Der Trend geht zum Privat-Pool

Der Trend geht zum Privat-Pool

Mit zunehmendem Alter wird man leider vergesslich. Wie schön, wenn einem da ein SZ-Leser auf die Sprünge hilft. So stießen wir diese Woche tatsächlich auf einen Kolumnen-Beitrag des neuen Saarbrücker Bürgermeisters Ralf Latz vom 4. Mai 2009, veröffentlicht im Wochenspiegel. Damals war Latz noch der Chef der SPD-Stadtratsfraktion und hatte gut reden und versprechen - vor der Kommunalwahl

Mit zunehmendem Alter wird man leider vergesslich. Wie schön, wenn einem da ein SZ-Leser auf die Sprünge hilft. So stießen wir diese Woche tatsächlich auf einen Kolumnen-Beitrag des neuen Saarbrücker Bürgermeisters Ralf Latz vom 4. Mai 2009, veröffentlicht im Wochenspiegel. Damals war Latz noch der Chef der SPD-Stadtratsfraktion und hatte gut reden und versprechen - vor der Kommunalwahl. Wie ein Löwe verteidigte er die Saarbrücker Bäderlandschaft mit den Worten: "Unsere Haltung ist klar und unmissverständlich: Die SPD will Schwimmbäder für alle und nicht nur Pools in den Gärten der Villen." Heute würde der Mann an der Seite von OB Charlotte Britz diesen Satz vermutlich lieber schlucken als zu wiederholen. Doch das Internet vergisst nichts, auch nicht das dazugehörige Plakat mit dem Kopf von Ralf Latz, auf dem die SPD für ein "modernes, soziales Saarbrücken" wirbt: "Wir brauchen Schwimmbäder" - Ausrufezeichen. Das ist jetzt alles nicht mehr wahr. Und trifft den Stadtbezirk Dudweiler und seine Familien hart. Freibad dicht, Schulschwimmbecken dicht und vermutlich auch die öffentliche Bibliothek im Stadtbezirk. Der Stadtrat soll's demnächst absegnen. Ob er's wirklich macht? In der Redaktion kriegen wir telefonisch die Wut derer mit, die die Einrichtungen nutzen. Denen nicht zu vermitteln ist, dass 30 000 Einwohner auf dem Trockenen sitzen sollen. "Wenn die Leute sich nicht mehr ernst genommen fühlen, dann gehen sie nicht mehr wählen", sagte dazu am Mittwoch Bezirksbürgermeister Walter Rodermann. Kleiner zynischer Trost am Rande: Wenn vor allem für Kinder und Jugendliche kein Freizeitangebot mehr da ist, dann kann man in Dudweiler ein Gemeinwesenprojekt installieren und die Scherben aufkehren. Mit Sozialarbeitern, die retten sollen, was kaum noch zu retten ist, in einem Stadtteil, der mal strotzte vor Selbstbewusstsein und Kraft. Diesem Stadtteil und seiner Infrastruktur aber geht es an den Kragen. Der Trend geht offenbar hin zum Privat-Pool. Alleh hopp!

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