Der seltene Schwarzstorch ist wieder da

Der seltene Schwarzstorch ist wieder da

Er ist ein scheuer Waldbewohner und äußerst selten. Er gilt als eine Galionsfigur des Naturschutzes. Und er hat in diesem Sommer in der Nähe des St. Wendeler Landes gebrütet: Die Rede ist vom Schwarzstorch. Den genauen Standort geben die Naturschützer nicht preis. Schließlich soll der Storch nicht gestört werden und wiederkommen

Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.
Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.
Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.
Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.
Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.
Die drei Jungstörche in ihrem Horst inmitten des Waldes. Mittlerweile sind die Tiere ausgeflogen. Fotos: Konrad Funk.

Er ist ein scheuer Waldbewohner und äußerst selten. Er gilt als eine Galionsfigur des Naturschutzes. Und er hat in diesem Sommer in der Nähe des St. Wendeler Landes gebrütet: Die Rede ist vom Schwarzstorch. Den genauen Standort geben die Naturschützer nicht preis. Schließlich soll der Storch nicht gestört werden und wiederkommen. Forstdirektor Georg Graf von Plettenberg, der die Vögel bei einem Balzflug am 18. Februar dieses Jahres erspäht hat, kann stolz sein. Im Kreis Birkenfeld hat in diesem Jahr das erste Storchenpaar seit dem 19. Jahrhundert genistet. Aufbauend auf einem ehemaligen Bussardhorst stapelte das Vogelpaar Reisig auf. Und polsterte dieses dann mit Gräsern und Moosen. Die Partner verbringen eine Brutsaison, häufig auch mehrere gemeinsam.Ständig auf FuttersucheDie Altvögel, die beide den Nachwuchs füttern, fliegen maximal 15 Kilometer weit, um Wasserinsekten, Fische, Frösche und Molche zu fangen und diese im Kehlsack zum Horst zu bringen. Die Jagd findet an flachen Gewässern wie Bächen und Teichen und in Feuchtwiesen statt. Das Revier wird im Umkreis von drei bis vier Kilometern um den Horst herum verteidigt. Die Altvögel sind leicht am feuerroten Schnabel und den roten Beinen zu erkennen. Alle zwei bis drei Stunden tauchen sie am Horst auf, speien das Futter für die Jungen mitten im Horst aus und verschwinden dann ebenso schnell und fast unsichtbar, wie sie gekommen sind. Nur der mächtige Flügelschlag und der Wind, der dadurch unter dem Kronendach entsteht, sind noch zu spüren.Am Ring erkanntAnhand von Fotos konnte ein Altstorch am Ring mit der Nummer "CH 14" identifiziert werden. Dieser wurde 2005 im Départe-ment Côte d'Or in der französischen Region Burgund bei der französisch-luxemburgischen Aktion "Störche ohne Grenzen" beringt und stammt aus einem Gelege von drei Jungen. "Die Franzosen sind ganz begeistert, da es sich um den ersten Brutnachweis eines französischen Storches in Deutschland handelt", berichtet Forstdirektor Karl-Heinz Heyne, der den Kontakt herstellte. Ein Elterntier (C6J) von CH 14 wurde in Clervaux in Luxemburg beringt und brütete ebenfalls in seinem dritten Lebensjahr zum ersten Mal. Schwarzstörche gelten als orts-treu, sind jedoch auch sehr störungsempfindlich. Bei Forstarbeiten in weniger als 300 Metern Nähe geben sie ihre Brutstätte auf. Diese Gefahr besteht auch, wenn häufig Menschen in die nähere Umgebung kommen, weshalb das Forstamt Birkenfeld den Standort des Nestes geheim hielt. Drei Jungvögel, die Anfang August ausgeflogen sind, wurden in diesem Sommer großgezogen. Tage-, ja wochenlang standen sie auf dem Horst und bearbeiteten ihre Federn mit dem spitzen Schnabel von oben und