten zudem polizeiintern „Feuerwehraufgaben“ übernehmen müssen. 2015/2016 wurden 15 Kräfte in die Landesaufnahmestelle abgeordnet, was nach GdP-Angaben zu einem Rückgang der Verkehrsüberwachungstätigkeit um 40 Prozent geführt habe. Auch bei der Sperrung der Fechinger Talbrücke seien ZVD-Kräfte in einem Sondereinsatz gebunden gewesen. Parallel zum Personalabbau bei der Verkehrs­polizei sorge der allgemeine Stellenabbau auch dafür, dass sich die jeweiligen Inspektionen aus der Verkehrssicherheitsarbeit und Prävention zurückziehen, sagte Porzel.

Bundesweit ist die Zahl der Verkehrstoten im Vorjahr ersten Berechnungen zufolge auf ein Rekordtief von etwa 3170 gesunken.