1. Saarland

Der Torwart, der im Feld spielt

Der Torwart, der im Feld spielt

Noch eine Chance bleibt: Absteiger Köllerbach hat es wieder nicht geschafft, den ersten Saisonheimsieg zu holen. Beim 1:1 (0:0) gegen Wirges kam Torwart Dennis Donner zu seinem fünften Saisoneinsatz als Feldspieler.

Auch im vorletzten Heimspiel der Saison in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gelang Absteiger Sportfreunde Köllerbach kein Heimsieg. Am vergangenen Samstag gab es gegen die Spvgg. Wirges ein 1:1 (0:0).

Nur etwa 70 Zuschauer sahen eine erste Halbzeit, die in Tablettenform ein hervorragendes Einschlafmittel gewesen wäre. Die aufregendste Szene ereignete sich nach 15 Minuten, als zwei Spieler gegen Linienrichter Michael Baumgartl aus Hagenbach prallten. Baumgartl musste minutenlang medizinisch versorgt werden, ehe er weitermachen konnte.

In der 65. Minute brachte dann Köllerbachs Spielertrainer Dimitri Abazadze im eigenen Strafraum Yanik Finkenbusch zu Fall. Torwart Tobias Karrenbauer konnte den von Marian Kneuper geschossenen Foulelfmeter abwehren - doch Lars Böhme setzte den Nachschuss zum 0:1 ins Netz.

Schneider trifft zum Ausgleich

Das Tor für die Gäste brachte Leben ins Spiel. Danach gab es für die Sportfreunde Köllerbach Torchancen im Minutentakt. Doch nur eine davon konnten die Gastgeber genutzt: Torwart Karrenbauer hatte gegen den freistehenden Böhme reaktionsschnell das 0:2 verhindert, Abazadze klärte mit weitem Schlag nach vorne. Kneuper unterlief ein Stellungsfehler, der schnelle Yannick Schneider zog davon und schob die Kugel an Torwart Agim Dushica vorbei zum 1:1 ins Tor (77. Minute).

Nach dem Ausgleich wollte Köllerbach auch noch das Siegtor erzielen und warf alles nach vorne. Die Sportfreunde wechselten in der 86. Minute den 1,93 Meter großen Dennis Donner als dritte Sturmspitze ein. Georgios Anastasopoulus musste vom Feld. Donner ist eigentlich Torwart. Er legte in der 92. Minute per Kopfball das vermeintliche Siegtor für Mikael Pernet auf, der jedoch zeigte frei vor Dushica Nerven und schoss vorbei.

"Heute wäre ein Sieg möglich gewesen. Wenn man so viele gute Chancen hat, muss man mehr als ein Tor machen", sagte Donner verärgert. Es war sein fünfter Oberliga-Einsatz in Folge - wohlgemerkt als Feldspieler. Im Winter war Donner verpflichtet worden. Er versuchte, sich im Kampf um den Platz im Tor gegen Karrenbauer und Ronny Fahr durchzusetzen. Eine schwere Erkrankung (Pfeiffer'sches Drüsenfieber) warf ihn jedoch wochenlang zurück.

Als Donner wieder gesund war, war die Entscheidung für die Nummer eins der Köllerbacher gefallen: Fahr erhielt den Zuschlag. Dafür spielte Donner aber statt im Tor im Mittelfeld. Der 27 Jahre alte Physiotherapeut erzählt, wie es dazu kam: "Köllerbach hat Personalprobleme. Einige Spieler sind verletzt, andere suspendiert. Da jeder Verein, der mich verpflichtet, weiß, dass ich auch im Feld spielen kann, wurde ich im Mittelfeld eingesetzt."

Tournee mit Breakdance-Gruppe

Bis zur A-Jugend hat Donner meist als "Sechser" vor der Abwehr gespielt. Zunächst beim ATSV Saarbrücken, dann beim ASC Dudweiler und SV Saar 05 Saarbrücken. "Ich war in der Jugend kein besonders guter Torhüter und stand nur im Kasten, wenn kein Besserer da war. Richtiges Torwarttraining habe ich erst bei Saar 05 unter Trainer Guiseppe Fucca gemacht", erzählt er. Donner wurde so gut, dass ihn die Saarlandligisten SV Auersmacher, 1. FC Riegelsberg und erneut der SV Saar 05 als Torwart verpflichten. Bis Sommer 2012 stand er dann bei Oberligist SV Röchling Völklingen unter Vertrag, ehe er im Winter in Köllerbach anheuerte. Dazwischen war er ein halbes Jahr als Physiotherapeut mit der Breakdance-Formation "Flying Steps" auf Tournee im Libanon, Qatar, Vereinigte Arabische Emirate, Italien, Schweden, Ukraine, Russland und der Schweiz.

Donners Zeit bei den Sportfreunden Köllerbach neigt sich dem Ende zu: "Im August geht es mit den ,Flying Steps' nach Chile und Shanghai. Ob und wie es als Fußballer weitergeht, weiß ich noch nicht. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", erklärt der Ersatztorwart, der auch gerne im Feld spielt.