unten, unermüdlich, stundenlang. Als die feinen Daunenfedern fast alle verschwunden waren, wusste man, dass der erste Ausflug bevorstand. Jetzt trainierten die Tiere täglich die Muskulatur der Schwingen. Flügelschlagen bei angezogener Handbremse. Als wenn Kampfflugzeuge auf einem Flugzeugträger den Erstflug üben, kam es einem vor, man hatte permanent Angst, dass einer runterfällt. Aber weit gefehlt, die staksigen Beine fanden schnell wieder Halt. Kleinere Ausflüge in die umgebenden Äste unternahmen die Jungstörche. Die Geschwister mussten zur Seite treten, wenn einer "Anlauf" üben wollte. Anfang August war es dann endlich soweit, an einem wunderschönen Abend kurz vor 18 Uhr stürzte sich der erste Jungvogel aus dem Horst. Es gab nicht wie befürchtet eine Bodenlandung, sondern er flog "wie ein Alter" zwei Runden unterhalb des Kronendaches um den Horst herum, als hätte er nie etwas anderes getan. Dann suchte er sich eine Lücke im dichten Kronendach und stieg hinauf in den azurblauen, wolkenlosen und windstillen Abendhimmel des Hunsrücks. Über den WolkenEs war ein einmaliges Erlebnis, und ich hatte auf dem Weg nach Hause "Über den Wolken", ein Lied von Reinhard Mey, im Kopf. Am anderen Morgen schafften es auch die restlichen beiden Jungstörche. Sie interessierten sich allerdings mehr für den Bodenbereich rund um den Horst, machten kleinere Ausflüge, kehrten aber immer wieder in die Nähe des Horstbaumes zurück. Nach wenigen Tagen war keiner der Störche mehr sichtbar. Spätestens im September treten die stattlichen Vögel über die westliche Route die Reise in den Süden an. Manche beenden diese schon auf der Iberischen Halbinsel. Als Winterquartier bevorzugen die meisten die afrikanische Steppe zwischen Sahara und tropischem Regenwald. Sie erreichen ein Flugtempo von 40 Kilometern pro Stunde und können am Tag 300 Kilometer zurücklegen, erläutert Karl-Heinz Heyne, Experte für Schwarzstörche. So erreichen sie nach etwa einem Monat ihr Ziel. An Flüssen, die im Winter Wasser führen, finden sie dann ihre Nahrung. Der Rückflug im Februar und März verläuft schneller, und sie suchen nicht selten ihre alten Horste auf. Schwarzstörche waren auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz seit Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben. Erst 1982 gelang in der Eifel wieder der erste Brutnachweis. Momentan schätzt man das Vorkommen mit den Schwerpunkten Eifel und Westerwald auf 30 Brutpaare. Der Stellenwert dieser Entdeckung ist also enorm, verdeutlicht Karl-Heinz Heyne vom Forstamt Bitburg. Den seltenen Vogel gibt es auch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder, wie Amtsleiter Dr. Herbert Kraft berichtet. Man geht davon aus, dass sich die Nistplätze im zentralen Sperrgebiet befinden, wo sie weder gesucht noch gestört werden können.Teiche sind wichtigEin Paket von Maßnahmen ist im Hunsrück geplant, um die Schwarzstörche zu begünstigen. "Wichtig ist, Fischteiche nicht trocken fallen zu lassen", mahnt Heyne, der auch mehr Licht und Sonne für Tümpel fordert. Eine weitere Aufwertung bietet das Fällen von Fichten entlang der Bachläufe, was auch im Saarland praktiziert wird. Statt Fichten sollen Erlen, Eschen und Weiden am Bach anzutreffen sein. Flachmulden, Tümpel und Teiche sind von großer Bedeutung. So weist der Birkenfelder Forstamtsleiter Dr. Ulrich Sommer auf die seit einem Vierteljahrhundert vor allem im Rahmen der Lokalen Agenda 21 im Staatswald geschaffenen Flachmulden hin. Saubere Bäche sind ebenso unverzichtbar.